So werden die Erneuerbaren erwachsen

Die alte Gärtnerregel trifft auch auf die Energiewende zu: Wildwuchs ist nie gut. Bei den Stromnetzbetreibern stapeln sich die „Anschlussbegehren“ von Batteriespeichern, sodass andere Antragsteller kaum eine Chance haben, in absehbarer Zeit zum Zuge zu kommen. Das gilt etwa für Rechenzentren oder neue Industrieansiedlungen, die Deutschland viel nötiger hätte als überdimensionierte Stromspeicher. Gibt es Ansiedlungsinteressen von Investoren aus dem In- oder Ausland, müssen sich diese hinten anstellen.

Bisher haben die Netzbetreiber die Bewerbungen nach zeitlicher Folge zu bearbeiten, nicht etwa nach wirtschaftlichem Nutzen, und das, obgleich viele Speicherprojekte mehrfach oder nur mit halbem Ernst eingereicht werden und keine Aussicht auf Realisierung haben. Das zeigt allein die völlig irrwitzige Kapazität: Die beantragten Gigawatt übersteigen schon jetzt die gesamte installierte Erzeugungsleistung in Deutschland.

Erneuerbare sollten auf eigenen Füßen stehen

Als grüne Technik sind Batteriespeicher „in“. Sie sind auch sinnvoll, etwa in Wohnhäusern mit Solardächern oder als „Co-Location“ in Wind- und Solarparks. Sicherheit vor Dunkelflauten bieten sie dennoch nicht, dafür liefern sie nicht lange genug Strom. Für die gesicherte Leistung sind regelbare Gaskraftwerke unverzichtbar.

Es ist daher gut, dass aus dem Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) nach der Kraftwerksstrategie jetzt erste Ideen für ein „Netzpaket“ kommen. Hier geht es darum, die Erzeugung und Speicherung erneuerbarer Energien mit den Bedürfnissen der Netze in Einklang zu bringen, das System so zu stabilisieren und die Stromkosten zu senken. Deshalb sollen die Netzbetreiber die Anschlussbegehren künftig priorisieren und Kapazitäten frei halten dürfen. Auch transparente Übersichten über alle Anträge sowie die vollständige Digitalisierung bis 2028 sind sinnvoll.

Gleiches gilt für den Plan, Ökostromerzeuger mit Anreizen dorthin zu lotsen, wo sie wirklich gebraucht werden, und sie stärker an den Netz- und Systemkosten zu beteiligen. Wenn es stimmt, dass die Erneuerbaren erwachsen geworden sind, dann sollten sie auch auf eigenen Füßen stehen und Verantwortung übernehmen.