Teilzeit-Falle: CDU-Generalsekretär Linnemann spricht von „Teilzeit-Falle“

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ist in der Debatte um die geleistete Arbeitszeit ein wenig zurückgerudert. Im Bericht aus Berlin der ARD warnte er vor einer „Teilzeit-Falle“, in der viele Menschen hierzulande feststeckten. „Die Menschen wollen zum Teil mehr arbeiten. Aber die Rahmenbedingungen sind nicht so, dass sich das lohnt“, sagte er. „Wir brauchen beispielsweise mehr Netto vom Brutto: Die Lohnnebenkosten müssen runter.“ Auch seien die Gesundheitskosten zu hoch. 

Zu schlechten Umfragewerten für seine Partei sagte er, die Menschen erwarteten Antworten auf die schwierige wirtschaftliche Lage. „Und da reden wir nicht über Lifestyle-Teilzeit, sondern über zu hohe Lohnnebenkosten, Energiekosten, Bürokratieabbau, Fachkräftemangel – das sind die Themen, darüber müssen wir reden“, sagte Linnemann. 

Für die Regierungskoalition mit der SPD gelte das gemeinsame Ziel: „Wir müssen beweisen, dass wir die Lohnnebenkosten runterbekommen.“ Lohnnebenkosten sind die vom Arbeitgeber zu zahlenden Anteile zu Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, die auf das Bruttogehalt aufgeschlagen werden.

Die CDU hatte diese Woche nach anhaltender Kritik einen Antrag zur Teilzeit geändert. In dem Antrag zum Parteitag in zwei Wochen ist nun die Rede davon, Teilzeitansprüche zu „ordnen“ – das Framing als „Lifestyle-Teilzeit“ kommt nicht mehr vor. Der ursprüngliche Antrag des CDU-Wirtschaftsflügels mit der Überschrift „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ sah vor, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken. Er hatte auch innerhalb der Union viel Kritik ausgelöst.

Erwerbstätigenquote von Männern und Frauen zuletzt gestiegen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte in den vergangenen Wochen wiederholt die Arbeitsleistung in Deutschland kritisiert und dabei etwa die hohe Teilzeitrate und Krankheitstage angesprochen. Worauf der Kanzler dabei nicht einging, ist, dass die durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Person zwar gesunken, die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden in der Bundesrepublik aber auf einem Höchststand angelangt sind. 

Ein Grund hierfür ist etwa, dass das Alleinverdienermodell in den vergangenen Jahrzehnten davon abgelöst wurde, dass immer mehr Frauen berufstätig sind, wodurch sich die Arbeitsstunden auf mehr Köpfe verteilen. So lag die Erwerbstätigenquote von Frauen laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 1991 noch bei 57 Prozent. Danach stieg sie – vor allem in den Jahren ab 2005 – bis zum Jahr 2019 bereits auf rund 73 Prozent. Im gleichen Zeitraum nahm auch die Erwerbstätigenquote von Männern leicht zu.

Da insbesondere Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, wird etwa empfohlen, das Ehegattensplitting zu reformieren oder die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder auszubauen, um eine höhere Arbeitsbeteiligung zu ermöglichen.

Der Anstieg an Krankheitstagen lässt sich unter anderem durch eine lückenlosere Erfassung erklären. Seit 2023 müssen Ärzte Krankschreibungen direkt an die Krankenkassen melden, wodurch sie statistisch besser ausgewertet werden können. Mehr Fehltage ergeben sich zudem dadurch, dass etwa bei einem Doppelverdienerpaar oder bei einer erwerbstätigen Alleinerziehenden auch die Betreuung eines erkrankten Kindes als Krankheitstag zählen kann.