Traditionszeitung statt Tech: Warren Buffett verabschiedet sich mit einem emotionalen Millioneninvestment

Traditionszeitung statt TechWarren Buffett verabschiedet sich mit einem emotionalen Millioneninvestment

18.02.2026, 14:48 Uhr

imageVon Max Borowski
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Als Kind trug Warren Buffett Zeitungen aus. Noch im hohen Alter, während er mehrere Zeitungsverlage besaß, nahm er anlässlich der Berkshire-Hauptversammlungen an Wettbewerben im zielgenauen Zeitungswerfen teil. (Foto: AP)

Im letzten Quartal unter der operativen Führung von Warren Buffett vollzieht Berkshire Hathaway mehrere spektakuläre Aktientransaktionen. Seinem Nachfolger übergibt der 95-jährige Investmentguru nicht nur ein teils neu sortiertes Portfolio, sondern auch einen gigantischen Bar-Bestand.

Zum Abschied hat die Investmentlegende ihr Portfolio noch einmal kräftig umgebaut. Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC hat nun die Pflichtangaben veröffentlicht, aus denen hervorgeht, welche Aktien Berkshire Hathaway im vierten Quartal des vergangenen Jahres ge- und verkauft hat. Es sind die letzten Transaktionen unter der Führung Buffetts, der mit dem Jahreswechsel im Alter von 95 Jahren nach sechs Jahrzehnten an der Unternehmensspitze die operative Leitung seiner Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway abgegeben hat. Unter den zahlreichen Veränderungen im Portfolio sind einige Überraschungen.

So hat Buffett die Beteiligung an Amazon um mehr als drei Viertel reduziert. Zu Beginn des vergangenen Quartals besaß Buffetts Holding noch rund zehn Millionen Amazon-Aktien im Wert von mehr als zwei Milliarden Dollar, zum Jahreswechsel waren es nur noch 2,3 Millionen Anteile mit einem Wert von weniger als 500 Millionen Dollar.

Gründe für die Veränderung von Positionen gehen aus den SEC-Dokumenten nicht hervor. Allerdings hat Buffett mit dem Verkauf der Amazon-Papiere mit Blick auf die jüngste Kursentwicklung das richtige Gespür gehabt: In den vergangenen Wochen hat der Versand- und Cloudcomputing-Gigant an der Börse deutlich an Vertrauen eingebüßt. Investoren haben zunehmend Zweifel, dass sich die gewaltigen Investitionen des Konzerns in Künstliche Intelligenz auszahlen. Seit Ende Januar fiel der Amazon-Aktienkurs zeitweise um rund 20 Prozent.

Einstieg bei der „New York Times“

Zudem reduzierte Berkshire im vergangenen Quartal seine milliardenschweren Positionen bei Apple und der Bank of America weiter. Mit einem Wert von mehr als 60 Milliarden Dollar ist Apple aber nach wie vor der mit Abstand größte Posten im Aktienportfolio von Berkshire. Seit 2024 hat Buffett seine Apple-Anteile schrittweise reduziert.

Während Berkshire Aktien der Tech-Konzerne Apple und Amazon verkaufte, stieg Buffett zum Ende seiner Laufbahn bei einem der traditionsreichsten Medienhäuser der USA ein und kaufte ein rund 350 Millionen Dollar schweres Aktienpaket an der „New York Times“. Seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump steht die liberal ausgerichtete Zeitung unter politischem Dauerbeschuss aus dem Weißen Haus. Wirtschaftlich steht das Traditionsblatt allerdings gut da. Der Aktienkurs des börsennotierten Medienhauses legte im vergangenen Jahr rund 50 Prozent zu.

Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass nicht allein finanzielle Gründe hinter Buffetts Einstieg bei der NYT stecken. Im Vergleich zu anderen Positionen im Berkshire-Portfolio ist das Aktienpaket recht klein und finanziell nicht sehr bedeutend. Buffett hat allerdings eine lange und emotionale Verbindung zur Zeitungsbranche. Als Kind, so erzählte er bei mehreren Gelegenheiten, verdiente er sich sein erstes Geld mit dem Austragen von Zeitungen. In den 1970er Jahren übernahm Berkshire mehrere Zeitungen, darunter einen Anteil an der berühmten „Washington Post“, in deren Aufsichtsrat Buffett mehrere Jahrzehnte saß.

Wie es schon seit einigen Jahren überwiegend der Fall war, verkaufte Buffett auch in seinem letzten Quartal als CEO Aktien für mehr Geld, als er in neue Anteile investierte. Dadurch dürften die Bar-Reserven von Berkshire erneut gestiegen sein. Bereits zu Beginn des letzten Quartals saß Berkshire auf einem Berg von mehr 380 Milliarden Dollar. Der Bar-Bestand, den Buffett zum Jahreswechsel seinem langjährigen Vertrauten Greg Abel als Nachfolger übergab, dürfte noch einmal darüber liegen.

Quelle: ntv.de