Terra de Pagès, Land der Bauern, steht auf der Packung Reis, den Ariadna Grassot am Wegesrand verkauft. Gemeinsam mit ihrem Mann Oriol baut sie auf den Feldern rund um Pals Reis und Gemüse an. Stolz weist sie mich darauf hin, dass sie dieses Jahr endlich auch Bomba im Sortiment hat, eine wahre Diva unter den Reissorten, deren Ernte nicht jedes Jahr gelingt, denn Bomba ist eine der anspruchsvollsten Reispflanzen und ihr Anbau mit einem hohen Risiko verbunden ist. Doch auch wenn Bomba eher als ertragsarm gilt, ist diese Sorte eine der beliebtesten für die lokalen Reistöpfe, denn die Körner können besonders gut Flüssigkeit aus dem Gericht aufnehmen und werden daher in der Küche besonders geschätzt.

Im Hinterland der Costa Brava, nicht weit vom Meer und Stränden entfernt, liegt Pals in einer Stille. Ein Ort, der von jeher eng mit dem Wasser verbunden ist. Denn wo einst Sümpfe lagen, sind die Bedingungen für den Reisanbau ideal. Fährt man zum ersten Mal durch die flache Ebene zu Füßen des Montgrí, des grauen Berges, scheinen die Felder rund um Pals zunächst unspektakulär. Erst wenn man genauer hinsieht, fällt auf, dass sie von Wasser durchzogen sind, denn der Reisanbau in Pals ist das Ergebnis einer Landschaft, die von der Natur seit vielen Jahrhunderten geformt wurde. Einstige Sümpfe und Lagunen bieten mit ihren nährstoffreichen Böden ideale Anbaubedingungen. Hier gibt es genügend Feuchtigkeit und ausreichend Wärme.


Das Besondere am Reis aus Pals ist, dass die Reiskörner hier langsamer wachsen als in weiter südlich gelegenen Reisanbaugebieten der iberischen Halbinsel. So entwickelt sich ein festeres Korn, das beim Kochen seine Struktur behält und dennoch Aromen aufnimmt. In der katalanischen Küche ist der Reis aus Pals deshalb für die traditionellen Reistöpfe des Empordà sehr beliebt.

Wenn man mit Ariadna spricht, spürt man die Liebe zu ihrem Beruf und zur Landschaft ihrer Heimat. Dass der Reis nicht von selbst wächst, sondern hinter jedem Korn viel Arbeit steckt, hat die junge Reisbäuerin schon als Kind gelernt, denn Ariadnas Vater ist ebenfalls Reisbauer. Schon die Großeltern und Urgroßeltern bauten in kleineren Mengen Reis an, ihr Vater Albert Grassot spielt sogar eine zentrale Rolle in der Wiederbelebung des traditionellen Reisanbaus. Ihm ist es zu verdanken, dass der Reisanbau in Pals nicht nur weiterbesteht, sondern dass die Tradition sich zu einer modernen, nachhaltigen Landwirtschaft in der Region weiterentwickeln konnte.

Ariadna wusste also genau, worauf sie sich einließ, als sie ihren gut bezahlten Job in einer Anwaltskanzlei an den Nagel hängte, um mit ihrem Mann zusammen Reis anzubauen. Es ist nicht einfach irgendein Beruf, den man einfach wählt. Es ist die Liebe zur Natur und die Arbeit in der Landwirtschaft, die sie nicht loslässt. Ariadna merkte bald, dass der Bürojob sie nicht wirklich erfüllte. Statt an einem warmen Schreibtisch zu sitzen, kämpft sie lieber auf den Feldern für ihre Ernte. Bei der Tramontana und heftigen Unwettern ist das wahrlich nicht immer einfach. Tag für Tag steht sie in ihrem kleinen Laden und verkauft die Produkte, die die Erde hervorgebracht hat. Auch wenn ihr Alltag heute wesentlich härter ist, ist sie glücklich. Sie arbeitet mit Liebe und Leidenschaft, und das schmeckt man in ihren Produkten.

Man muss die Feuchtigkeit kontrollieren, die Qualität des Korns kontrollieren und auf Anzeichen von Krankheiten oder Pilzen achten, denn Wetter und Schädlinge gehören zu den vielen Faktoren, die eine Ernte beeinflussen können. Auch wenn man alles gibt, muss man manchmal akzeptieren, dass nicht alles von einem selbst abhängt, sagt sie. Doch trotz dieser Schwierigkeiten ist Ariadna stolz darauf, die Tradition weiterzuführen, denn der Reisanbau hat die Geschichte von Pals geprägt. Sie ist stolz auf den Bomba und darauf, dass immer mehr Restaurants der Umgebung mit ihrem Reis arbeiten, und sie ist überzeugt, dass der Reis aus Pals anders ist. Er habe einen anderen Geschmack und einen eigenen Charakter. Es sei eben Qualität statt Quantität.

Was hier in Pals am Wegesrand wächst, ist mehr als ein Produkt. Es ist ein Stück kultureller Identität. Vielleicht erklärt das, warum Menschen wie Albert sich so für den Reisanbau einsetzen und junge Menschen wie Ariadna bleiben. Der Reis schmeckt nicht nur gut, er erzählt Geschichten von alten Sümpfen, von Familien, die weitermachen, obwohl es einfacher wäre, aufzuhören. Und so steht Ariadna in ihrem kleinen Laden am Rande der Landstraße, blickt über das flache Land und die Reisfelder. Sie hat Vertrauen in diese Landschaft, in die Natur und in ihre Heimat. Und ich fahre glücklich über das Päckchen Bomba-Reis, das ich heute erstanden habe nach Hause, und freue mich darauf, den viel gelobten Reis zu kochen und mit meiner Familie zu probieren.
Reis aus Pals
Ariadna hat einen kleinen Verkaufsstand direkt an der Straße, an der man Reis und andere ihrer Produkte kaufen kann.
Zu den Restaurants, die mit Reis aus Pals kochen gehören z.B. das Vicus oder das Casamar .
Arros Negre im Restaurant Vicus
Terra de Pagès
Ariadna Grassot und Oriol
Carretera de Pals a Torroella de Montgrí Km. 343,
17256 Pals, Girona
Mailto: info@terradepages.cat
Tel: 0034 648 838 844
Website: terradepages.cat und instagram.com/terradepages/

(Foto © by Tanja Neumann – Genussreise an die Costa Brava)
Albert Grassot: Arròs l’Estany de Pals
Carretera de Pals a Torroella de Montgrí, km 343
17256 Pals (Girona)
mailto: info@arrosestanydepals.cat
Tel: 0034 972 636 635
Website: arrosestanydepals.cat und instagram.com/arrosestanydepals/
Besichtigungen mit Voranmeldung

traditionelles Reisgericht im Restaurant des Hostal Ses Negres
Reis aus Spanien
traditionelles katalanisches Reisgericht
Arros im Restaurant des Hotel Sant Roc
Reisanbau im Delta del Ebre
Traditionelles Boot (durfte ich zu lenken versuchen) auf den Kanälen der Reisfelder des Ebrodeltas
Reisanbau in der Albufera – Valencia
Paella (mit Quique Dacosta) Reis aus der Albufera

Caldero del Mar Menor (Murcia)
