Skifahrer Marcel Hirscher: „Es tut mir leid, dass es nicht drin ist“ – Sport

Auch das Chuenisbärgli hätte sich wieder angeboten, als Ort für das große Comeback. Verschneit, schwierig, unnachgiebig und stimmungsvoll präsentierte sich der Schweizer Skiort Adelboden und sein berühmter Riesentorlaufhang am Samstag. Beim Sieg von Marco Odermatt herrschten Bedingungen, wie sie der neunfache Adelbodensieger Marcel Hirscher in seinen besten Zeiten geliebt hat. Und wie er sie auch heute noch lieben würde. Wenn der Plan mit dem Comeback nicht gerade wieder gescheitert wäre.

Am Vortag des Adelboden-Wochenendes, traditionell der Auftakt zu den Technik-Klassikern des Winters, hatte Hirscher ein Video in den sozialen Medien veröffentlicht. Er wolle die Fragen beantworten, sagte er, die ihn und sein Team seit Wochen und Monaten erreichten: Ob und wann Hirscher im Weltcup wieder auf Skiern zu sehen sein werde, das war ein Dauerthema im Alpinbetrieb. Und der erhielt nun eine Antwort. Es wurde ein „Nein“ mit einer kleinen Prise „vielleicht“.

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„Es gibt heuer keine Rennen, auch keine Olympischen Spiele“, sagte Hirscher bei Instagram: „Es tut mir leid, dass es nicht drin ist.“ Sichtlich angeschlagen wirkte er dabei.

Wer den Menschen Hirscher während seine Karriere begleitet hat, der weiß, wie schwer es ihm fällt, nicht Ski zu fahren. Geduld war im besten Sinne noch nie Hirschers Stärke, das war Teil des Erfolgskonzepts des Getriebenen. Daran hat sich auch seit 2019 nichts geändert. Seit dem Karriereende im Alter von 30 Jahren, das er damals verkündete, weil er „mental und körperlich ausgebrannt“ war, ist Hirscher in vielerlei Hinsicht derselbe Mensch geblieben: Er hielt sich weiterhin beachtlich fit, fuhr einmal als Marketing-Gag als Vorläufer die Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel und kündigte schließlich im Herbst 2024 an, doch noch einmal zurückzukehren.

Im Dienste seiner eigenen Skifirma und seiner Zweitheimat, der Niederlande, nahm Hirscher einen neuen Anlauf – und scheiterte an einer Trainingsverletzung. Zu Hause auf der geliebten Reiteralm riss ihm im Dezember 2024 das Kreuzband, das ambitionierte Projekt Comeback scheiterte zum ersten Mal, aber, wie man aus dem Lager Hirscher schnell erfuhr, nicht endgültig. Der 36-Jährige kämpfte sich nicht wie ein einstiger, sondern wie ein aktiver Profisportler durch eine Reha.

Im Skisport allerdings ist eine Rückkehr auch für einen jüngeren Körper als jenen von Hirscher eine große Herausforderung. Der Norweger Aleksander Aamodt Kilde kann davon erzählen, der einst so starke Abfahrer ist gerade erst wieder in den Weltcup zurückgekehrt, zwei Jahre nach seinem schweren Sturz in Wengen und nach vielen mühseligen Schritten. Der Österreicher Marco Schwarz brauchte die ganze vergangene Saison als Aufbauhilfe, zwei Jahre nach seiner Knieverletzung fährt er nun wieder in der Weltspitze. Hirschers Karriere war auch deshalb so erfolgreich gewesen, weil ihm diese Art von Verletzungen bis auf wenige Ausnahmen erspart blieben. Nun aber ereilen ihn die Rückschläge doch: Von einem langwierigen Virusinfekt im Herbst berichtete er, auch von einer Wadenverletzung um die Weihnachtszeit. Das alles verhinderte Trainingsläufe, die dringend notwendig gewesen wären, um konkurrenzfähig zu sein.

Darum geht es Hirscher nämlich. Ähnlich wie bei Lindsey Vonn warfen ihm viele im vergangenen Jahr viele einen Publicity-Stunt vor, sprachen dem Comeback die sportliche Relevanz ab. Vonn hat ihre Kritiker längst belehrt, am Samstag gewann sie in Zauchensee ihre zweite Abfahrt des Winters, es war der 84. Weltcup-Sieg ihrer Karriere. Hirscher hat einen ähnlichen Anspruch, und so wandte er sich nun auch an die „Hater“: „Die werden es lieben“, sagte Hirscher im Video zu seinem Saison-Aus. Zugleich räumte er ein, dass er aktuell nun mal nicht mit den Besten der Welt mithalten könne.

Auf der Reiteralm hatte er in den vergangenen Wochen mit den Österreichern, den Schweizern und dem Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen trainiert und erfahren, dass er im Weltcup derzeit nur hinterherfahren würde. Das wollte Hirscher nicht, auch nicht auf der großen Bühne der Olympischen Spiele, auf die er nun genauso verzichtet wie auf Reisen nach Wengen, Kitzbühel und Schladming in den kommenden Wochen.

Eine Absage für alle Zeiten aber sei dies nicht, das betonen sowohl Menschen aus seinem Team als auch Hirscher selbst. Die Ansprüche, die Ungeduld, das alles ist ihm aus seiner besten Zeit geblieben und wird ihn weiter antreiben. „Ich werde weiter trainieren. Vielleicht schaffe ich es auf nächstes Jahr“, sagte Hirscher. Auf dem Chuenisbärgli planen sie bekanntlich auch im Januar 2027 einen Riesentorlauf.