Romantik entfaltet ihren Zauber meist im Ungefähren. Wer kann sich nicht an die Schmetterlinge im Bauch erinnern bei der Frage: Willst du mit mir gehen? Da will man zunächst gar nicht so genau wissen, wohin eigentlich. Der Zauber verfliegt schließlich schnell, wenn man ein konkretes Ziel benennt, zum Beispiel: Willst du mit mir zur Bank gehen? Freilich stellt sich diese Frage in den meisten Beziehungen trotzdem irgendwann. Einer neuen Umfrage zufolge beantwortet ein Großteil der Paare in Deutschland sie inzwischen ganz pragmatisch mit: Ja. 80 Prozent der Befragten gaben demnach an, die finanzielle Situation ihrer Partnerin oder ihres Partners vollständig zu kennen, Tendenz im Vergleich zum Vorjahr steigend. 72 Prozent sprechen in ihrer Beziehung regelmäßig über Gehälter und Vermögen.
Das mag ernüchternd wirken, Experten sehen in den Zahlen aber große Chancen für die Liebe. „Finanzielle Offenheit schafft Vertrauen“, sagt Katharina Lüth, Vorständin der Bank Raisin. Die hat die repräsentative Studie in Auftrag gegeben, für die 1001 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt wurden. „Nur wenn in der Beziehung Transparenz herrscht, kann man langfristig gemeinsam finanziell planen.“
Diese Offenheit in Finanzfragen zeigt sich auch daran, dass die Zahl der gemeinsamen Konten zunimmt. Nur noch 35 Prozent der Befragten verwalten ihr Geld getrennt und teilen bloß gemeinsame Kosten. „Das ist zunächst mal eine schöne Sache“, sagt Britta Schönborn, Familienrechtsanwältin aus Hamburg, „in einer Hinsicht aber nicht ganz unproblematisch: Weil einem das deutsche Steuerrecht da in die Quere kommen kann.“ Denn auch der Fiskus blickt sehr nüchtern auf Zweisamkeit, insbesondere wenn ein Partner deutlich mehr auf das gemeinsame Konto einzahlt. Dann kann nämlich eine Schenkungsteuer fällig werden. Der Freibetrag liegt bei 500 000 Euro, die alle zehn Jahre verschenkt werden können. Wer ohne Trauschein zusammenlebt, darf dem Partner sogar nur 20 000 Euro steuerfrei schenken. In der Praxis freilich lässt sich das oft nur schwer ganz genau ausrechnen.
Unabhängig von solchen Steuerfragen rät Schönborn, die berufsbedingt Beziehungen oft vom Ende her betrachtet, allen Paaren, früh in einer Beziehung über Geld zu sprechen. Unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema seien oft Quell von Konflikten, die am Ende zur Trennung führen, gerade bei Paaren, die gut situiert sind und einiges zu verteilen haben. „Da geht es nicht nur um den Streit um den Euro auf dem Konto, sondern häufig einfach auch um Grundwerte wie Großzügigkeit oder eben Sparsamkeit“, sagt Schönborn.
Für Romantiker birgt die Raisin-Studie einen Lichtblick: Obwohl offenbar viel über Finanzen geredet wird, scheinen sie in der Liebe kein übergroßes Gewicht zu haben. Zwar würden immerhin 22 Prozent niemanden daten, der hoch verschuldet ist. Im Schnitt fanden aber nur elf Prozent der Befragten, ein gutes Einkommen sei wichtig bei der Partnerwahl. Vielleicht ist es so: Hat man erst einmal jemanden gefunden, der mit einem gehen will, sogar zum Anwalt, zum Steuerberater und zur Bank, dann spielt Geld keine große Rolle mehr.
