Sieg für Nolte und Levi im Zweierbob: Gold für die schnellsten Freundinnen – Sport

Erst ganz zum Schluss hatte Deborah Levi eine Zehntelsekunde Verzug, aber da war sie schon im Ziel. Sie musste eine Weile am Helm nesteln, ehe sie ihn vom Kopf zog. Erst dann konnte ihr Laura Nolte endlich in die Arme fallen. Vier Jahre nach dem Olympiasieg von Peking haben die beiden besten Freundinnen im Eiskanal erneut olympisches Gold im Zweierbob gewonnen. Sie hielten die gesamte Konkurrenz in Schach, einschließlich Lisa Buckwitz aus Berlin, die ihnen mit Anschieberin Neele Schuten noch am nächsten kam. Kim Kalicki, die dritte deutsche Pilotin, landete mit Talea Prepens auf dem undankbaren vierten Rang.

„Gold war unser Ziel, das ist unsere Paradedisziplin“, sagte Laura Nolte, 27, am späten Abend in der frostigen Nachtluft Cortinas erleichtert. Und Gold hatte auch Lisa Buckwitz, 31, schon gewonnen, 2018 in Pyeongchang, damals noch als Anschieberin von Mariama Jamanka. Danach schulte sie zur Pilotin um und hat sich nun an den Lenkseilen eine Silbermedaille erobert.

Buckwitz hatte Neele Schuten, 26, erst am Tag vor Weihnachten eröffnet, dass sie in Cortina zu zweit auf die Reise durch die Eisröhre gehen. Bei Laura Nolte stellte sich diese Frage nie. Seit acht Jahren vertraut sie Deborah Levi, seit die junge Wiesbadener Sprinterin in Winterberg im Sauerland zu einem Probetraining als Anschieberin erschien. Ein Leichtathletiktrainer, der auch mit Bobsportlern arbeitete, hatte Levi bei deutschen Meisterschaften auf den Termin aufmerksam gemacht. Man braucht Schnelligkeit und Schnellkraft, um so ein Trumm auf Kufen, 170 Kilogramm schwer, aus dem Stand von hinten in Fahrt zu bringen. Aber ein Team müsse auch harmonieren, sagt Levi, 26, und sie und Nolte hätten sich vom ersten Tag an ausgezeichnet verstanden. „Seitdem sind wir unzertrennlich.“ Sie verbringen sogar den Urlaub zusammen. Im Sommer waren sie zehn Tage auf Langkawi in Malaysia – dann flogen sie weiter nach Kuala Lumpur in ein Trainingslager.

Für Laura Nolte ist Deborah Levi „die schnellste Anschieberin der Welt“. Sie habe immenses Vertrauen in den Antritt und die Schubkraft ihre Partnerin, „egal was passiert“. Levi ihrerseits kann zwar nicht mehr eingreifen, wenn das Gefährt mit 130 Kilometern pro Stunde durch die Kurven schießt, aber ihre Zuversicht in die Fähigkeiten der Freundin an den Lenkseilen ist mindestens genauso groß: „Ich weiß, dass sie uns gut nach unten bringt.“

Nolte/Levi sind den ganzen Winter über im Zweier ungeschlagen

Sie waren beide Leichtathletinnen, das verbindet. Ihren Bob schaukelten sie erst durch den Europacup, dann nahmen sie im Weltcup Geschwindigkeit auf. Als sie bei den chinesischen Winterspielen vor vier Jahren ins Ziel donnerten, wurden sie zu den jüngsten Olympiasiegerinnen der Bobgeschichte ausgerufen – die bei den Frauen, erst 2002 zugelassen, allerdings eine kurze ist – und waren nach eigener Aussage wie beschwipst vor Glück.

Spätestens seit den heiteren letzten Tagen von Yanqing gilt Laura Nolte als eine der besten Lenkerinnen durch die Loopings im Eiskanal. Es hat sie am Montag mächtig gewurmt, als sie in Cortina im ersten Wettbewerb im tückischen Monobob noch die 41-jährige Elana Meyers Taylor an sich vorbeiziehen lassen musste. Die Grande Dame des Bobsports, Mutter zweier Kinder, die sich seit 2010 jetzt bei fünf Olympischen Spielen Medaillen gesichert hat, setzt im Zweierbob auf Erfahrung – Laura Nolte auf die schnellen Füße von Deborah Levi. Nach einem schweren Fahrfehler im zweiten Lauf, bei dem Bob USA Nummer 1 fast quer stand, verbesserte sich Elana Meyers Taylor in den beiden letzten Durchgängen noch auf Platz sieben.

Lisa Buckwitz, früher Anschieberin, nun selbst Pilotin, feierte ihren zweiten Platz ebenfalls mit großer Emotion.
Lisa Buckwitz, früher Anschieberin, nun selbst Pilotin, feierte ihren zweiten Platz ebenfalls mit großer Emotion. (Foto: Carmen Mandato/Getty Images)

Und auch Kaillie Armbruster Humphries, 40, dreimalige Olympiasiegerin, kam mit Jasmine Jones den Laufzeiten des Duos Laura Nolte/Deborah Levi nur im zweiten Lauf nahe. Nichts veranschaulicht die phänomenale Karriere von Kaillie Armbruster Humphries besser als der Umstand, dass sie schon vor 18 Jahren in Rennkluft oben am Bob-Start den Blick über die Gipfel der Dolomiten schweifen ließ – damals, im Januar 2008, als der alte, inzwischen abgerissene Eiskanal noch stand. „Ich bin von allen Bobfahrern und Bobfahrerinnen die Einzige, die hier noch runtergefahren ist“, hat sie im November bei den Testwettbewerben für den Neubau der Pista Olimpica Eugenio Monti lachend gesagt: „Einen Vorteil bringt mir das allerdings nicht.“

Kaillie Armbruster Humphries sicherte sich noch einmal, anderthalb Jahre nach der Geburt ihres Sohnes, zwei Bronzemedaillen, im Mono- und jetzt im Zweierbob. Der Sieg ging an das beste Duo der Saison: an Laura Nolte und Deborah Levi, die in allen fünf Weltcuprennen des Winters, die sie gemeinsam bestritten, und nun auch im olympischen Wettbewerb ungeschlagen geblieben sind.