TSV 1860 München bei Energie Cottbus: Die Aufstiegsträume haben sich erledigt – Sport

Am Ostermontag hatte Markus Kauczinski angedeutet, dass er mal eine Fünf in Mathematik im Zeugnis stehen hatte – im Frühjahr beginnt in allen Ligen stets eine große Tabellenrechnerei. Beim TSV 1860 München war das am Dienstagabend allerdings nicht mehr nötig. Die Mannschaft verdiente sich in der ersten Halbzeit bei diesem vermeintlichen Spitzenspiel bei Energie Cottbus eine schlechtere Note als Kauczinski in Mathe – und deshalb ist nun kein Rechnen mehr nötig.

„Ich bin kein Freund von Durchhalteparolen. Mit zehn Punkten Rückstand brauchst du keinen Rechenschieber“, fand Sechzigs Geschäftsführer Manfred Paula – und vor allem sagte er das schon in der Halbzeit bei Magenta Sport, als die Löwen 0:2 zurücklagen und der Abstand zu Cottbus in der Blitztabelle eben jene zehn Punkte betrug. „Ich glaube schon“, sagte dann auch Kauczinski nach einer 0:3-Pleite auf die Frage, ob es das gewesen sei: „Das war verdient. Wir waren nicht präsent, in den Zweikämpfen nicht hart genug.“

Er könne sich die Leistung nicht erklären, merkte dann aber auch an, dass es seit Längerem Probleme im Spiel gebe, „die wir über die Zeit kaschieren konnten – heute leider nicht“. Paula deutete zudem an, nicht mehr zweigleisig planen zu müssen; er kann sich jetzt darauf konzentrieren, künftige Drittliga-Verträge zum Abschluss zu bringen. Zumal den Löwen obendrein auch noch Rot-Weiss Essen und der MSV Duisburg mit Siegen davonzogen.

Die über 1000 mitgereisten Fans sehen eine lange nicht mehr erlebte Unterlegenheit

Kläglich gescheitert war Sechzig diesmal insbesondere offensiv. Von der zum Sieg verdammten Mannschaft war 45 Minuten lang nichts Gefährliches zu erblicken, in der Anfangsphase glänzten die beiden offensiv wichtigsten Spieler Kevin Volland und Sigurd Haugen jeweils mit einer gelungenen Abwehraktion. Doch mit zunehmender Spieldauer verlagerte sich das Spiel mehr und mehr in die Hälfte der Gäste, und die über 1000 mitgereisten Fans sahen dann eine lange nicht mehr erlebte Unterlegenheit. Das 1:0 durch Erik Engelhardt nach 29 Minuten war hochverdient, und dass er vier Minuten später nachlegte, ebenso. Beim 2:0 hatte zuvor Lukas Michelbrink mit einem kurzen Antritt die gesamte Abwehr düpiert, Engelhardt musste nach der Hereingabe nur noch einschieben.

Kauczinskis Halbzeit-Reaktion war beachtlich: Er nahm zur Pause in Philipp Maier und Raphael Schifferl zwei Defensiv-Routiniers vom Feld und ersetzte sie durch die Youngster Samuel Althaus und Lasse Faßmann. Die könnten ab sofort oft mitspielen, denn jede Einsatzminute deutscher U21-Spieler wird mit Zuschüssen aus dem DFB-Fördertopf belohnt.

Immerhin: Kurz nach dem Seitenwechsel hätte das Spiel einmal kippen können, als in wenigen Sekunden drei Torschüsse geblockt wurden (53.). Sechzig schien aufzuwachen, doch dann schob Engelhardt zu seinem dritten Treffer ein, als Torwart Thomas Dähne nach einem Konter den Ball nicht festhalten konnte (66.). Dem eingewechselten Florian Niederlechner blieb zweimal der Anschlusstreffer aus kurzer Distanz verwehrt (74., 77.), mit den slapstickhaft vergebenen Chancen sanken die Aufstiegschancen rein emotional noch tiefer als mathematisch. „Es war mehr oder weniger die letzte Chance. Die Körpersprache der Spieler – wie Geister“, lautete die Analyse des Kapitäns Thore Jacobsen.