Trump droht Kanada mit 100-Prozent-Zöllen

US-Präsident Donald Trump hat Kanada für den Fall eines Handelsabkommens mit China mit massiven Strafzöllen gedroht. Sollte Kanada ein solches Abkommen umsetzen, würden die USA umgehend einen Zoll von 100 Prozent auf alle kanadischen Waren und Produkte erheben, schrieb Trump am Samstag auf seiner Plattform Truth Social. „China wird Kanada bei lebendigem Leibe fressen, es vollständig verschlingen, einschließlich der Zerstörung seiner Unternehmen, seines sozialen Gefüges und seiner allgemeinen Lebensweise“, warnte Trump den kanadischen Premierminister Mark Carney.

Mitte Januar hatte Trump das Vorhaben Kanadas mit China noch als gute Sache bezeichnet. Zudem hatte Trump selbst ​Kanadas Eigenständigkeit wiederholt in Frage gestellt und erklärt, der Nachbar sollte sich besser den USA als Bundesstaat anschließen.

Trump verknüpfte seinen Beitrag auf Truth Social am Samstag mit dem Bericht eines Nachrichtenportals über die Reise Carneys im Januar nach China. Dort hieß es in der Überschrift, Carney stehe ​vor einem „Pakt mit dem Teufel“ und das Vorhaben könne Kanadas größten Handelspartner USA verärgern. Rund zwei Stunden nach seinem ersten Post schrieb Trump am Samstag in einem weiteren Beitrag, das letzte, was die Welt brauche, sei eine Übernahme Kanadas durch China. „Das wird NICHT passieren, oder auch nur annähernd passieren!“, so der US-Präsident.

Carney kritisierte Trump in Davos

Der Ton ⁠zwischen Carney und Trump hatte sich zuletzt verschärft. Auslöser war Carneys Kritik ​an Trumps Bestrebungen, Grönland zu kaufen. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos rief Carney zudem die „Mittelmächte“ dazu auf, gemeinsam zu handeln, um nicht Opfer der US-Hegemonie zu werden. Dazu gehörten ⁠auch neue Allianzen. Trump sagte indes in seiner Rede in Davos, Kanada „lebt nur wegen der Vereinigten Staaten“. Carney wies dies zurück: „Kanada ist erfolgreich, weil wir Kanadier sind.“ In der Folge lud Trump Kanada ‍aus seinem ‍geplanten „Board of Peace“ („Friedensrat“) aus, der sich mit internationalen Konflikten befassen soll.

Trumps Eskalation vom Samstag stellt zudem eine Kehrtwende dar. Zu der Reise Carneys nach China in diesem Monat, die das angespannte Verhältnis der beiden Länder verbessern sollte, hatte sich Trump zunächst unterstützend geäußert. „Es ist eine gute Sache für ihn (Carney), einen Handelsdeal zu unterzeichen“, hatte Trump am 16. Januar gesagt. „Wenn ⁠du einen Deal mit China machen kannst, solltest du das machen.“

Nun sagte Trump, China könne versuchen, Kanada als „Umschlagplatz“ zu nutzen, um US-Zölle zu ​umgehen. Dabei bezeichnete er Carney als „Gouverneur“, eine Anspielung ​auf frühere Forderungen Trumps, Kanada solle US-Bundesstaat werden.

Die Beziehungen zwischen Trump ‌und Carney galten nach dessen Wahl im vergangenen Jahr zunächst als gut, trübten sich später aber ‍ein. Das Handelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko, das im Juli neu verhandelt werden soll, bezeichnete Trump jüngst bereits als „irrelevant“. Sollte Trump seine Drohung mit ‍den Zöllen wahr machen, würde dies den Druck auf kanadische Industriezweige wie ⁠die Metallverarbeitung, die Autoindustrie und den Maschinenbau erheblich erhöhen. Es hat sich in den vergangenen Monaten aber gezeigt, das Trump nicht immer umsetzt, was er ankündigt.