Spionageprozess in Wien: „Ich bin zwar bereit auszusagen. Aber für einen Verhandlungstag riskiere ich nicht mein Leben“

Dmitrij Senin war Offizier beim russischen Geheimdienst FSB und ist ein Zeuge im Wiener Spionageprozess. Doch er kommt nicht – weil die Österreicher zu wenig für seine Sicherheit tun, sagt er. Ein exklusives Gespräch

Spionageprozess in Wien: Am Wiener Landesgericht für Strafsachen läuft derzeit der größte Spionageprozess der jüngeren österreichischen Geschichte
Am Wiener Landesgericht für Strafsachen läuft derzeit der größte Spionageprozess der jüngeren österreichischen Geschichte
© imago

DIE ZEIT: Herr Senin, wir sprechen per Videocall miteinander. Wo sind Sie derzeit?

Dmitrij Senin: In einem europäischen Land, das mir Schutz bietet. Der Ort muss aus Sicherheitsgründen geheim bleiben. Die Menschen, die mich suchen, sind Profis. Sie brauchen keine genaue Adresse, um mich zu finden und zu töten. Nur so viel: In Österreich bin ich nicht.

ZEIT: Hier läuft derzeit der größte Spionageprozess der jüngeren österreichischen Geschichte. Angeklagt ist der ehemalige Staatsschützer Egisto Ott. Er soll laut Staatsanwaltschaft im Auftrag des russischen Geheimdienstes Menschen ausspioniert haben – auch Sie. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sie waren als Zeuge geladen. Warum sind Sie nicht gekommen?