Thailand wirft Trump Verbreitung von Falschinformationen vor

Trotz der Vermittlungsversuche Donald Trumps verhärten sich in dem Militärkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha offenbar die Fronten. Thailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul teilte am Wochenende mit, sein Land werde weiterhin militärische Maßnahmen durchführen, „bis wir keine Gefahr und Bedrohung mehr für unser Land und unser Volk sehen“.

Thailands Au­ßenminister Sihasak Phuangketkeow hatte Trump auf einer Pressekonferenz vorgeworfen, er verbreite womöglich „absichtlich“ Falschinformationen, in dem er die Explosion von Landminen in dem Grenzgebiet als „Unfall“ bezeichnete. Als ältester und „stolzer“ Bündnispartner der Vereinigten Staaten in der Region, der in vielen Konflikten an der Seite Washingtons gestanden habe, sei Thailand „enttäuscht“.

Der amerikanische Präsident hatte am Freitag nach eigenen Angaben mit dem thailändischen Ministerpräsidenten und dessen kambodschanischen Ge­genüber Hun Manet telefoniert. Die beiden Regierungschefs hätten sich darauf geeinigt, sämtliche Kampfhandlungen „von heute Abend an einzustellen“, schrieb Trump auf Truth Social.

„Es ist mir eine Ehre, gemeinsam mit Anutin und Hun daran zu arbeiten, einen Konflikt zu lösen, der sich zu einem großen Krieg zwischen zwei ansonsten wunderbaren und prosperierenden Ländern hätte entwickeln können!“, so Trump. Er bedankte sich beim malaysischen Regierungschef Anwar Ibrahim, der in seiner Funktion als diesjähriger Vorsit­zender der Vereinigung der südostasiatischen Staaten (ASEAN) ebenfalls ver­mittelt.

Thailand verhängt Ausgangssperre in der Grenzprovinz

Anwar hatte die Regierungschefs sei­nen Angaben nach telefonisch zu ei­ner Waffenruhe von 22 Uhr am Samstag an aufgefordert. Trotzdem setzten die beiden Seiten den Beschuss über die Grenze am Samstag und Sonntag fort. Nach thailändischen Angaben hatte Kambodscha zwar selbst die Waffenruhe verkündet, danach aber weiter bis in die Morgenstunden thailändisches Gebiet beschossen und dabei auch zahlreiche Drohnen eingesetzt.

Kambodscha gab dagegen dem Nachbarland die Schuld an den anhaltenden Kampfhandlungen. Kambodschas Ministerpräsident habe die Feuerpause akzeptiert, sagte die Sprecherin des kambodschanischen erteidigungsministeriums, Maly Socheata. Der Sprecherin zufolge führten die thailändischen Streitkräfte weiterhin „aggressive Angriffe mit Artillerie, Panzern, F-16-Kampfflugzeugen, Giftgas und Streubomben“ durch.

Thailand hatte derweil in der Provinz Trat entlang der Grenze eine Ausgangssperre verhängt. Die Gefechte haben auf thailändischer Seite 15 Soldaten das Leben gekostet. Kambodscha spricht von elf getöteten Zivilisten, macht aber keine Angaben zu getöteten Streit­kräften.

Insgesamt sollen sich bereits mehr als 600.000 Anwohner vor den Kämpfen in Sicherheit gebracht haben. Thailands früherer Machthaber und heutiger Senatspräsident Hun Sen verkündete auf Facebook die Schließung aller kambodschanischen Grenzübergänge in Richtung Thailand. Thailand sprach von ei­nem Verstoß gegen die Menschenrechte, da zahlreiche Staatsbürger nicht in ihre Heimat zurückkehren könnten.

Kambodscha appelliert an Trump

Eine Schwierigkeit in dem Konflikt liegt darin, dass sich die beiden Seiten gegenseitig die Schuld für das Wiederaufflammen der Gefechte vor einer Woche geben. Malaysias Ministerpräsident schlug daher die Entsendung des ASEAN-Beobachterteams vor, um die Entwicklungen vor Ort im Blick zu behalten. Die Mission soll außerdem durch die Prüfung von Satellitenaufnahmen ergänzt werden, um die Frage zu klären, welche Seite den Schusswechsel am Sonntag vor einer Woche begonnen habe.

Die Ergebnisse sollen bei einem Treffen der südostasiatischen Außen­minister am Dienstag vorgestellt werden. Die Maßnahme geht offenbar auf die Initiative des kambodschanischen Mi­nisterpräsidenten zurück. Thailands Außenminister erklärte, sein Land habe damit „kein Problem“, aber dann sollte auch die Verlegung „neuer Landminen“ auf den Satellitenbildern geprüft werden.

Wie schon im Juli erscheint Kambodscha geschickter als Thailand darin, das Interesse Trumps an einem Frieden zwischen den Ländern für seine Zwecke zu nutzen. Thailand will dagegen eine Internationalisierung des Konflikts verhindern.

Im Juli hatten die beiden Seiten nach fünf Tage dauernden Kämpfen und mindestens 43 Toten unter Ver­mittlung Trumps und Anwars eine Waffenruhe vereinbart und diese im Ok­tober durch ein „Friedensabkommen“ in Kuala Lumpur bekräftigt.

Trump hatte seinen eigenen Angaben nach durch Zolldrohungen Druck auf die beiden Seiten ausgeübt. Die jüngsten Kämpfe waren ausgebrochen, nachdem abermals thailändische Soldaten durch Landminen verletzt worden waren.