Stecker gezogen: Münster-Fans protestieren mit Sabotage gegen VAR

Die vermutlichen "Übeltäter" flüchten zurück in den Preußen-Block

Stand: 08.03.2026 • 19:16 Uhr

Fans von Preußen Münster haben am Sonntag im Spiel gegen Hertha BSC den Einsatz des VAR sabotiert. Schiedsrichter Felix Bickel hat sich daraufhin auf die Einschätzung seiner Video-Assistentin verlassen – und laut Schiedsrichter-Sprecher Alex Feuerherdt damit korrekt gehandelt.

Die Szene mutete kurios an. Schiedsrichter Felix Bickel stand vor einem Bildschirm und wartete auf eine Spielszene. Doch der Screen blieb schwarz. Also warteten alle Beteiligten darauf, welche Entscheidung der Schiedsrichter der Partie Preußen Münster gegen Hertha BSC treffen würde. Worum es ging?

Herthas Michaël Cuisance wurde mit dem Ball am Fuß an der Münsteraner Strafraumgrenze von Verteidiger Niko Koulis mit einer Grätsche attackiert. Der Berliner ging zu Boden. Schiedsrichter Felix Bickel hatte kein Vergehen gesehen und ließ weiterspielen.

Vertrauen in VAR Rafalski

Wenig später wurde er von Video-Schiedsrichterin Katrin Rafalski gebeten, sich die Szene noch einmal anzuschauen. Die hatte bei der Grätsche von Koulis einen Treffer am Cuisance-Schienbein entdeckt. Bickel stand ratlos vorm schwarzen Bildschirm und entschied dann nach nochmaliger Rücksprache mit dem Kölner Keller auf Elfmeter.

In seiner Begründung über das Stadionmikrofon bezog er sich dann ausdrücklich auf Rafalski: „Meine Kollegin Katrin Rafalski hat festgestellt, dass der 24er von Münster Cuisance klar am Schienbein trifft. Deswegen lautet meine finale Entscheidung: Strafstoß.“

Schiedsrichter Felix Bickel neben dem dunklen Bildschirm

Schiedsrichter-Sprecher Feuerherdt: „Korrektes Vorgehen“

„So ist das regeltechnisch korrekte Vorgehen. Formal ist das On-Field-Review nur eine Empfehlung. Der Schiedsrichter kann den Monitor in Anspruch nehmen, muss es aber nicht zwingend“, sagte Alex Feuerherdt, Mediensprecher der Schiedsrichter, der Sportschau.

„Wenn der Monitor nicht funktioniert, wird er sich auf das fachliche Urteil des VAR verlassen. Dann ist das Vorgehen so wie bei faktischen Entscheidungen. Da geht der Schiedsrichter auch nicht in die Review Area und schaut auf die Bilder.“

Monitor-Ausfall wohl kein Zufall

Allerdings hatte es rund um diese Schiedsrichter-Entscheidung eine weitere Kuriosität gegeben. Denn offenbar handelte es sich um einen bewusst herbeigeführten technischen Defekt beim Monitor.

Anscheinend hatte ein über den Zaun gesprungener vermummter Münsteraner Fan ein Kabel aus dem Gerät gerissen. Dass es sich bei dieser bisher einmaligen Aktion um keine zufällige oder impulsive Maßnahme eines einzelnen Anhängers gehandelt hat, dürfte der Umstand belegen, dass beim Monitor-Ausfall in der Ultra-Kurve der Preußen ein Banner hochgehalten wurde auf dem zu lesen war: „Dem VAR den Stecker ziehen.“

„Dem VAR den Stecker ziehen“ steht auf einem Transparent im Fanblock von Münster

Hertha-Trainer Leitl: „So etwas geht einfach nicht“

„So etwas geht einfach nicht“, sagte Hertha-Trainer Stefan Leitl der Sportschau. „Münster muss schon dafür sorgen, dass so etwas nicht passiert.“

Preußen-Trainer Alexander Ende wollte sich nicht explizit zu der Szene äußern. „Ich halte mich aus solchen Themen immer raus.“