
In Reaktion auf einen ARD-Bericht über vermeintliche Missstände bei der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) hat der Verband nachgelegt. Wie ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky mitteilte, ist dem Senderverbund eine Unterlassungserklärung des Verbands zugegangen. „Die ARD wird sich dieser Unterlagen selbstverständlich umgehend annehmen und sie kritisch in Abstimmung mit den involvierten Justiziariaten prüfen“, sagte Balkausky.
Vorausgegangen war dem ein Bericht der ARD-Journalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Norditalien vor wenigen Wochen. Sie hatten für die ARD-Sportschau über mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der DESG sowie über ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet. Zudem ging es um Vorwürfe, wonach die DESG Haushaltspläne zurückgehalten habe, Athleten mitunter jahrelang auf Prämien warteten sowie für ihr Teamoutfit und Wettkampfreisen mitbezahlen mussten.
Seppelt und Mebus wurde daraufhin am Donnerstag dieser Woche der Zugang zu einer Pressekonferenz der DESG verwehrt. Die beiden Journalisten erhielten ein Hausverbot. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach von einem „unglaublichen Vorgang“.
„Ein beispielloser Vorgang in der Geschichte deutscher Sportfachverbände“
DESG-Präsident
Matthias Große kritisierte Seppelt und Mebus heftig. „Wer meinen Verband
auf die Schlachtbank führt, mit dem teile ich nur noch den
Gerichtssaal“, sagte Große. Er sprach von einer „Schmutzkampagne“, einem
„Hassspiel“ und von „Lügen“. Auf der Pressekonferenz sagte er, dass
seine Anwälte Briefe verschickt hätten. Zudem behauptete er, der DESG
sei durch den Bericht ein siebenstelliger Schaden entstanden. Wodurch
dieser explizit entstanden sein soll, erklärte er nicht. Von den in dem ARD-Bericht erhobenen Anschuldigungen distanzierte sich Große.
Seppelt
sprach nach dem Ausschluss von der Pressekonferenz von einem
„beispiellosen Vorgang in der Geschichte deutscher Sportfachverbände“.
Berichterstatter würden nicht geduldet, weil sie Journalismus betrieben,
den Verbandspräsident Große „ablehnt oder nicht für richtig hält“. ARD-Sportkoordinator Balkausky sagte, ausgewählte Journalisten nicht zu
einer offiziellen Pressekonferenz zuzulassen, sei inakzeptabel und
verstoße „eklatant gegen Grundsätze einer freien und unabhängigen
Berichterstattung“.
Sportausschuss des Bundestages berät über Vorwürfe gegen DESG
Auch der Sportausschuss des Bundestages wird sich mit den Vorwürfen gegen die DESG beschäftigen. Das teilte die Sprecherin für Sport und Ehrenamt der SPD-Bundestagsfraktion, Bettina Lugk, mit. „Den durch Journalisten und Athleten erhobenen Vorwürfen gegenüber dem Verband muss sorgfältig nachgegangen werden“, sagte Lugk. Demnach wird sich der Sportausschuss schon kommende Woche mit dem Thema befassen.
Die DESG erhält auch öffentliche Fördergelder. Vor diesem Hintergrund sagte Lugk: „Grundsätzlich gilt für uns: Die Athletinnen und Athleten müssen im Zentrum der Sportpolitik stehen. Wenn sie Missstände benennen, müssen wir diese Hinweise ernst nehmen und sicherstellen, dass sie ohne Druck ihre Perspektive äußern können.“
