Clemens Lippmann hätte in der 88. Spielminute für klare Verhältnisse sorgen können, doch unter dem Stöhnen der Fans schob der junge Sechziger den Ball nicht zum 3:1 ins Tor, sondern in die Arme des Torhüters. Danach hatten die Gäste von Erzgebirge Aue in diesem Dienstagabendspiel der dritten Liga mit Extralänge ein halbes Dutzend bester Chancen auf den Ausgleich, allen voran der Ex-Löwe Marcel Bär (89.). Am Ende stand aber das 2:1 (1:1), der vierte Sieg in Serie für den TSV 1860 München – und der viel diskutierte Nebel legte seinen Mantel über die Tatsache, dass dies ein besonders glücklicher Sieg gewesen war.
Viel wert war er allemal, denn zum Auftakt der englischen Woche sind die Löwen schon jetzt zumindest ein bisschen näher gerückt an die Spitzenteams, weil zur gleichen Zeit der SC Verl überraschend 1:2 gegen Jahn Regensburg verlor. „Es hat gefühlt jeder noch drei Bälle geblockt“, schwärmte Sechzigs Innenverteidiger Raphael Schifferl, und merkte angesichts der vielen knappen Erfolge an: „Es ist geil, wie wir das zurzeit alles überstehen. Es ist nicht einfach, so eine Serie hinzulegen“, man sei ja schon „abgeschrieben“ gewesen.

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Zuletzt war Sechzig oft sehr defensiv aufgetreten, bisweilen sogar bieder. Diesmal war das anders, gegen die abstiegsgefährdeten Gäste erlaubten sich die Löwen einen, für ihre Verhältnisse, offenen Schlagabtausch. Die ersten Minuten gehörten Aue, mit dem ersten Abschluss gingen aber die Gastgeber in Führung (7.). Nach einem Schlenzer von Kevin Volland staubte Maximilian Wolfram ab, der nur wegen der Gelbsperre von David Philipp in der Startelf stand und in der laufenden Saison noch keinen einzigen Scorerpunkt gesammelt hatte. Doch die Führung hielt nur fünf Minuten, dann sorgte das Ex-Löwen-Duo für den Ausgleich: Julian Guttau spielte Marcel Bär an, der traf. Und ließ sich gerne feiern, jubelte aber nicht (12.).
Siemen Voet traf nur Sekunden danach die Latte, dabei wurde der Ball auch noch von einer Auer Abwehr-Hand abgelenkt. Der Innenverteidiger kam noch einmal frei zum Schuss (26.), er nahm am Dienstagabend eine ungewöhnlich offensive Rolle ein. Vorerst blieb es beim 1:1.
Möglicherweise war der Ball für Aues Torwart nicht mehr zu sehen vor lauter Nebel
Nach der Halbzeitpause profitierte Sechzig dann von der mittlerweile schon chronischen Auer Abwehrschwäche – oder vom immer stärker werdenden Nebel: Zwei Kerzen schossen die Auer nach oben, möglicherweise war der Ball für Torwart Paul Bachmann nicht mehr zu sehen, er lief orientierungslos umher, dann klatschte der Ball gegen Voets Fuß, Sigurd Haugen erzielte per Flugkopfball aus drei Metern sein elftes Saisontor (50). „Das ist nicht nur Glück“, sagte Sechzigs Trainer Markus Kauczinski, das Tor habe man sich schon verdient gehabt.
Kurz darauf dämmerte es Schiedsrichter Tom Bauer, dass die Bedingungen womöglich irregulär geworden waren. In der 54. Minute unterbrach er das Spiel, was die Fans in der Westkurve mit ausgiebigem Feuerwerk feierten, damit wurde es noch unübersichtlicher. Fast 17 Minuten dauerte die Unterbrechung. Es folgte eine weitere Kuriosität: Haugen nahm zwei Minuten von der Uhr, weil ihm ein Gegenspieler den rechten Schuh kaputtgetreten hatte – der Norweger spazierte quer über den Platz, um sich einen neuen zu holen (63.). Kurz vor Schluss wurde der Nebel wieder dichter, der Unparteiische ließ aber zu Ende spielen. Über den Nebel und einen möglichen Spielabbruch sagte Schifferl noch: „Es war grenzwertig, aber es wäre schade gewesen.“ Nach dem Schlusspfiff folgte dann noch ein Feuerwerk, und noch mehr Nebel.
