Transportkapazitäten am Limit: ELVIS sieht fragile Marktstabilisierung

Die Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (ELVIS) AG bewertet die wirtschaftliche Entwicklung im vierten Quartal 2025 als stabilisiert – allerdings weiterhin auf einem deutlich abgeschwächten Niveau. Zwar verzeichnet das Bruttoinlandsprodukt ein moderates Plus, doch zentrale Branchen wie der Maschinenbau und die chemische Industrie bleiben unter Druck. Parallel zeigt sich im Straßengüterverkehr eine gewisse Belebung, deren Effekte jedoch durch strukturell eingeschränkte Leistungsreserven begrenzt werden.

Nach Angaben des Verbundes sank die Produktion des verarbeitenden Gewerbes im Dezember 2025 um 6,5 Prozent gegenüber dem Vormonat und lag auch im Jahresvergleich 1,1 Prozent darunter. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Maschinenbau aus, der sowohl zum Vormonat (-6,8 Prozent) als auch zum Vorjahr (-4,8 Prozent) deutlich nachgab. Die chemische Industrie entwickelte sich ähnlich schwach. Ein leichter Aufwärtstrend zeigte sich dagegen im Baugewerbe, das um 3,0 Prozent zum Vormonat und 0,4 Prozent zum Vorjahr zulegen konnte. Das BIP stieg im Jahresvergleich um 0,4 Prozent.

„Im kurzfristigen Vergleich erkennen wir eine gewisse Stabilisierung. Im strukturellen Jahresvergleich zeigt sich jedoch, dass die wirtschaftliche Basis weiterhin fragil ist“, sagt Nikolja Grabowski, Vorstand der ELVIS AG.

Die konjunkturellen Verbesserungen spiegeln sich auch in den Stimmungsindikatoren wider. Der ifo Geschäftsklimaindex stagnierte im Januar 2026 gegenüber dem Vormonat, legte jedoch im Jahresvergleich um 2,7 Prozent zu. Auch die Geschäftserwartungen entwickelten sich mit einem Plus von 5,7 Prozent zum Vorjahr merklich positiver.

Auch im Transportsektor ergeben sich gegenläufige Trends. Die mautpflichtige Fahrleistung ging im Dezember saisonbedingt zurück, lag jedoch 4,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Laut Grabowski lässt sich daraus eine moderate Erholung ableiten, die jedoch weiterhin saisonalen Schwankungen unterliegt.

Das Transportbarometer, das das Verhältnis zwischen Frachtangebot und verfügbarem Laderaum beschreibt, verbesserte sich im Januar sowohl zum Vor- als auch zum Vorjahresmonat. Zudem stiegen die Umsatzerwartungen im Bereich Straßengüterverkehr deutlich an – um 9,4 Prozent zum Vormonat und sogar um 14,9 Prozent im Jahresvergleich.

Parallel dazu reduzierten sich die Preiserwartungen (-1,9 Prozent zum Vormonat; -4,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum). „Die Nachfrage entwickelt sich etwas dynamischer als noch vor einem Jahr. Eine nachhaltige Preisdurchsetzung ist jedoch weiterhin nicht erkennbar“, erklärt Grabowski. Der ELVIS-Teilladungsindex fiel im Januar sowohl im Monats- als auch im Jahresvergleich.

Die Entwicklung der Kosten verläuft ebenfalls zweigleisig. Während die Personalkosten im Transport- und Logistiksektor im dritten Quartal 2025 weiter anzogen (+1,5 Prozent zum Vorquartal; +4,2 Prozent zum Vorjahr), gaben die Kraftstoffpreise spürbar nach. Diesel verbilligte sich im Dezember um 5,8 Prozent zum Vormonat, LNG sogar zweistellig. „Die Entspannung beim Kraftstoff federt den Kostendruck ab, wiegt die gestiegenen Personalkosten jedoch nicht auf“, so Grabowski. Zum Jahreswechsel stiegen die Dieselpreise jedoch wieder deutlich an.

Infolge der schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Monate haben viele Unternehmen ihre Flotten verkleinert und Investitionen reduziert. Dadurch fehlen nun wichtige Kapazitätspuffer.

„Die aktuellen Kennzahlen vermitteln Stabilität – allerdings auf einem Niveau, das wenig Puffer bietet“, erklärt Grabowski. „Sollte die Nachfrage kurzfristig und deutlich anziehen, könnten die vorhandenen Kapazitäten schnell ausgelastet sein.“

Ein unerwarteter Nachfrageanstieg – beispielsweise durch eine verstärkte Industrieproduktion – könnte nach Einschätzung des Verbundes schnell Engpässe im Frachtraum verursachen. Verlader müssten daher frühzeitig Kapazitäten sichern, während Speditionen eng an Kosten- und Leistungskennzahlen arbeiten müssten, um flexibel reagieren zu können.

„Die leichte Erholung im Vergleich zum Vorjahr ist ein positives Signal. Entscheidend wird jedoch sein, ob die Branche bei einer stärkeren Nachfrageentwicklung schnell genug wieder Kapazitäten aufbauen kann“, fasst Grabowski zusammen.