

Basel, St. Jakob-Park, 77 Tage bis Beginn der Fußball-WM. An der Seite des Bundestrainers sitzt an diesem Donnerstagabend ein deutscher Spieler, der in dieser Saison mehr Tore geschossen hat als Jamal Musiala und Florian Wirtz zusammen.
Man kann darüber diskutieren, ob das eher gegen Musiala (hat eine gute Ausrede: schwere Verletzung) und vor allem gegen Wirtz (hat eine weniger gute Ausrede: schwerer Wechsel) oder eher für ihn spricht. So oder so sagt es etwas aus, dass er es ist, der an diesem Abend sprechen darf.
„Im Kopf schweift man als Spieler immer wieder ab“, sagt Serge Gnabry, der für den FC Bayern München zehn Tore und zehn Torvorlagen gesammelt hat und damit bisher einer, vielleicht sogar der Gewinner der Saison ist. Er ist gerade gefragt worden, ob er in diesen Wochen schon an die WM denke.
Er erzählt daraufhin vom Abschweifen, von der „großen Vorfreude“, die er verspüre. Und auch wenn Bundestrainer Julian Nagelsmann daneben noch nicht verraten will, welche Rolle er für welchen Spieler in der deutschen Nationalmannschaft vorgesehen hat, verrät Gnabrys Reaktion, dass es in seinem Fall wohl keine ganz kleine werden wird.
Erst Kimmich, dann Havertz, nun Gnabry
Es spricht nämlich nicht nur für Gnabry, dass er an diesem Freitagabend im Spiel gegen die Schweiz (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Länderspielen und bei RTL) spielen wird. Es spricht auch für ihn, dass er davor sprechen darf. Vor diesem Länderspiel, dem ersten im WM-Jahr und dem vorletzten vor der Verkündung des vorläufigen WM-Kaders (am Montag folgt das gegen Ghana), gilt das ganz besonders.
Dazu passend sagt Nagelsmann, dass Gnabry „sehr, sehr gut trainiert“ habe und „sehr, sehr gut drauf“ sei. Gnabry und Nagelsmann – das ist ein Match, seit der junge Stürmer im Sommer 2017 als Leihspieler von München nach Hoffenheim gewechselt ist, weil er in dem jungen Trainer, der damals mit ihm gesprochen hat, etwas gesehen hat.
Jetzt scheint Nagelsmann noch einmal etwas in Gnabry zu sehen, das der Nationalmannschaft helfen könnte. Er sagt, dass dieser sich in der Nationalmannschaft „nicht nur über Tore und Torvorlagen definieren“ müsse.
Torwart Jonas Urbig muss verletzt abreisen
Man kann das so interpretieren: dass Gnabry nicht Vorleger oder Vollstrecker, sondern Verbinder sein soll. Diese Rolle ist vakant, seit İlkay Gündoğan seinen Rücktritt aus der Nationalelf verkündet hat. Und auch wenn Gnabry kein Gündoğan ist, hat er beim FC Bayern in dieser Saison immer wieder gezeigt, dass er eine Offensive in Bewegung halten kann.
Am Donnerstag spricht Nagelsmann dann nicht nur über Gnabry, sondern auch über andere Spieler, die am Freitag im Duell mit der Schweiz gesetzt sind. In der Abwehrmitte werden Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck starten, was heißt, dass Antonio Rüdiger in der Rolle des Herausforderers ist.
In der Mittelfeldmitte wird neben Leon Goretzka Angelo Stiller anfangen, der nur nachnominiert worden ist, weil Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha (Nagelsmann: „unsere stabilsten zentralen Mittelfeldspieler“) ausgefallen sind. Und im Sturm wird Kai Havertz sein erstes Länderspiel seit November 2024 machen.
Schon vor der Pressekonferenz hat der DFB mitgeteilt, dass der Torhüter Jonas Urbig wegen einer Verletzung vorzeitig abreisen musste. Es sei nur eine „ganz, ganz kleine[n] Kapselverletzung im Knie“, sagte Nagelsmann. Doch Urbig hätte wohl weder am Freitag noch am Montag gespielt. Denn als Nagelsmann gefragt wurde, ob er diese Spiele fürs Einspielen oder fürs Testen nutzen wolle, antwortete er mit einem Wort: „Einspielen.“
