Tennis-Veteranin Venus Williams: Mit 45 Jahren immer noch einzigartig – Sport

Das Leben von Venus Williams darf man sich, um es in ihrer Sprache zu sagen, sehr busy vorstellen. Ständig ist etwas los. Im vergangenen Jahr jettete sie nach Paris, zur Fashion Week, Mode ist ihre Leidenschaft. Seit dem Spätherbst liefen die Vorbereitungen für ihre Hochzeit auf Hochtouren, im Dezember ehelichte sie den dänisch-italienischen Schauspieler Andrea Preti in Palm Beach, sie lebt in Florida. Und Tennisspielerin ist sie tatsächlich auch noch, zwischen ihre vielen Termine galt es, Trainingseinheiten zu schieben. Oft gelang dies, manchmal nicht, wie sie heiter am Samstag in Melbourne berichtete.

Auch wenn sie seit mehr als 31 Jahren als Profi spielt, unvorbereitet wollte sie nicht bei den Australian Open antreten. Der Veranstalter des ersten Grand-Slam-Turniers der Saison hatte ihr ja eine Wildcard zugeteilt, einen fixen Platz im Hauptfeld. So trat Williams am Sonntagabend in der John Cain Arena, dem zweitgrößten Stadion, im Alter von 45 Jahren in der ersten Runde gegen Olga Danilovic an.  Als die 24-jährige Serbin geboren wurde, hatte Williams schon in Wimbledon und bei den US Open triumphiert.

Die siebenmalige Grand-Slam-Siegerin überholt mit ihrer Teilnahme die Japanerin Kimiko Date, die zuvor mit 44 Jahren die älteste Spielerin in Melbourne gewesen war. Aber typisch Williams: Sie hat es erst aus der Presse erfahren. Während die Branche stets staunt, warum die ein Jahr ältere Schwester von Serena Williams, mit 23 Grand-Slam-Triumphen eine der Größten ihres Sports, immer noch spielt, macht sie selbst kaum Gewese um sich. Wann sie von der Wildcard erfahren habe, wurde Venus Williams gefragt. Sie wusste es nicht. Irgendwann eben. Dass die Jahre ins Land gezogen sind, machte aber auch sie deutlich. Vor fünf Jahren sei sie das letzte Mal bei den Australian Open gewesen. Die Anlage im Melbourne sehe jetzt völlig anders aus, „ich kenne mich hier nicht mehr aus“, gab sie zu, „ich bin oft falsch abgebogen“.  Die Geister von früher, wie die auch an Kunst interessierte Amerikanerin poetisch sagte, spüre sie immerhin noch.

Abtritt mit einem Lächeln: Venus Williams in der John Cain Arena.
Abtritt mit einem Lächeln: Venus Williams in der John Cain Arena. (Foto: Martin Keep/AFP)

Dass Williams den Ball weiterhin formidabel trifft und fit ist, bewies sie gegen Danilovic, kurz vor dem Sieg stand sie gar. Im dritten Satz führte sie 4:0, zu dem Zeitpunkt war die Weltranglisten-69. aus Belgrad erledigt. Aber sie bäumte sich auf, Williams wurde müder, so siegte Danilovic 6:7 (5), 6:3, 6:4. Ehrfürchtig, als würde sie einer erlauchten Queen gegenüberstehen, streckte Danilovic ihr die Hand am Netz entgegen. „Solche Matches erlebt man nicht jeden Tag“, sagte die Gewinnerin erschöpft beim Interview auf dem Platz. „Es war eine Freude, gegen so eine Legende zu spielen.“

1998, mit 17, hatte Venus Williams erstmals in Melbourne aufgeschlagen, damals erreichte sie das Viertelfinale, als kesses Mädchen, das in einem Problemviertel in Los Angeles aufwuchs und mit Schwester Serena das Frauentennis neu definieren sollte. „Ich bin definitiv dieselbe Person“, versicherte sie vor ihrem Match in Melbourne. Sie habe als Teenager einen klaren Kopf gehabt. Und heute? Habe sie ihn immer noch. Lächelnd verließ sie nach der Niederlage die Arena, ohne Sentimentalitäten. Ob sie wiederkommt? Das weiß nur Williams, die auch als 578. der Weltrangliste einzigartig bleibt.