Städtereise nach Lissabon: Ist das da vorne etwa Cristiano Ronaldo? – Panorama

Mitten in … Lissabon

CR7 überall. Ein Lifestyle-Hotel nahe dem Praça do Comércio, in dem wir finanzieller Umstände halber nicht logieren, trägt das Markenlogo des portugiesischen Fußballgottes. Cristiano Ronaldos Antlitz mit den wie eine perfekte Freistoß-Flugbahn gezupften Augenbrauen bewundern wir in den Gassen Lissabons auf Trinkflaschen, Lufterfrischern, Handyhüllen, Boxershorts. Der Influencer vom Golf blickt ernst als Street-Art von bröckelndem Mauerwerk. Nur Neapel mit seiner Verehrung für den Heiligen Maradona kann da wohl mithalten. In einer besonders steilen Gasse der Siebenhügelstadt steht er dann vor uns, groß, schlank, im roten Nationaltrikot des Rekordtorschützen. Eine Epiphanie? Er ist umringt von aufgeregten Touristen, einer von ihnen stellt sich ihm zum Sprint-Duell den Hügel hinauf, die anderen filmen. CR7 gewinnt – und kassiert ein paar Scheinchen. Jutta Czeguhn

Illustration: Marc Herold

Mitten in … München

München. Das Auto geht nicht auf. Noch ein Versuch. Keine Reaktion. Ist vielleicht die Batterie der Schlüssel-Fernbedienung leer? Aber mit dem Funkschlüssel der Frau geht es auch nicht. Was zur Hölle ist denn jetzt schon wieder kaputt? Kann dieser so heiß geliebte wie altersschwache weiße VW-Bus nicht mal ein paar Monate durchhalten, ohne dass er in die Werkstatt muss? Wie viele Hundert Euro wird das wieder kosten? Wie sollen wir nun von dieser Straße im Münchner Süden nach Hause kommen? Und wieso steht eigentlich die Motorhaube einen Spalt offen? Motorhaube zugedrückt, in all dem Stress immerhin schon mal ein Mini-Problem weniger. Dann aber noch eine Frage: Seit wann sind unsere hinteren Scheiben abgedunkelt? Oh. Weil unser weißer VW-Bus etwa fünf Autos weiter steht. Wer ist jetzt hier altersschwach? Marc Schürmann

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Wencheng

Auf Tour durch das ländliche Südchina. Eines Abends finde ich mich in Wencheng bei einem Essen mit 600 Einheimischen wieder, es ist ein besonderes Straßenfest: Eine Frau ist gestorben, Cheng Wang, und hier ist es üblich, dass der „Clan“ sich auf diese Weise verabschiedet. Auf der rechten Straßenseite liegt Chengs Senfkohl-Feld, auf der linken stehen Hochhäuser und in einem Eingang ein Schrein, und mittendrin ich, die viel beäugte Touristin. Es gibt Glasnudeln aus dem Wok, Schweinebauch und das Totengericht Yuzi, ein Wurzelgewächs, das schmeckt wie Kartoffel, aber aussieht wie ein moosiger Stein. „Kann die Deutsche mit Stäbchen essen?“, fragt eine Seniorin. „Schmeckt ihr so was? Was will sie hier?“ Nicht skeptisch, eher überrascht. Auch ihre Freundin Cheng habe das Reisen geliebt, erst zum Sterben sei sie zurückgekehrt. Nächste Woche wäre sie 95 geworden. Pauline Graf

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