

Mit Tamtam empfahl die Taskforce „zuverlässige Bahn“ vor wenigen Tagen 22 Sofortmaßnahmen, um die Pünktlichkeit der Bahn zu erhöhen und den Blutdruck der Bahnfahrer sinken zu lassen. An dieser Stelle warnen wir schon mal den Pendler, die Baldriantropfen wegzuwerfen, er wird sie noch brauchen. Die Vorschläge wirken phantasielos. Wie sie in die Tat umgesetzt werden sollen, bleibt ein Rätsel.
Jokergleise etwa an den größten deutschen Knotenpunkten, darunter Frankfurt am Main, Köln und München. An den hochbelasteten Kopfbahnhöfen entstehen täglich Staus, wenn Züge wegen Verspätungen anderer auf die Ein- oder Ausfahrt warten müssen. Das gezielte Freihalten von Ausweichgleisen soll entlasten. Wer einmal weiterdenkt, kommt nicht weiter.
Es müssten Zugverbindungen gestrichen werden
Die Nachfrage der Bahngesellschaften ist hoch, die Bahnhöfe kommen kaum hinterher. Es müssten Zugverbindungen gestrichen werden, um Gleise frei halten zu können. Eine Reduzierung im überlasteten Netz ist zwar unumgänglich, was gestrichen werden soll und zu welchem Preis, bleibt aber offen. Eine attraktive Verkehrswende schafft man mit attraktivem Angebot und nicht mit noch mehr überfüllten Zügen.
Zweifelhaft erscheint auch der Vorschlag, Fahrgastlenker an den Gleisen einzusetzen, die optimale Wege und Wartepositionen am Bahnsteig aufzeigen. Wer öfter von besagten Knotenpunkten aus in die Welt fährt, weiß, dass dem Bahnfahrer oft keine andere Wahl bleibt, als dem anderen im Weg zu stehen. Baustellen, verwirrte Menschenmenge vor Anzeigetafeln, zu enge Treppen, Verspätungen, kurzfristige Gleiswechsel – da hilft kein Lenker.
Statt Personal am Gleis wäre beherztes Herangehen an strukturelle Probleme vonnöten. Und sei es nur an die DB-App, die erst in letzter Sekunde eine neue Wagenreihung anzeigt, Gleiswechsel nicht mitbekommt oder einfach mal den Geist aufgibt.
