Timo Werner: Warum der Stürmer bei RB Leipzig schrittweise scheiterte

Er galt lange als das große Versprechen im deutschen Angriff. Doch nach seinem Aufstieg zum europäischen Stürmer-Star fiel Timo Werner tief. Bei RB Leipzig, wo einst alles begann, erhielt er nicht mehr die gewohnte Rückendeckung. Und war nicht bereit, sich anzupassen.

Noch einmal wird Timo Werner in Leipzig gefeiert. Wenn RB am 15. Februar gegen Wolfsburg spielt, soll der immer noch geliebte Stürmer vor der Fankurve seinen Abschied nehmen. Dann wird es so laut, wie es am ersten Tag seiner Rückkehr nach Leipzig 2022 war – und seitdem nie wieder.

Der 29 Jahre alte Werner war mit 95 Toren in 159 Pflichtspielen der erste große RB-Held in der Bundesliga, ging 2020 zu Chelsea und kam nach zwei Jahren zurück. Doch es war wie bei vielen Filmen: Die Fortsetzung hielt das Versprechen nicht, war verkorkst und sogar unwürdig. Und so geht Werner nun als abgestürzter Star zu den San Jose Earthquakes in die USA.

Dass RB-Boss Oliver Mintzlaff die Werner-Rückkehr damals zur Chefsache machte und bei der Emotionalität und dem Schnäppchen-Preis (20 Millionen Euro Ablöse) nicht widerstehen konnte, gehört genauso zur Wahrheit wie die mahnenden Worte des damaligen Leipzig-Trainers Domenico Tedesco. Eigentlich ein Fan von Werner, sprach er sich intern gegen den Transfer aus, weil Werner schlichtweg nicht mehr zum Fußball passte, den RB zu dem Zeitpunkt spielte. „RB hat sich weiterentwickelt“, hatte Werner bei seiner Ankunft gesagt – und damit ungewollt das Hauptargument geliefert, warum er keine Verstärkung war.

Nach der Rückkehr von Chelsea fingen die Probleme an

Tedesco litt ebenso unter dem Druck, Werner in einer nicht auf ihn zugeschnittenen Mannschaft spielen lassen zu müssen, wie dessen Nachfolger Marco Rose. Leipzigs Fußball war nach dem Aufstieg ein überfallartiger Konterfußball, in dem Werner sein Tempo ausspielen konnte. Nun aber setzten die Coaches auf mehr Ballbesitz, schnellere, aber kürzere Pässe. Dafür gab es nicht mehr die richtige Position für Werner. Weder als Mittelstürmer noch bei den Versuchen, ihn über außen zu bringen, kam der Nationalspieler an seine Top-Leistung heran.

Werner war nicht mehr der unumstrittene Offensiv-Star bei RB. Christopher Nkunku und später Loïs Openda oder Benjamin Sesko liefen ihm den Rang ab. Das Problem dabei: Werner passte sich der neuen Situation kaum an. In der Kabine erzählte er fortlaufend von seiner Zeit bei Chelsea, wo er zwar die Champions League gewann, aber auch das Haifischbecken Fußball mit vielen Ich-AGs und wechselnden Trainern erlebte. Dass es für ihn auch bei der Heimkehr in die Wohlfühl-Oase Leipzig nicht von selbst klappt, war ihm in jener Zeit kaum anzumerken.

Ein Umstand, den alle in Leipzig beobachtet haben. Werner ließ sich zwar nie hängen, war aber auch kein Trainingsweltmeister. Dass er Extra-Schichten an die Einheiten hängte, wurde ebenso selten gesehen wie Video-Analysen auf eigene Nachfrage.

Nach Katar war Werner nicht mehr derselbe

Doch in diesem Herbst 2022 hätte Werner noch die Kurve bekommen können. Dann schlug das Schicksal zu. Für den WM-Kader quasi gesetzt, riss er sich die Syndesmose (Band zwischen Schien- und Wadenbein). Er verpasste das Turnier in Katar. Und viele in Leipzig sagen: Danach war Werner nicht mehr derselbe.

Ein Bruch. Sportlich und mental. Ein Jahr schleppte er sich durch: zwischen Startelf-Einsätzen mit immer weniger Torszenen und den immer häufiger werdenden Joker-Rollen. Als Tottenham im Winter 2024 anklopfte und Werner in seine Lieblingsstadt London lockte, brach das Verhältnis mit RB. Der nur ausgeliehene Werner gab ein Fernseh-Interview, in dem er nachtrat. „Es gab relativ wenig Austausch. Im Verlauf der Hinrunde war klar, wie der Trainer (Rose – d. Red.) über mich gedacht und mit mir geplant hat“, sagte Werner. Und: „Das hat mir nicht mehr die Freude bereitet, die ich lange verspürt habe. In Leipzig hat es am Ende nicht mehr gepasst.“

In dem Moment glaubten in Leipzig viele: Werner, dessen Vertrag bis Sommer 2026 lief, wird nie wieder für RB spielen.

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Tatsächlich sammelte er lediglich weitere 14 Spielminuten – in dieser Saison, in der er trotz solider Trainingsleistungen keine echte Chance bekam. Aus Sicht des Vereins allerdings auch begründet. Zum einen stach Werner im Training nicht so heraus, dass Coach Ole Werner mit ihm eine klare Verbesserung erreicht hätte. Zum anderen waren die Bosse um Manager Marcel Schäfer angehalten, das Gehaltsbudget zu kürzen. Der kaum spielende Werner – mit rund zehn Millionen Euro Gehalt Top-Verdiener – war da ganz oben auf der Streichliste.

Dass Werner seine Selbstwahrnehmung des einst größten Talents im deutschen Fußball, des Nationalstürmers und umjubelten Tor-Helden, auf den Mannschaften zugeschnitten werden, auch zuletzt nicht an veränderte Situationen anpasste, zeigt sein Statement bei San José, wo er als „Turbo-Timo“ angekündigt wird: „Ich hatte in den letzten sechs Monaten eine harte Zeit. Wenn man nicht viel spielt, aber vorher immer gewohnt war zu spielen und zu gewinnen, dann war das hart. Das zu schlucken war nicht immer einfach.“