Spektakuläre Illusionen und Leerlauf: Die Ehrlich Brothers

Seit zehn Jahren sind sie gemeinsam auf Tour, verzaubern Deutschland und die Welt: die Ehrlich Brothers, formerly known as Andreas und Christian Reinelt aus dem nordrhein-westfälischen Herford. Nun waren die beiden mit ihrer Jubiläumstour „Diamonds“ zu Gast in der Olympiahalle, die „die besten Illusionen aus 10 Jahren Tour“ verspricht und ein bisschen auch ein Rückblick in die eigene Geschichte ist.

Die Ehrlich Brothers, Andreas Ehrlich und Christian Ehrlich zu Gast in der NDR Talkshow 2022.
Die Ehrlich Brothers, Andreas Ehrlich und Christian Ehrlich zu Gast in der NDR Talkshow 2022.
© IMAGO/APress
Die Ehrlich Brothers, Andreas Ehrlich und Christian Ehrlich zu Gast in der NDR Talkshow 2022.

von IMAGO/APress

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Andreas und Chris pflegen ihr Image der sympathischen Zauberer von nebenan, die als Kinder mit ihrem Papa im Keller ihre ersten Tricks gebaut haben und einfache Menschen mit nicht immer einfachen Herausforderungen geblieben sind. Sie wollen ihrem Publikum auf Augenhöhe begegnen, was natürlich nicht ganz leicht ist, wenn man mit 30 LKWs und einer 150-Mann-und-Frau-starken Crew anreist, um in der Olympiahalle zu performen.

Aber: Gefühlt halten sich die beiden mindestens so viel Zeit in der Arena auf wie auf der Bühne. Das Publikum ist fester Bestandteil der Performance, was treuen Fans natürlich bewusst ist: So hat nicht nur ein kleiner Junge eine Zahnbürste dabei, weil er weiß, dass er dafür womöglich einen Lolli bekommt. Anscheinend ist das ein Running Gag ihrer Shows. Und nicht nur der erwachsene Florian aus der ersten Reihe wirkt, als hätte er nur darauf gewartet, einmal auf die Bühne geholt zu werden und selbst mal auf riesigen Leinwänden auftreten zu dürfen.

Auch wenn Andreas und Chris Ehrlich sich wirklich um Nähe bemühen: Die Dimension ihrer Show und Illusionen ist nicht nur das Beeindruckende, sie rückt das Geschehen auch in eine große Distanz. Wer einen Monster-Truck auf die Bühne zaubert, braucht dafür eben mehr Platz als für einen Karten-Trick. Auf den Leinwänden ist auch von den guten Plätzen aus mehr zu sehen als vom eigentlichen Geschehen, und hie und da geht das Live-Erlebnis aller Publikums-Einbindungen, dem großzügigen Einsatz von Pyrotechnik und Süßigkeiten-Kanonen zum Trotz ein wenig verloren.

Motorrad, Feuerreifen und kleine Münzen

Natürlich ist es beeindruckend, wenn sie effektvoll Stahlplatten durchdringen oder ganze Bahnschienen in Herzform verbiegen. Aber in den Umbaupausen entsteht eben auch allerlei Leerlauf, den die beiden mit teils etwas sentimentalen Geschichten füllen.

Andreas und Christian Ehrlich in der „Giovanni Zarrella Show - Wir sagen Dankeschön“ vor vier Monaten.
Andreas und Christian Ehrlich in der „Giovanni Zarrella Show – Wir sagen Dankeschön“ vor vier Monaten.
© IMAGO/Bildagentur Monn
Andreas und Christian Ehrlich in der „Giovanni Zarrella Show – Wir sagen Dankeschön“ vor vier Monaten.

von IMAGO/Bildagentur Monn

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Tatsächlich sind es neben den großen aufwändigen Tricks die handwerklichen Zaubereien, die Staunen lassen, weil es hier eben nicht um bombastische technische Maschinerien, sondern um Können geht. Wenn Chris ein zusammen geknäultes Blatt Papier vor einer Zuschauerin zwischen seinen und ihren Händen in der Luft tanzen lässt oder wenn Andreas in ein graues Alltagspuzzle Platz für bunte Glitzerelemente zaubert, sind das kleine große Momente.

Die eher klassischen Tricks wie sekundenschnelle Kostümwechsel oder die Münze, die in eine Glasflasche durchdringt, haben einfach nichts an ihrem – nun ja – Zauber verloren. Dazu gibt es einige der wirklich großen Nummern wie das Fahren mit einem ganzen Motorrad aus einem übergroßen, aber flachen IPad. Und wenn am Ende beide Brüder scheinbar schwerelos über die Bühne fliegen, durch brennende Reifen und in gläserne Käfige, dann ist das schon großes Theater.