
Und wer weiß, vielleicht lässt man Sie gar nicht erst rein ins neue Mutterland des Fußballs. Kontrollieren Sie lieber noch mal Ihre Facebook-Likes, bevor Sie in den Flieger steigen. Wer die Reise wagt, riskiert Geld und Nerven, wer die WM zu Hause schaut, geht womöglich mit bösen Träumen ins Bett, wahlweise von den Herren Präsidenten Donald Trump und Gianni Infantino oder dem Fußball der deutschen Nationalmannschaft.
Freuen Sie sich auch schon so auf den Sommer wie wir, liebe Leserinnen, liebe Leser? Auf die große Donny-und-Gianni-Show in den Vereinigten Staaten? Holen Sie den Beamer aus dem Keller, es gibt wieder Public Viewing, Fan-Feste und die Nationalelf auf der Leinwand zwischen Grillwürstchen und Bierkästen in Nachbars Garten. Endlich wieder Fußball-WM!
Vergessen Sie’s. Die meisten WM-Spiele teilen sich den Anpfiff mit der Nachtruhe in Deutschland. Zwei der drei Gruppenduelle des deutschen Teams beginnen, wenn die örtliche Nachbarschaftswache das Telefon bereitlegt, um die Polizei zu rufen, wenn nebenan gejubelt wird. Die WM live vor Ort schauen ist auch keine gute Alternative. Diese Ticketpreise!
Die Welt zu Gast bei Pferdefreunden
Doch warum in die Ferne schweifen? Fahren Sie einfach mal nach Aachen. Dort steht im August die Reit-WM an. Nach 20 Jahren ist die Welt wieder zu Gast bei Pferdefreunden. Springreiten und Dressur zu Musik unter Flutlicht im Hauptstadion vor 40.000 Menschen, dazu Para-Dressur, Vielseitigkeitsreiten, Vierspännerfahren und Voltigieren – das kann doch nur ein neues Sommermärchen werden. Niemand muss die Nächte durchmachen, und Albträume bekommen Sie maximal davon, wie manche Reiter mit ihren Pferden umgehen.
Oder wie wäre es mit einem Ausflug ins Saarland? Dort finden im Juni die nationalen Special Olympics für Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Beeinträchtigung statt. Die Basketball-WM der Frauen in Berlin, die Deutschlandtour des Radsports, die WM der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt, die „Finals“ in Hannover mit den deutschen Meisterschaften in 23 Sportarten – das ist nur eine kleine Auswahl davon, wo im Sommer 2026 gerannt, gesprungen, gespielt und geritten wird.
Es gibt erschwingliche Tickets statt Gaga-Preise, manches ist sogar kostenlos zu sehen, und das zu Zeiten, zu denen auch Kinder noch wach sein dürfen. Wer will da weit reisen, um Fußball zu schauen? Zu Hause zu bleiben ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch für das Portemonnaie und die Schlafgewohnheiten.
Spannung, Faszination, Siege und Niederlagen lassen sich auch im deutschen Sommer erleben. Bleibt zu hoffen, dass die Athletinnen und Athleten diese Momente nicht mit Präsidenten teilen müssen, die sich selbst wichtiger nehmen. Das neue Sportjahr ist jung. Da wird man wohl noch eigene Träume haben dürfen.
