Sipri-Studie: Die USA rüsten Europa mit aller Macht auf

Laut dem schwedischen Sipri-Institut sind die Europäer erstmals seit zwei Jahrzehnten zum größten Einkäufer von US-Waffen aufgestiegen. Sie verkaufen aber auch mehr. Besonders auffällig: Deutschland übertrifft inzwischen sogar China bei den Rüstungsexporten.

Die US-Rüstungskonzerne liefern immer mehr Waffen nach Europa und bauen ihre Stellung als weltgrößter Lieferant weiter aus. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Waffenimporte der Europäer aus den USA mit einem Zuwachs um 217 Prozent mehr als verdreifacht, geht aus einer neuen Analyse des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri hervor. Haupttreiber waren Lieferungen an die Ukraine.

Die US-Rüstungskonzerne lieferten von 2021 bis 2025 ein Viertel ihrer Waffenexporte an Europa. Insgesamt stiegen die US-Exporte in den vergangenen fünf Jahren gegenüber dem Zeitraum 2016 bis 2020 um 27 Prozent. Damit erhöhte sich der Anteil der Amerikaner an den weltweiten Waffenexporten von 36 auf 42 Prozent. Weltweit kletterte das Volumen der Waffenlieferungen zwischen Staaten um knapp zehn Prozent, der stärkste Anstieg seit 2022.

Die Sipri-Analysten ermittelten, dass die Europäer in den vergangenen fünf Jahren mit einem Anteil von 38 Prozent erstmals seit zwei Jahrzehnten der größte Einkäufer von US-Waffen waren. Sie lösen damit die Staaten im Mittleren Osten ab, wobei aber Saudi-Arabien mit zwölf Prozent Anteil der größte Einzelkunde für US-Waffen bleibt.

Als Erklärung für die große Nachfrage nach US-Waffen verweist Sipri-Experte Pieter Wezeman auf ihre „fortschrittlichen Fähigkeiten“ und die Möglichkeit, gute Beziehungen zu den USA zu pflegen. Die USA würden ihre Waffenexporte auch als außenpolitisches Instrument und Mittel zur Stärkung ihrer Rüstungsindustrie betrachten, wie die „America First“-Strategie der Trump-Administration zeige.

Die Europäer waren nicht nur der Hauptimporteur von US-Waffen, sondern steigerten auch ihre eigenen Exporte – um 36 Prozent im Vergleich 2016 bis 2020 mit 2021 bis 2025. Die Europäer steuerten damit 28 Prozent der weltweiten Rüstungsexporte bei. Dies entsprach zwei Dritteln des US-amerikanischen Exportvolumens im gleichen Zeitraum, war aber viermal so hoch wie das russische und fünfmal so hoch wie das chinesische.

Vier EU-Mitgliedstaaten gehörten 2021–25 zu den zehn größten Rüstungslieferanten weltweit: Frankreich auf Platz zwei mit knapp zehn Prozent der weltweiten Waffenexporte. Deutschland an vierter Stelle mit 5,7 Prozent Weltanteil übertraf China mit 5,6 Prozent Weltmarktanteil an den Exporten, wobei knapp ein Viertel der deutschen Waffenexporte an die Ukraine geliefert wurden. Italien landete auf Platz sechs und Spanien auf Platz zehn.

Die Sipri-Analysten gehen von einer weiteren Vormachtstellung der US-Rüstungskonzerne aus. Das zeige sich an den Auftragsbeständen für Kampfflugzeuge, wie der F-35, und Kampfhubschraubern.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.