Sportschau-Experte vor EM-Start: Klein-KLartext – „Die Qualität unserer Abwehr begeistert mich“

ARD-Experte Dominik Klein

Stand: 13.01.2026 23:31 Uhr

Die deutschen Handballer haben sich mit zwei beeindruckenden Testspiel-Siegen gegen Vize-Weltmeister Kroatien in EM-Form geworfen. Vor dem ersten Gruppenspiel schätzt Ex-Nationalspieler und Sportschau-Experte Dominik Klein (42/187 Spiele, 370 Tore) die Chancen der DHB-Auswahl ein, warnt aber auch vor dem Auftakt am Donnerstag im dänischen Herning gegen Österreich (20.30 Uhr/live im Ersten und bei sportschau.de).

Sportschau.de: Deutschland hat mit Spanien und Serbien eine schwere Gruppe erwischt, in der Hauptrunde drohen dann schon absolute Hochkaräter wie Dänemark, Frankreich oder Norwegen. Ist trotzdem eine Medaillen drin?

Klein: „Also ganz ehrlich: Ich traue uns alles zu. Es war großartig, diese beiden Spiele gegen Kroatien so zu bestreiten, als wären sie schon Teil der EM. Total begeistert hat mich die Qualität unserer Abwehr, auch unsere beiden Torhüter sind schon in Turnierform. Und wir können verschiedene Konstellationen spielen, man kann in der Defensive auch Johannes Golla oder Julian Köster mal eine Pause gönnen, ohne dass alles in Gefahr gerät.“

Wo sehen Sie neben der Abwehr die größten Fortschritte gegenüber der WM im Vorjahr, als im Viertelfinale gegen Portugal Schluss war?

Klein: „Neben unserer Flexibilität schalten wir jetzt viel besser und schneller um, es geht mit wenigen Kontakten nach vorne Richtung Abschluss. Auch die zweite Welle ist stark, insgesamt wirkt mir das Team viel frischer als vor einem Jahr. Natürlich brauchst du auch immer noch eine Entwicklung während so eines Turniers – aber aus meiner Sicht können wir uns diesem brettharten Programm mit allen Top-Gegnern stellen.“

Tatsächlich auch Dänemark, wenn es soweit kommen sollte?

Klein: „Also dass die Dänen der absolute Turnierfavorit sind, ist klar. Vor allem, wenn da in Herning 16.000 Leute die Halle in rot-weiß tauchen und da eine Party feiern. Aber man kann Dänemark auch zum Nachdenken bringen.“

Mit welchen Mitteln?

Klein: „Vielleicht das Hallenlicht ausknipsen… Nein, im Ernst: Du musst sie vor Aufgaben stellen, du musst körperlich komplett dagegenhalten, Tempo-Handball spielen. Und brauchst dann an diesem Tag einen Torwart in Weltklasseform.“

Wie groß ist die Gefahr, Österreich zu leicht zu nehmen? Bei der WM kam Deutschland praktisch in jedem Spiel erstmal ganz schwer in die Gänge…

Klein: „Man kennt sich natürlich aus vielen Spielen, dazu werden die Jungs aus der Bundesliga natürlich ganz besonders darauf brennen, es den Deutschen zu zeigen. Es ist gegen Österreich immer auch eine mentale Geschichte. Auf dem Papier ist Deutschland natürlich klarer Favorit, aber das müssen unsere Spieler komplett ausblenden. Dieses Spiel ist kein Test für die weiteren Aufgaben, man muss sofort im Vollgas-Modus sein – also auftreten wie gegen Kroatien.“

Erwarten Sie bei der EM neue Entwicklungen im Handball, wird es taktische Innovationen geben?

Klein: „Man wird sicher immer mal wieder die Variante mit den vier Rückraumspielern und ohne Kreisläufer sehen, die in der Bundesliga in Eisenach entstanden ist. Italien hat das schon gespielt, ich bin aber auch gespannt beispielsweise auf Färöer. Bei diesen Teams ist auf der großen Bühne oft eine andere Frische und Euphorie zu spüren, eine totale Begeisterung.“

Man hört oft von den Spielern, dass eine EM härter als eine WM ist – sehen Sie das auch so?

Klein: „Ja, absolut. Bei einer WM kann es auch mal sein, dass man einen exotischen Gegner dabei hat, gegen den man personell und taktisch etwas ausprobieren kann. Hier bei der EM ist der Spielplan ein absolutes Brett.“

Für Juri Knorr ist es praktisch ein Heim-Turnier, er spielt beim Champions-League-Klub Aalborg in der dänischen Liga. Wie wirkt er seit seinem Wechsel von den Rhein-Neckar Löwen auf Sie?

Kann sich noch steigern: Juri Knorr hat in Dänemark ein Heimspiel

Klein: „Das wird ihm bei der EM auf jeden Fall helfen, dass er jetzt schon ein halbes Jahr in Dänemark spielt. Er ist ein selbstkritischer Typ, er weiß natürlich auch, dass das jetzt gegen Kroatien von ihm noch nicht die absolute Top-top-Form war. Aber er kann sich im Team jetzt viel freier entfalten, keiner erwartet mehr von ihm, dass er alles allein regelt. Juri soll einfach locker aufspielen.“

Der DHB hat bekanntgegeben, dass es für EM-Gold bis zu 600.000 Euro Prämie gibt – das ist Rekord, für den Titel 2016 gab es 250.000 Euro. Ist Geld eine Zusatzmotivation? Oder blenden das die Spieler während des Turniers komplett aus?

Klein: „Es ist auf jeden Fall eine große Wertschätzung für das, was die Spieler leisten. Aber an diese Summen denkt sicherlich niemand, wenn er auf dem Platz steht, da ist man komplett konzentriert auf den sportlichen Erfolg.“