So riecht der Garten schon im Winter nach Frühling

Der Herbst roch noch nach feuchtem Laub, nach Moder, nach Erde. Vergangen die Düfte der warmen Tage, an denen Flieder, Rose und Jasmin in der Luft liegen. Wenn es winterlich wird, schwinden die Gerüche nach und nach völlig aus dem Garten. Die Natur macht Pause, die Pflanzen ruhen.

Doch nicht alle. Einige Gehölze und Zwiebelblumen blühen in den kalten Monaten. Überraschend, wenn im ansonsten schlafenden Garten blumiger, süßlicher oder würziger Geruch wahrzunehmen ist. Zwar herrscht nicht die Fülle des Sommers, doch allein die Anwesenheit von Duft wirkt betörend. Auf Bestäuber, die von den Pflanzen angelockt werden, aber auch auf Menschen. Denn so lässt sich auch der winterliche Garten sinnlich erleben.

Wohltuender Duft zwischen Dezember und März

Die Wohlriechende Heckenkirsche (Lonicera fragrantissima) trägt ihren Wohlgeruch schon im Namen. Weit trägt ihr jasminähnlicher Duft in Park oder Garten. Wer ihm immer der Nase nach folgt, mag erstaunt sein. Denn am buschigen Strauch sitzen eher kleine, weiße Blüten. Sie produzieren intensive ätherische Öle, die sich in der Luft verbreiten. Die Wohlriechende Heckenkirsche, auch als Winter-Geißblatt bekannt, war ursprünglich in China beheimatet. Am sonnigen oder halbschattigen Platz fühlt sie sich auch bei uns wohl und passt mit bis zu zwei Metern Höhe und Breite auch auf ein kleines Grundstück. Und dann verströmt sie von Dezember bis März ihren wohltuenden Duft.

Die Wohlriechende Heckenkirsche trägt diesen Namen nicht zufällig.
Die Wohlriechende Heckenkirsche trägt diesen Namen nicht zufällig.Mauritius

Während die Heckenkirsche vergleichsweise unscheinbar aussieht, fallen bei der Zaubernuss (Hamamelis) zunächst die kleinen eigenwillig fransigen Blüten auf. Schon von weit her leuchten sie in Gelb-, Orange- oder Rottönen. Das ist nicht alles. Denn wer sie aus der Nähe betrachtet, wird mit feinem Duft belohnt.

Die Hamamelis-Sorten, die zwischen Dezember und März blühen, sind meist Kreuzungen aus der chinesischen und japanischen Zaubernuss und zeichnen sich durch kräftige Farben aus. Hamamelis x intermedia ’Rubin‘ zum Beispiel hat hellrote Blütenblättchen. Die Sorte ’Primavera‘ ist zitronengelb mit einem Verlauf zu Dunkelrot, die Sorte ’Orange Peel‘ erinnert an Apfelsinenzesten.

Der Duft der Zaubernuss hat allerdings mit Zitrusfrüchten nichts gemein, er ist eher süßlich mit einem herb-würzigen Hauch. Die goldgelbe nordamerikanische Zaubernuss (Hamamelis virginiana) mit ähnlichem Aroma hat in der kalten Jahreszeit vielleicht noch die eine oder andere letzte Blüte, denn sie ist bereits einige Monate früher dran.

Wuschelkopf mit feinem Aroma: die Zaubernuss
Wuschelkopf mit feinem Aroma: die ZaubernussMauritius

Hamamelis wächst eher langsam, kann aber mehr als drei Meter hoch werden und wird bis zu zwei Meter breit. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig und nicht zu trocken sein.

Zarten Vanilleduft mit leichtem Hyazinth-Aroma verströmt die – sie heißt wirklich so – Winterblüte (Chimonanthus praecox). Von Januar an erscheinen die kleinen Blüten, die cremefarben oder gelb sind und ein purpurrotes Inneres haben. So schön sind sie, dass sie auch ohne Duft wirken würden. Dieser kommt als Dreingabe hinzu und macht das Gehölz zur idealen Winterattraktion für den Garten.

Attraktion im winterlichen Garten

Der Chimonanthus praecox gehört zu den Gewürzsträuchern, und auch er stammt aus China. In Deutschland gedeiht das Gehölz gut an einem geschützten, sonnig-warmen Standort, wo es bis zu drei Meter hoch wird. Die Sorte ’Grandiflorus‘ hat besondere, bis zu fünf Zentimeter große Blüten, die Sorte ’Luteus‘ gelbe Blütenblätter.

Die Mahonie (Mahonia) hingegen punktet in erster Linie mit ihrem honigähnlichen Duft. Der macht’s. Denn mit dem dunkelgrünen Laub, das an Ilex erinnert, wirkt das Berberitzengewächs auf den ersten Blick nicht gerade anziehend. Erst durch die intensiv gelben Blüten werden die wintergrünen Gewächse wahrgenommen. Und wenn dann ihr Aroma in die Nase steigt, ist jeder Widerstand zwecklos: Eine Mahonie gehört in den Garten!

Honigähnlicher Duft: Eine Mahonie gehört in den Garten!
Honigähnlicher Duft: Eine Mahonie gehört in den Garten!Picture Alliance

Während die meisten der aus Amerika und Asien stammenden Berberitzen-Gewächse im Frühjahr blühen, überrascht die Sorte ’Winter Sun‘ von Januar an mit ihrem Duft. Die spektakulären, traubenförmig angeordneten Blüten erinnern nicht nur an die spät aufgehende Sonne, sondern versetzen durch ihren süßen Geruch auch an einen Sommertag. Mahonia x media ’Winter Sun‘ passt in eine halbschattige oder schattige Rabatte, sie wird etwa anderthalb Meter breit und bis zu zwei Meter hoch.

Die Früchte der Fleischbeere (Sarcococca) erinnern an Oliven, das Laub ist immergrün. Die kleine Fleischbeere wirkt unscheinbar, bis sie ab Januar durch ihren Duft auf sich aufmerksam macht. Das Gehölz, das zu den Buchsbaumgewächsen gehört, stammt aus Asien. Mehrere Arten sind erhältlich, darunter Sarcococca confusa oder die auch unter dem Namen Schleimbeere bekannte Sarcococca hookeriana var. humilis, die im Himalaja heimisch ist.

Die Sorte ’Winter Gem‘ bleibt besonders klein, ihre Blüten sind rosa überhaucht, duften aber genauso gut. Generell ist die Fleischbeere anspruchslos, nur geschützt sollte ihr Platz sein. Sie verträgt Schatten und gedeiht sogar im Topf. Dann kann sie zur Blütezeit in die Nähe der Terrassentür geholt werden.

Romantik zu Jahresbeginn

Vanille und Nelken – ganz zarter Duft, aber bemerkenswert: Die rosa Blüten des Bodnant-Schneeballs (Viburnum bodnantense) sehen nicht nur romantisch aus, sie riechen auch so. Schon zu Jahresanfang öffnen sie sich an den kahlen Zweigen, bringen Licht ins Dunkel und wecken Erinnerungen an wärmere Tage.

Diese Schneeball-Hybride ist 1935 in Bodnant Garden in Nordwales entstanden: eine Kreuzung aus dem chinesischen Viburnum farreri mit dem aus dem Himalaja stammenden Viburnum grandiflorum. Der Zierstrauch ist pflegeleicht und wird am sonnigen bis halbschattigen Standort bis zu zwei Meter breit und drei Meter hoch. Die Sorte ’Charles Lamont‘ bleibt etwas kompakter als die Sorte ’Dawn‘.

Manche Iris blühen bereits im Winter, etwa die kleine Netzblatt-Iris (Iris reticulata). Aber kaum eine duftet so intensiv wie die Kretische Schwertlilie (Iris unguicularis). Bei uns ist sie eine Rarität. Ihre kräftig lilafarbenen Blüten verströmen einen blumigen Duft, der an Veilchen erinnert. Ihre Herkunft aus dem Mittelmeerraum zeigt an, unter welchen Bedingungen sie sich in unseren Gärten wohlfühlt: Der Standort sollte unbedingt sonnig und geschützt sein, etwa an einer Mauer. Dann lohnt es sich, von Januar oder Februar an regelmäßig bei ihr vorbeizuschauen.

Zum Niederknien: das Schneeglöckchen
Zum Niederknien: das SchneeglöckchenImago

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) dagegen kennt hier jeder. Doch wer weiß schon, dass die kleinen Pflänzchen auch duften? Den wenigsten fällt das auf, denn Schneeglöckchen tragen ihre Blüten nun mal tief am Boden. Wer den feinen Geruch der Sorte ’S. Arnott‘ wahrnehmen möchte, muss sich schon hinunterbeugen – wird dann aber mit honigähnlichem Aroma belohnt.

Etwa von Februar, März an blüht dieses Glöckchen und sieht unter Gehölzen wie der Zaubernuss wunderbar aus. Die weißen Blüten stimmen dann bereits auf den Frühling ein und sind ein Versprechen an die Düfte, die sich bald wieder im Garten entfalten werden.