
Beim Zweitligaspiel in Münster wird der Videobeweis bemüht. Der Schiedsrichter blickt aber auf einen schwarzen Bildschirm. Augenzeugen berichten von vermummten Fans am Monitor.
Es vergeht kein Wochenende, an dem im deutschen Fußball nicht über den Videobeweis diskutiert wird. Auch an diesem Spieltag gab es Debatten, wie etwa am Samstagabend in Köln, als sich die Fans des FC über einen nicht gegebenen Handelfmeter im Spiel gegen den BVB echauffierten.
In Münster, wo am Sonntag Hertha BSC gastierte, rückte der VAR auch in den Mittelpunkt. Im Zweitliga-Duell wurde in der Nachspielzeit der ersten Hälfte ein möglicher Foulelfmeter für die Gäste gecheckt. Der 29 Jahre alte Schiedsrichter Felix Bickel hatte die Szene zunächst nicht gesehen, wurde von Video-Assistentin Katrin Rafalski dann allerdings an den Stadionmonitor geschickt, um das Foul von Niko Koulis an Michael Cuisance selbst zu überprüfen. Doch Bickel sah nichts – der Bildschirm war schwarz.
„Ist jetzt da der Bildschirm ausgefallen oder was?“, wunderte sich Kommentator Florian Schmidt-Sommerfeld bei Sky: „Das kann nicht wahr sein.“
„Dem VAR den Stecker ziehen“
Knapp eine Minute lang wartete der Schiedsrichter – und kommunizierte in dieser Zeit über sein Headset mit dem Kölner Keller. Weil eine schnelle Lösung nicht in Sicht war, entschied Rafalski auf Elfmeter – und gab dies an Bickel in Münster weiter, der die Entscheidung im Stadion verkündete, ohne die Bilder gesehen zu haben. „Wir haben ein mögliches Foulspiel im Strafraum geprüft. Meine Kollegin Katrin Rafalski hat festgestellt, dass der 24er von Münster den Spieler Cuisance klar am Schienbein trifft im Strafraum. Deshalb lautet meine finale Entscheidung: Strafstoß und Gelbe Karte“, sagte Bickel.
Warum es zum Bildausfall kam? Wie „Bild“ berichtet, soll ein Münsteraner Ultra den Stecker des Geräts und damit den Videobeweis sabotiert haben. Bei Sky bestätigte ein Sicherheitsmitarbeiter den Vorgang.
Fotos zeigen, wie zwei Männer mit Sturmhaube über den Köpfen aus dem Innenraum zurück auf die Tribüne kletterten – davor ist der dunkle Bildschirm zu sehen. Zeitgleich wurde in der Kurve des Preußen-Anhangs ein großes Banner mit folgender Aufschrift ausgerollt: „Dem VAR den Stecker ziehen.“
Hertha gewann das Spiel am Ende mit 2:1. Fabian Reese, der den Elfmeter verwandelte, und Marten Winkler erzielten die Tore für die Berliner, Jannis Heuer traf für Münster. Die weiteren Spiele: Karlsruher SC – Dynamo Dresden 3:3, Hannover 96 – Greuther Fürth 1:2.
LaGa
