Tokio: Die letzten Riesenpandas müssen zurück nach China

Der Konflikt zwischen China und Japan erreicht sogar das Tierreich. Mit dem Zwillingspaar Xiao Xiao und Lei Lei ­sollen die letzten beiden Riesenpandas Japan verlassen. Dabei gehen sie auf eine lange Tradition von Leihgaben aus Peking zurück. Die Zwillingspandas wurden im Jahr 2021 als Nachwuchs von ihrer Mutter Shin Shin und deren Partner Ri Ri geboren, die beide für ein Zuchtprojekt nach Japan ausgeliehen waren. Seither lebten sie im ­Tokioter Ueno-Zoo, inmitten eines der größten Parks der Stadt.

Das Eigentum an den Jungtieren verblieb trotz ihrer Geburt in Japan bei ­China. Am 27. Januar sollen sie nun aber mit dem Flugzeug nach China ­reisen – noch vor dem von Peking gesetzten Enddatum der Entleihung im Februar, wie die japanische Regierung hervorhob. Schon im vergangenen Sommer mussten vier Riesenpandas aus einem Vergnügungspark in der Nähe von Osaka zurück nach China geflogen werden, weil das Heimatland die Ent­leihung nicht verlängern wollte.

Die Parkver­waltung hat das Pandagucken streng limitiert

Damit ist vorerst das Ende der Panda-Diplomatie besiegelt, die Peking und ­Tokio im Jahr 1972 mit der ersten Ent­leihung eines Bärenpaars aufgenommen hatten, um die Normalisierung ihres Verhältnisses zueinander nach dem Zweiten Weltkrieg zu feiern.

Die Japaner lieben die beiden Pandas. Sie gehören seit ihrer Geburt zu den Hauptattraktionen des Ueno-Zoos und sind nur für geduldige Schlangensteher zu sehen. Deswegen hat die Parkver­waltung das Pandagucken streng limitiert: 4800 Besucher am Tag dürfen die Pandas be­suchen, aber auch nur jeweils für eine ­Minute. Seit die Stadtver­waltung im ­Dezember bekannt gegeben hatte, dass die Tiere den Zoo verlassen müssen, hat sich der Andrang noch einmal verstärkt.

Besucher warteten teils Stunden vor der Öffnung des Parks an den Eingangs­toren. Die Warteschlange an den Pandagehegen wurde an einigen Tagen schon eine halbe Stunde nach Öffnung des Parks ­geschlossen. Bis zu fünf Stunden haben manche Besucher laut Zeitungsberichten in der Schlange ausgeharrt. Kurz darauf hat die Parkverwaltung eine Onlinereservierung eingerichtet. Für die verbliebenen Tage sei das Kontingent schon aus­gelastet, teilte der Zoo mit. Die Nachfrage für den letzten ­Besichtigungstag am Sonntag habe 24,6-mal so hoch gelegen wie die Zahl der verfüg­baren Plätze.

Die Kommunistische Partei in Peking nutzt die Verschickung von Pandas in ­alle Welt als eine Art Auszeichnung für Regierungen, die ihr gewogen sind. Die einzigen heute in Deutschland lebenden Riesenpandas im Berliner Zoo kamen im Jahr 2017 auf Initiative der dama­ligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dorthin und haben inzwischen eigenen Nachwuchs bekommen.

Die japanische Regierung teilte mit, sie hoffe darauf, dass bald wieder Riesen­pandas nach Japan kommen. Die Chancen dafür stehen allerdings gerade nicht gut. Die Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hatte im November mit Äußerungen zu einem möglichen militärischen Konflikt um Taiwan den Zorn ­Pekings auf sich gezogen. Seitdem versucht China mit verschiedenen Mitteln, Druck auf Tokio auszuüben – zuletzt mit Exportbeschränkungen für militärisch nutzbare Teile und Rohstoffe. Angeblich bemüht sich die Tokio­ter Stadtver­waltung um neue Leih­gaben. „Doch das ist angesichts der aktuellen Situa­tion ­unmöglich“, zitierte die Zeitung „Asahi“ einen Vertreter der Stadt.

Und wer könnte Xiao Xiao und Lei Lei schon ersetzen?