Trumps Wut auf die Windräder im Faktencheck


Trump: „Ich habe noch keinen Windpark in China finden können.“

Dass Trumps Suche nach einem chinesischen Windpark nicht erfolgreich war, kann jedenfalls nicht daran liegen, dass es keine Windenergie in China gibt. Das Land hat nach Angaben der nationalen Statistikbehörde im vergangenen Jahr 1053 Terawattstunden an Windstrom produziert. Zum Vergleich: Das ist knapp achtmal so viel wie in Deutschland und sogar mehr als doppelt so viel wie der gesamte Stromverbrauch hierzulande.

China allein steht für rund zwei Fünftel der globalen Windstromproduktion, mehr als doppelt so viel wie die USA auf Rang zwei. Die Windparks lassen sich auf Satellitenbildern erkennen. Sollte Trump China im April tatsächlich besuchen, könnte er sogar von der Air Force One aus seine Suche fortsetzen und in der Wüste Gobi unzählige Quadratkilometer an Windparks beobachten.

Trump: „China produziert nahezu alle Windmühlen.“

Dass China sehr viele Windräder produziert, ist richtig. Die drei größten Produzenten von Windturbinen auf der Welt kommen aus dem Reich der Mitte. Chinas Anteil an der globalen Produktion wird auf rund drei Fünftel geschätzt. Die Aussage, China produziere nahezu alle „Windmühlen“, ist also überspitzt, aber nicht völlig falsch.

Trump: „Sie verkaufen sie an dumme Leute, die sie kaufen, aber sie nutzen sie nicht selbst. […] Sie haben [die Windparks] nur aufgestellt, um Leuten zu zeigen, wie sie aussehen könnten.”

Trumps Vorwurf, die Windparks seien Potemkinsche Dörfer, ist nicht haltbar. Laut dem Global Wind Energy Council verbleiben 94 Prozent der Windräder aus chinesischer Produktion in China. Richtig wäre die Aussage, dass Chinas Ausfuhren von Windturbinen stark ansteigen. Der Export hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren laut der Denkfabrik Ember Energy mehr als verdoppelt. Der chinesische Markt ist aufgrund seiner schieren Größe dennoch viel wichtiger als der Export.

Trump: „China setzt auf Kohle, . . . Öl und Gas. Sie fangen an, sich ein wenig mit Kernenergie zu beschäftigen, und es läuft bestens für sie.“

Diese Aussage ist nicht falsch. Der Anteil der fossilen Energien an Chinas Energiemix sinkt zwar, Kohle kommt aber weiterhin für mehr als die Hälfte des Energie- und Elektrizitätsmixes auf. Der Kohleverbrauch stieg zuletzt langsamer, weil erneuerbare Energien fast den gesamten neuen Bedarf decken, er legte aber auch im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent zu. Öl und Gas machten zuletzt rund ein Viertel des Energieangebots aus. China baut zudem viele Atomkraftwerke. Knapp 60 Reaktoren sind in Betrieb, weitere 40 in Bau. Chinas Energiehunger steigt aber jedes Jahr so schnell, dass China auf fast alle Energiequellen setzt.

Trump: „Jedes Mal, wenn sich ein Windrad dreht, verliert man 1000 Dollar. Mit Energie sollte man Geld verdienen, nicht Geld verlieren.“

Das ist falsch. Die Betriebskosten von Windrädern liegen nahe null, weil die Natur den Treibstoff kostenlos zur Verfügung stellt und Kosten für die Wartung kaum ins Gewicht fallen. Selbst wenn man die – inflationsbedingt stark gestiegenen – Kosten für den Bau miteinrechnet, sind Windräder in Deutschland die kostengünstigste Technologie zur Stromerzeugung. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) schätzt die Stromgestehungskosten von Onshore-Anlagen auf 4,3 bis 9,2 Cent je Kilowattstunde. Die von Offshore-Anlagen liegen im Schnitt etwa einen Cent darüber.

Zum Vergleich: Für ein neues Braunkohlekraftwerk liegen die Stromgestehungskosten heute zwischen 15,1 und 25,7 Cent, für Gas- und Dampfkraftwerke zwischen 10,9 und 18,1 Cent und für die besonders flexibel einsetzbaren, mit Gasturbinen angetriebenen Kraftwerke zwischen 15,4 und 32,6 Cent. Zwar wird der Großteil der Windparks immer noch staatlich gefördert. Immer mehr große Unternehmen sichern sich günstigen Windstrom jedoch auch über direkte Abnahmeverträge („PPAs“). Auch in China ist die staatliche Förderung des Windstroms in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, trotzdem bleibt das Ausbautempo hoch.

Trump: „Windräder töten Vögel.“

Grundsätzlich können Windräder Vögel gefährden, wenn diese dicht an den Anlagen vorbeifliegen und in die Nähe der Rotorblätter gelangen. Genaue Zahlen hängen stark von Art, Flugrouten und Standort der Anlagen ab. Der Naturschutzbund geht davon aus, dass Windräder in Deutschland etwa 100.000 Opfer im Jahr verursachen. Zum Vergleich: Geschätzt 100 Millionen Vögel im Jahr sterben nach Kollisionen mit Fensterscheiben, 70 Millionen im Straßen- und Bahnverkehr, und 20 bis 100 Millionen Tiere werden von Hauskatzen gefressen.

Trump: „Deutschland erzeugt heute 22 Prozent weniger Strom als 2017.“

Das stimmt. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland brutto 499 Terawattstunden Strom erzeugt, 2017 waren es noch 647 Terawattstunden. Das liegt vor allem daran, dass die Industrie weniger Strom nachfragt, aber auch am effizienteren Einsatz der Energie.

Wie reagiert China auf Trumps Aussagen?

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte am Donnerstag, seit 15 Jahren sei China jedes Jahr das Land, das am meisten Windkraft installiere. Chinas Bemühungen, den Klimawandel zu bekämpfen und erneuerbare Energien voranzubringen, seien für die ganze Welt offensichtlich.