Da es im Folgenden um die nicht unerhebliche Frage gehen wird, ob die weltumspannende Frühstücksgemeinde soeben auf einen Troll, einen Clown, einen mit allen ätherischen Ölen gewaschenen Wutköder-Ausleger hereingefallen ist, müssen wir uns eingangs mit William Hanson beschäftigen. Hanson, 36, Brite, ist Eigentümer des Instituts The English Manner und nach eigenen Angaben so etwas wie das frische Lüftchen in der Etikette-Branche, was man nicht nur an seinem jugendlichen Alter erkennt, sondern auch daran, dass er den kleinen Finger beim High Tea nicht abspreizt. Wer hier mangelnde Seriosität verortet, dem sei gesagt, dass so distinguierte Flüsterhäuser wie Barclays, Cartier und das Londoner Ritz bei The English Manner ein Manieren-Finetuning erhalten haben.
Um den Eindruck elaborierter Humorlosigkeit noch weiter zu eskalieren: Zwölfjährige Rotzlöffel in London mögen die Startelf des FC Arsenal zu allen Zeiten ansatzlos heruntergebetet haben. Der zwölfjährige William jedoch fand es ungleich faszinierender, dass die Tischdecke eines satisfaktionsfähigen Büfetts den Fußboden berührt. Das hat er bei CBS erzählt, bevor er den eigens angereisten Reporter elegant zusammenfaltete, weil dieser seinen Earl Grey im Kreis umrührte, anstatt, wie es sich für einen Gentleman gehört, „back and forth in a delicate six-to-twelve motion“.
Summa summarum ist davon auszugehen, dass William Hansons auf Instagram verbreitete Handreichung, der zufolge Müsli mit Löffel und Gabel zu essen sei, ernst gemeint war.
Wenn der Followerschaft – und die Kommentare sprechen dafür – daraufhin der Löffel im Rachen stecken geblieben ist, so wäre dies nur ein weiterer Beleg für die Richtigkeit der hier vorliegenden Kernthese: dass die Pervertierung der Nahrungsaufnahme mit der fehlenden Müsli-Gabel nicht nur endet, sondern mit dem völlig falschen Gebrauch des Löffels bereits anfängt. Die Bestimmung des Löffels ist es nämlich, eine Flüssigkeit (Suppe) erst aufzunehmen, zum Mund zu führen und diese dann vom seitlichen Löffelrand in ebenjenen nicht hineinzuschaufeln, sondern höchst vorsichtig zu kippen. Wie auch Erbsen, da es sich hierbei nicht um eine Flüssigkeit (Suppe) handelt, weder auf den Löffel noch auf die Gabel gehäuft werden dürfen, sondern mit einer Gabel aufzuspießen sind, die über nicht weniger als vier Zinken verfügt. (Eine dreizinkige Gabel mit darauf gehäuften Erbsen wäre notwendig das Ende bei Hof.)
Nun aber: das Müsli-How-to nach William Hanson. Wir haben eine ordentliche, aber nicht unanständig große Ladung Müsli in unsere Schale geladen, geben Milch hinzu und nehmen wie gehabt den Löffel in unsere Aktivhand. Nun fügen wir in der Passivhand die Gabel hinzu, schieben mit dieser das Müsli, welches keine Flüssigkeit (Suppe) ist, auf den Löffel und kippen es von dessen seitlichem Rand in den Mund.
Klar so weit? Excellent. Nächste Woche dann: das Köpfen eines Frühstückseis mit Hämmerchen und Meißel.
