Sicherheitspolitik: Boris Pistorius rechnet mit kriegstüchtiger Bundeswehr bis 2029

Bundesverteidigungsminister
Boris Pistorius hält eine Rückkehr zur engen sicherheitspolitischen Allianz
zwischen Europa und den USA für vorerst ausgeschlossen. Generell müsse sich ⁠Europa darauf einstellen, sich nicht mehr ⁠wie in
den vergangenen 70 Jahren auf die USA ‌verlassen zu können, sagte Pistorius am Sonntag in der ARD-Sendung
Caren Miosga. Er sieht die Bundeswehr allerdings auf einem „exzellenten Weg“,
bis 2029 kriegstüchtig zu sein.

Deutliche Kritik
übte Pistorius an US-Präsident Donald Trump nach dessen Äußerung, Truppen der Nato-Länder
seien in Afghanistan hinter den US-Soldaten „etwas abseits der Frontlinien“ zurückgeblieben.
Diese Behauptung sei „schlicht nicht wahr“, sagte Pistorius. Alle hätten beim
Afghanistan-Einsatz mit den USA gekämpft.

„So über die
Gefallenen der ⁠Verbündeten zu reden, ist
einfach unanständig und respektlos. Alle standen da,
standen an der Seite der USA“, sagte Pistorius. Er legte Trump eine
Entschuldigung nahe, deutete aber an, dass er damit nicht wirklich rechne. „Das
wäre ein Zeichen von Anstand, von Respekt und auch von ‍Einsicht“, sagte
er. Aber: „Wir wissen alle, wie der amerikanische Präsident funktioniert.“

„In der Nato wussten alle Bescheid“

In Afghanistan
waren 59 Bundeswehr-Soldaten ums Leben gekommen. ​Trump hatte im Sender Fox News erneut
behauptet, dass die USA die Nato nie gebraucht hätten. Mehrere andere
Nato-Staaten hätten zwar nach dem 11. September 2001 Truppen nach Afghanistan
geschickt, diese seien jedoch „ein wenig“ zurück geblieben.

Pistorius
kündigte an, das Thema bei nächster Gelegenheit mit US-Verteidigungsminister
Pete Hegseth anzusprechen. Mit Blick auf den Streit um eine ⁠Nato-Erkundungsmission in Grönland und kurzzeitig
angedrohte US-Strafzölle sprach der SPD-Politiker von einem
Missverständnis in Washington. „Wir haben immer
unterstrichen, dass es uns um die Sicherheit der Arktis und Grönlands geht, um
nichts anderes.“ Dies habe Deutschland auch in die Nato hinein kommuniziert.

„In der Nato
wussten alle Bescheid. Das war abgestimmt unter den Nato-Partnern“, sagte Pistorius. Dass die
Strafzölle, die Androhungen derselben, dann vom amerikanischen Präsidenten
zurückgenommen worden seien, zeige, dass es offenbar ein Missverständnis in
Washington gegeben habe.

Um die neuen Nato-Ziele zu erfüllen, muss die Bundeswehr kräftig
wachsen. So soll die aktive Truppe bis 2035 auf 260.000 Männer und
Frauen vergrößert werden. Zudem soll es 200.000 Soldaten in der Reserve
geben. Pistorius hatte vergangene Woche das beste Einstellungsergebnis in der Bundeswehr seit Aussetzung der Wehrpflicht bekanntgegeben. In der Bundeswehr dienen derzeit 184.200 Soldatinnen und Soldaten in der aktiven Truppe.