

Vor dem Heilbronner Landgericht hat am Donnerstag der Prozess gegen eine mutmaßliche Bande begonnen, die im großen Stil „Stellvertreterprüfer“ für Fahrschüler organisiert haben soll. Insgesamt sind 59 Taten angeklagt, zwischen November 2022 und Juni 2025 sollen die Angeklagten durch den Betrug 180.000 Euro eingenommen haben. Angeklagt sind fünf Mitglieder einer Bande und zwei Inhaber von Fahrschulen mit deutscher, bulgarischer und syrischer Staatsangehörigkeit.
Der Betrug lief folgendermaßen ab: Für Fahrschüler, die nicht in der Lage waren, den praktischen oder theoretischen Test zu absolvieren, engagierten die Angeklagten Doppelgänger. Diese legten dann für den Auftraggeber die Prüfung ab. Von dem kriminellen Modell soll auch eine Fahrschule aus Göppingen profitiert haben, die über Filialen in Brackenheim, Sinsheim und Geislingen an der Steige verfügte. Viele Kunden sollen bulgarische Staatsbürger gewesen sein. Solche Stellvertreterprüfungen kosten bis zu 15.000 Euro. Nach Recherchen von Fachleuten legen manche Stellvertreter pro Tag acht Prüfungen ab. Vermutlich ist jede zweite widerrechtlich erworbene Führerscheinprüfung professionell von Kriminellen organisiert.
Manchmal reisten „Ersatzprüflinge“ Hunderte Kilometer an
In Deutschland wurden 2025 etwa 4000 Täuschungsversuche bei theoretischen Prüfungen registriert. In Baden-Württemberg gehen die Zahlen aber zurück: 2025 waren es 392 Fälle, in den Jahren zuvor zum Teil 500 Fälle. Neben den „Stellvertreterprüfungen“ gibt es noch andere Betrugsmaschen: Mit versteckten Minikameras in Brillengestellen, Krawatten oder Haarspangen bekommt der Prüfling durch einen Komplizen während seiner Prüfung Hilfe beim Ausfüllen von Fragebögen.
Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gingen die Angeklagten strikt arbeitsteilig vor: Die beiden Fahrschulinhaber agierten als Vermittler, sie bescheinigten die Prüfungsreife, kontrollierten die Ausweise und kassierten das Geld. Die drei Komplizen organisierten die Stellvertreter und sorgten dafür, dass die Kunden die Theorieprüfungen absolvieren konnten. Manchmal reisten die „Ersatzprüflinge“ Hunderte Kilometer an, um dann für ihre Auftraggeber im Raum Heilbronn die Prüfungen zu absolvieren. Bei den Ermittlungen im Juni 2025 konnte die Polizei damals eine fünfstellige Bargeldsumme, hochwertige Luxusautos sowie Schreckschusspistolen sicherstellen.
