TSV 1860 München gegen Mannheim: „Dritte Liga – Sechzig ist dabei“ – Sport

Am Ende hallte ein Ruf nach, hinterlassen von den Gästefans beim Verlassen des Stadions. „Dritte Liga – Sechzig ist dabei“, riefen sie voller Häme, ein Ausrufezeichen nach diesem Spiel zweier Vereine mit Historie – Waldhof Mannheim und der TSV 1860 München verbindet keine große Leidenschaft. Wenn es aber nach Sechzigs Trainer Markus Kauczinski geht, lautet die Antwort aus Sicht des Münchner Verfolgers: Nein, vielleicht geht ja doch noch was.

„Das habe ich der Mannschaft im Kreis auch gesagt: Es ist noch nicht vorbei“, sagte der 56-Jährige nach einem 1:1 (0:1) gegen Waldhof Mannheim, das als Zeitraffer für die gesamte bisherige Löwen-Saison gelten kann: Starker Beginn, großes Bemühen in den Schlussminuten mitsamt Erfolgserlebnis, aber dazwischen auch immer wieder unerklärliche Fehler und, unterm Strich, fehlende Konstanz sowie bisweilen auch fehlende Cleverness. Unter dem Strich, das bedeutet aktuell: sieben Punkte Rückstand auf Platz drei, vier Mannschaften müssten für eine Aufstiegschance überholt werden. Es sieht also nicht gut aus für die Mannschaft, die mit sehr hohen Erwartungen in die Saison gestartet war.

Letztmals in die 2. Liga aufgestiegen sind die Sechziger im Jahr 1992/93 unter Werner Lorant. Zuvor, in der Saison 1990/91, ein weiteres Mal unter Karsten Wettberg. Der „König von Giesing“ war am vergangenen Sonntag gestorben und wurde dieser Tage von den Fans verabschiedet, mit einem Kondolenzbuch auf dem Vereinsgelände und am Samstag einem Spruchband in der Westkurve. Die Mannschaft spielte mit Trauerflor. Jetzt kämpft Coach Kauczinski darum, 35 Jahre später als Nächster die Löwen zum Aufstieg zu führen.

Kein leichtes Unterfangen: Der TSV 1860 schießt dafür zu wenige Tore. „Wir müssen gefährlicher werden“, hatte der Trainer deshalb vor dem Spiel gegen den Waldhof gefordert. Angesichts von gerade einmal zwei Treffern in den vergangenen drei Ligapartien waren die Löwen-Aufstiegsbemühungen zum Schneckenrennen geworden. Jetzt ist die Mannschaft dazu verdammt, jedes Mal auf Sieg zu spielen. Und so wählte Kauczinski diesmal eine recht offensive Aufstellung, mit Patrick Hobsch als zweitem Stürmer und dem 20-jährigen Mittelfeldspieler Samuel Althaus, der in dieser spannenden Saisonphase sein Startelfdebüt geben durfte.

Haugen trifft, der Norweger agiert aber nicht immer präzise genug

Tatsächlich wirkten die Münchner der Beginn an sehr viel gefährlicher, Sigurd Haugen vergab die erste Großchance nach sieben Minuten. Der Vorlagengeber in dieser Szene, Philipp Maier, fand hernach völlig zurecht, dass sein Team „Chancen für drei, vier Tore“ gehabt habe. Er dürfte damit vor allem Haugen gemeint haben, dem in vielen Situationen Glück und Präzision fehlten, auch bei einem Kopfball wenig später (14.). So fiel das Tor auf der anderen Seite: Lovis Bierschenk staubte zur Führung ab, weil Sechzigs Torwart Thomas Dähne eine wuchtige Hereingabe vor dessen Füße abwehrte (27.).

Vor der Pause wäre dann der Ausgleich mehrmals möglich, doch Kevin Volland bekam in einer umstrittenen Situation in Minute 30 zurecht keinen Elfmeter zugesprochen. In der 42. Minute wurde er vor einem Heber aufs leere Tor wegen eines vermeintlichen Fouls zurückgepfiffen (wohl zu Unrecht). Haugen hatte später die größte Chance liegen lassen, aus sechs Metern war er frei zum Kopfball gekommen. Ihm gelang zwar nach Volland-Vorlage und einem starken Einsatz des eingewechselten Justin Steinkötter noch der Ausgleich, aber es war zu spät, um das Spiel noch zu drehen (86.). „Ich muss den Hut vor der Mannschaft ziehen, wir haben wirklich das Herz auf dem Platz gelassen, aber haben die Dinger nicht reinbekommen“, sagte Abwehrspieler Max Reinthaler. Er fand aber auch: „Solange wir die rechnerische Möglichkeit haben, werden wir den Aufstiegskampf nicht abschreiben.“ Das taten seine Löwen auch in der Schlussphase nicht.

Kauczinski hat derweil schon ein wenig weitergerechnet. Für ihn ist schon deshalb noch nicht alles vorbei, weil noch mehrere direkte Duelle zwischen den Aufstiegskandidaten warten, allein drei davon in den kommenden Tagen: am Mittwoch spielt Duisburg gegen Tabellenführer Osnabrück, am Dienstag empfängt Verl dann Rostock – und der TSV 1860 tritt bei Energie Cottbus an. „Es bringt jetzt nichts, den Sand in den Kopf zu stecken“, sagte der Trainer. „Wenn du dich heute nicht belohnst, gilt es, sich am Dienstag zu belohnen“, resümierte Philipp Maier – man dürfe so lange nicht aufgeben, wie der Aufstieg noch möglich ist. Das klang dann etwas weniger zuversichtlich als bei seinem Coach und traf wohl eher das Gefühl einer Vielzahl der Sechzig-Fans auf dem Weg raus aus dem Grünwalder Stadion.