Straße von Hormus muss öffnen: Europäische Flughäfen warnen vor „systemischer Kerosin-Knappheit“

Straße von Hormus muss öffnenEuropäische Flughäfen warnen vor „systemischer Kerosin-Knappheit“

10.04.2026, 18:45 Uhr

Ein-Flugzeug-vom-Typ-Airbus-A320-der-Fluggesellschaft-Eurowings-wird-am-Flughafen-Stuttgart-mit-Kerosin-vom-Typ-Jet-A-1-betankt-Ab-dem-5-Februar-2023-will-die-Europaeische-Union-keine-Erdoelprodukte-wie-Diesel-Benzin-oder-Schmierstoffe-mehr-aus-Russland-abnehmen
Ein Flugzeug vom Typ Airbus A320 der Fluggesellschaft Eurowings wird am Flughafen Stuttgart mit Kerosin vom Typ Jet A-1 betankt. Ab dem 5. Februar 2023 will die Europäische Union keine Erdölprodukte wie Diesel, Benzin oder Schmierstoffe mehr aus Russland abnehmen. (Foto: picture alliance/dpa)

Durch die Straße von Hormus fahren hauptsächlich Öltanker. Aus Erdöl wird allerdings auch Kerosin hergestellt. Die Restbestände scheinen nach fast sechs Wochen Krieg nahezu aufgebraucht: Die europäischen Flughafenbetreiber warnen vor einer „systemischen Knappheit“.

Der europäische Dachverband für Flughafenbetreiber (ACI Europa) hat vor dem Risiko einer „systemischen Kerosin-Knappheit“ gewarnt, sollte der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nicht binnen drei Wochen „in stabiler und nennenswerter Weise“ wieder aufgenommen werden. In einem Brief an die EU-Kommission fordert der Verband die „dringende Überwachung der Verfügbarkeit und der Versorgung“ in den kommenden sechs Monaten.

Der Iran-Krieg hat einen sprunghaften Anstieg des Kerosinpreises ausgelöst, noch stärker als beim Rohöl. Auf allen Kontinenten haben zahlreiche Fluggesellschaften ihre Tarife erhöht und Flüge aus Sicherheits- oder Rentabilitätsgründen ausgesetzt.

Der Krieg hatte am 28. Februar mit US-israelischen Luftangriffen auf den Iran begonnen. Teheran reagierte unter anderem mit der Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweit genutzten Öls, Kerosin und Gases transportiert werden. Seit Dienstagabend gilt eine Waffenruhe, während der unter anderem eine Freigabe der Meerenge erfolgen soll – was bisher nur schleppend geschah.

Der ACI Europe vertritt nach eigenen Angaben mehr als 600 Flughäfen in 55 Ländern. In seinem Schreiben an die Kommission forderte der Lobbyverband auch eine Lockerung der europäischen Gesetzgebung, insbesondere in Bezug auf die Verringerung der Methanemissionen im Energiesektor. Als Erstes hatte die „Financial Times“ über das Schreiben berichtet.

Höhere Flugpreise sind „unvermeidlich“

Der internationale Airline-Verband Iata geht unabhängig von der Waffenruhe davon aus, dass sich die Versorgungslage mit Flugzeugtreibstoff nur langsam entspannen wird. Es sei schwer zu sagen, wie lange es dauern werde, bis sich die Treibstoffversorgung wieder normalisiere, sagte Iata-Chef Willie Walsh am Mittwoch in Singapur. Schnell wird es ihm zufolge nicht gehen: „Angesichts der Beeinträchtigungen der Raffineriekapazitäten im Nahen Osten wird es noch Monate dauern, bis die Versorgung wieder das erforderliche Niveau erreicht.“

„Selbst wenn der Rohölfluss wieder in Gang kommt, bleibt das Problem noch eine Weile bestehen“, sagte Walsh weiter. „Ich glaube nicht, dass allen bewusst war, wie stark die Raffinierungskapazitäten auf bestimmte Teile der Welt konzentriert waren.“ Es sei unvermeidlich, dass es zu höheren Flugpreisen kommen werde.

Die Lufthansa ist abgesichert

Die Lufthansa ist laut Konzernchef Carsten Spohr weniger von den Preissteigerungen betroffen. Man habe sich mit Hedging-Verträgen gegen höhere Kerosinpreise gewappnet, sagt Spohr er der „Frankfurter Allgemeinen“. „Damit sind über 80 Prozent des Treibstoffbedarfs für dieses Jahr gegen Schwankungen im Ölpreis finanziell abgesichert. Für das kommende Jahr sind es bereits rund 40 Prozent.“

Auch Ryanair-Chef Michael O’Leary zeigte sich mit Blick auf die Ölpreise zuversichtlich. Andere europäische Airlines wie Air France-KLM, Air India, Qantas und SAS erhöhten dagegen die Ticketpreise.

Auch asiatische Airlines kündigten dagegen reihenweise höhere Preise an: Mehrere chinesische Fluggesellschaften erheben seit Anfang April Treibstoffzuschläge für Inlandsflüge. Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific hat ihren Zuschlag um 34 Prozent angehoben. Die taiwanesischen Airlines erheben ebenfalls Zuschläge. In Nepal verdoppelte die staatliche Ölfirma die Kerosinpreise. 

Quelle: ntv.de, chr/AFP