Lange Zeit fuhren die deutschen Alpin-Asse im Riesenslalom-Weltcup hinterher. In dieser Saison hat sich das Blatt gewendet, auch wenn der ganz große Wurf nicht glückte.
Ein kleines bisschen Enttäuschung stand Fabian Gratz am Dienstag (24. März 2026) schon ins Gesicht geschrieben. Beim Weltcupfinale in Lillehammer war er ganz dicht dran an seinem ersten Podestplatz.
Nach dem ersten Durchgang lag der 28-Jährige als Vierter absolut in Reichweite, doch im Finale wurde er vom „gerade gesteckten Kurs überrascht“ und fiel auf Platz zehn zurück. Das Gleiche war dem begnadeten Skifahrer vom TSV Altenau in dieser Saison schon einmal in Schladming passiert. Damals ging es von Rang drei zurück auf Platz elf.
Deutschlands Fabian Gratz bejubelt seine Fahrt
Nächster Schritt: zwei starke Läufe
„Es muss der nächste Schritt sein, im ersten Lauf gut zu fahren und dann noch einen draufzusetzen, aber das wird richtig schwierig“, sagte Gratz nach seiner besten Saison im ZDF. Er habe gesehen, dass er sich nicht verstecken müsse und voll dabei sei.
Seit mehr als sechs Jahren fährt Gratz im Weltcup, vorwärts ging es nur sehr langsam. In den ersten drei Jahren hatte er Mühe, in die Punkte zu fahren. Jetzt ist er der Weltspitze ganz nah. Peu à peu arbeitete sich Gratz nach vorn und rauschte kurz vor Weihnachten in Alta Badia als Fünfter nur knapp am Podest vorbei. Dabei preschte er mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang vom 29. Rang nach vorn.
Zu Beginn des Jahres fuhr Gratz in Adelboden als Neunter wieder in die Top Ten. Dass Gratz so einen Sprung gemacht hat, liegt auch an seinen Teamkollegen Jonas Stockinger und Anton Grammel. „Wir pushen uns gegenseitig. Wir haben alle einen Schritt gemacht, den wir früher erwartet hätten“, so Gratz.
Einst Aussortierte kämpfen sich nach oben
Das Pushen drückt sich jetzt in Zahlen aus. Nicht nur bei Gratz. Auch Grammel und Stockinger haben einen Riesensatz nach vorn gemacht. Dabei waren die beiden einst schon aussortiert. Aufgeben war trotzdem keine Option. Beide investierten mehrere tausend Euro pro Saison, bezahlten davon Trainer, Training, Unterkunft und Essen. Sie schlossen sich einem unabhängigen Rennteam an, Stockinger für zwei Jahre, Grammel für ein Jahr. Der Deutsche Skiverband übernahm nur bei Rennen die Kosten.
Der (finanzielle) Aufwand hat sich gelohnt: Statt unter dem Radar zu fliegen sind beide auf dem Weg Richtung Weltspitze. Stockinger war in diesem Jahr erstmals bei einem Weltcupfinale dabei und fuhr als Elfter prompt in die Punkte. Und das mit extremen Rückenproblemen. „Sonntag bin ich vor Rückenschmerzen nicht auf die Beine gekommen, jetzt Punkte mitzunehmen, hätte ich nicht gedacht“, sagte er nach dem Rennen glücklich.
Grammel: „Geht in die richtige Richtung“
Grammel feierte mit Platz sieben zum Schluss sein bestes Weltcup-Ergebnis und ärgerte sich fast ein wenig über das Saisonende: „Es ist schade, dass meine Rennen zum Ende hin besser waren. Mir wäre es lieber, es läuft von Beginn an so.“
Mit dem Saisonverlauf war er natürlich zufrieden – auch mit Blick auf seine Teamkollegen. „Es geht im gesamten Team in die richtige Richtung und es ist nur eine Frage der Zeit, bis mal einer im Zielraum jubeln darf. Das wird sicher kommen“, ist er überzeugt.
Deutschlands Anton Grammel in Aktion
2021 – letztes Riesenslalom-Podest
Es wird Zeit, dass eine lange Durststrecke zu Ende geht. Seit Alexander Schmid im Dezember 2021 in Alta Badia Dritter wurde, stand in der Disziplin kein deutscher Skirennfahrer mehr auf dem Podest.
