Sprossen und gesunde Microgreens ziehen: So geht’s

Verschiedene Microgreens

AUDIO: Sprossen und Microgreens: Superfood von der Fensterbank (30 Min)

Stand: 12.02.2026 10:29 Uhr

Sprossen verfeinern viele Gerichte. Man kann sie einfach selbst ziehen: klassisch ohne Substrat oder in Anzuchterde als Microgreens. Tipps für das richtige Saatgut und worauf es bei der Hygiene ankommt.

Bei Sprossen, die auch als Sämlinge oder Keimlinge bezeichnet werden, handelt es sich um den jungen Saatgut-Austrieb von Gemüse- oder Getreidepflanzen. Die Keimsprossen sind sehr gesund, reich an wertvollem Eiweiß, Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen. Bis auf einige Ausnahmen können sie roh verzehrt werden, etwa als Topping für Salate und Suppen oder auf Brot.

Sprossen und Microgreens: Was ist der Unterschied?

Verschiedene Microgreens

Microgreens keimen in Erde und wachsen länger als Sprossen.

Seit einigen Jahren werden sogenannte Microgreens, auch als Grünkräuter bekannt, immer beliebter. Sie gelten aufgrund ihres Nährstoffgehalts als „Superfood„. Sie unterscheiden sich von Sprossen lediglich in wenigen Punkten: Bis zum Verzehr wachsen Microgreens je nach Sorte etwa 8 bis 20 Tage, während Sprossen meist schon nach gut einer Woche geerntet werden.

Sprossen wie Kresse werden meist ohne Substrat gezogen. Sie wachsen etwa auf feuchtem Küchenpapier oder keimen in mit Wasser befeuchteten Behältern. Der ganze Keimling ist zum Verzehr geeignet. Microgreens werden dagegen klassischerweise in Anzuchterde ausgesät. Die jungen Pflanzen bilden Chlorophyll, also Blattgrün, und sind somit Minipflanzen mit meist zwei bis drei Blättern. Bei Microgreens werden nur die Stängel und Blätter verzehrt. Dafür die Stiele mit einer sauberen Schere oder einem sauberen Messer einfach abschneiden.

Zum Wachsen benötigen sowohl Sprossen als auch Microgreens einen hellen Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Die Temperatur sollte zwischen 18 und 22 Grad liegen.

Unbehandeltes Saatgut kaufen

Weizensprossen fallen aus einem Sprossenglas

Sprossen stecken voller gesunder Inhaltsstoffe.

Zur Anzucht von Sprossen und Microgreens eignet sich beispielsweise die Saat von Radieschen, Brokkoli, Karotten, Zwiebeln, Mungobohnen und Alfalfa. Wichtig ist, unbehandeltes Saatgut zu verwenden. Im Handel gibt es spezielle Sprossen-Saat, gut geeignet ist auch Bio-Saatgut. Ungeeignet ist dagegen die Saat von Nachtschattengewächsen wie Tomaten, Kartoffeln, Paprika, Chili und Auberginen. Die Keimlinge enthalten eine hohe Konzentration des natürlichen Gifts Solanin.

Kresse auf Küchenpapier ziehen

Am einfachsten ist es, Sprossen wie Kresse auf Papier zu ziehen. Dafür zum Beispiel Küchenpapier in eine Auflaufform legen, dieses mit Wasser befeuchten und die Saat darauf verteilen. Schon nach wenigen Tagen sind die jungen Pflänzchen gewachsen und können verzehrt werden. Das funktioniert auch mit Wattepads.

Saat in Sprossengläsern einweichen

Eine andere Möglichkeit ist es, Sprossengläser zu verwenden, das sind spezielle Gläser mit einem Sieb als Deckel. Wer mag, kann sich so ein Sprossenglas selbst basteln: Dafür einfach Löcher in den Plastik-Schraubdeckel eines Gefäßes bohren. Die Saat und etwas Wasser in das Glas geben und das Ganze etwa acht Stunden einweichen. Auf diese Weise wird der Keimprozess angestoßen.

Sprossen bei der Aufzucht in einem Glas

Sprossengläser sind spezielle Gefäße mit einem Siebdeckel.

Je nach Saatgut können sich die Einweichzeiten unterscheiden. Kresse und Senf werden beispielsweise gar nicht eingeweicht, sehr harte und große Samen wie die von Kichererbsen können eine längere Einweichzeit von bis zu zwölf Stunden benötigen. Vorsicht: Liegt die Saat zu lange im Wasser, kann es Probleme mit Bakterien geben. Nach dem Einweichen das Wasser durch ein Sieb abgießen und das Glas gründlich durchspülen.

Sprossen regelmäßig mit frischem Wasser spülen

In der folgenden Zeit die Gläser samt Sprossen zwei Mal am Tag ordentlich mit frischem Wasser durchspülen, am besten morgens und abends. Nach dem Spülen das Glas so stellen, dass das restliche Wasser abtropfen kann. So saugen sich die Sprossen mit Feuchtigkeit voll, es können sich aber keine größeren Mengen Bakterien bilden. Sauberkeit ist das höchste Gebot! Bevor die Behälter für eine neue Aufzucht wiederverwendet werden, diese ebenfalls gründlich reinigen, damit sich keine Keime bilden.

Anzucht in Sprossenboxen

Eine weitere Möglichkeit zur Anzucht sind sogenannte Sprossenboxen, die im Handel erhältlich sind. Es werden meist vier Boxen übereinandergestapelt. Das Wasser wird in die oberste Schale gegeben und sickert dann bis nach unten durch. In der untersten Schale wird überschüssiges Wasser aufgefangen.

Microgreens in Anzuchterde aussäen

Eine Frau schneidet Microgreens mit der Schere ab

Microgreens werden in Erde gezogen.

Wer Microgreens ziehen möchte, verteilt die Samen von beispielsweise Salat, Senf, Radieschen, Pak Choi, Koriander oder Kapuzinerkresse in einer mit Anzuchterde gefüllten Schale oder einem Blumentopf. Das dicht gesäte Saatgut vorsichtig andrücken und mit Wasser aus einer Sprühflasche befeuchten. Handelt es sich bei der Saat um sogenannte Dunkelkeimer, muss sie mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt werden. Dies ist bei den Lichtkeimern nicht nötig. Hinweise dazu stehen auf jeder Tüte Saatgut.

Frischhaltefolie über dem Gefäß sorgt für ein gleichmäßiges Klima. Das Substrat darf nicht austrocknen, Staunässe sollte ebenfalls vermieden werden. Damit sich kein Schimmel bildet, die Folie täglich für kurze Zeit zum Lüften entfernen. Abhängig von der Keimzeit der verschiedenen Gemüsesorten kann die Ernte frühestens nach einer Woche beginnen.

Manche Sprossen und Microgreens nicht roh essen

Es gibt einige Sprossen und Microgreens, die nicht roh verzehrt werden sollten. Das gilt beispielsweise für Hülsenfrüchte wie Sojabohnen, Gartenbohnen und Kichererbsen. Sie enthalten schwer verdauliche Eiweiße (Lektine), die zu Vergiftungen führen können. Solche Sprossen sollten vor dem Verzehr erhitzt werden. Die Lektine werden beim Kochen zerstört.

Vor dem Verzehr gründlich waschen

Das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit weist auf gesundheitliche Risiken beim Verzehr von Sprossen durch mögliche Keime hin. Rohe Sprossen sollten deshalb grundsätzlich gründlich gewaschen und rasch verzehrt werden. Risikogruppen wie Kinder, Senioren, Schwangere und Personen mit geschwächter Immunabwehr sollten besser darauf verzichten oder die Sprossen vor dem Essen erhitzen.

In Gläsern liegt verschiedenes Saatgut auf einem nassen Wattebausch.

Anfang des Jahres ist ein guter Zeitpunkt, um älteres Saatgut auf seine Keimfähigkeit zu prüfen. So einfach geht’s.

Samen werden in die Erde gesetzt

Tolerant, widerstandsfähig, resistent: Was genau bedeuten die Begriffe auf den Saatguttüten der Hersteller?