
Schade eigentlich, dass man das Krokodil nicht streicheln darf. Es kann eh nicht zuschnappen, und die Berührung würde ihm nur guttun. Sogar mit bloßen Händen, also ohne die weißen Baumwollhandschuhe, die Konservatoren reflexartig aus der Tasche ziehen, wenn sie Kunstgegenständen auf die Pelle rücken. Doch „Corinthium Aes“ oder „Korinthisches Erz“ ist ein magisches Material. Der Kontakt mit Hautsäuren lässt hell gewordene oder angekratzte Stellen der schwarzen Metalllegierung schnell wieder dunkel werden.
Den goldenen Verzierungen dürfte diese Pflege weniger bekommen, aber die Frage stellt sich nicht. Das Reptil gehört zu den Spitzenexponaten des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst in München und sitzt sicher in seiner Vitrine. Dass es den Mittelpunkt einer neuen Ausstellung bildet, hat tatsächlich mit einer Wiederentdeckung zu tun, denn der Nürnberger Goldschmied Matthias Lehr konnte mit seinen Rekonstruktionen nicht nur die hiesigen Archäologen um Arnulf Schlüter, sondern zuerst die Berliner überzeugen.

© Sandra Steiß
von Sandra Steiß
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Eingesetzt seit dem zweiten Jahrtausend vor Christus
Olivia Zorn, stellvertretende Direktorin im Ägyptischen Museum Berlin, gibt ganz offen zu, dass sie Corinthium Aes nicht auf dem Schirm hatte. „Man kennt natürlich den Begriff, aber das war’s dann auch“. Allerdings gibt es nur sehr wenige Objekte, dafür erlesene, denn der auch als schwarzes Kupfer bezeichnete Metallmix wurde seit dem zweiten Jahrtausend vor Christus zur Herstellung von Kultgegenständen und Götterfiguren eingesetzt. Das hat durchaus Sinn gemacht, solche Gefäße, Säbel oder Statuetten wurden regelmäßig in die Hand genommen und sollten ihren kostbaren Zauber über die Jahre nicht verlieren. Zumal sie bis ins kleinste Detail ausgearbeitet sind.

© Privatsammlung/Matthias Lehr
von Privatsammlung/Matthias Lehr
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Das broschenartig ovale Gegengewicht eines Menits, also einer zeremoniellen Halskette aus Theben, ist mit Einlagen aus Gold, Silber und Kupfer versehen und zeigt eine komplexe Szenerie um die thronenden Löwengöttin Sachmet. Ihr gegenüber steht ein junger Mann, der eine Rassel und wiederum einen Menit präsentiert, umgeben von Hieroglyphen, verschiedenen Vogelgöttern, der Kobra- und der Geiergöttin. So raffinierte Darstellungen verweisen auf herausragende Kunsthandwerker.
Über 90 Prozent Kupfer. Der Rest ist streng geheim
Doch was führt zum ewigen Schwarz? Vor 4000 Jahren war es eine Legierung aus mehr als 90 Prozent Kupfer, Silber, Gold und winzigen Mengen von hochgiftigem Arsen oder Blei. Nach einer ziemlich aufwendigen Behandlung mit Kupfersalzlösungen kommt es zu einer tiefvioletten bis schwarzen Patina. Die kann sich im Gegensatz zur Korrosion von Bronze immer wieder regenerieren.
Heute ist die Zusammensetzung durch die Röntgenfluoreszenzanalyse problemlos zu bestimmen, in der Antike wurden die Rezepturen als Geheimwissen gehütet und nur Ausgewählten weitergegeben – genauso die Anfertigung. Und nun kommt der tüftelnde Goldschmied ins Spiel.

© Sandra Steiß
von Sandra Steiß
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Gemeinsam mit der Archäologin Alessandra Giumlia-Mair hat Matthias Lehr die Quellen studiert und dann über Jahre hinweg experimentiert. Das Arsen ist durch Zinn ersetzt, aber es braucht schon ein Händchen, um am Ende das zu erhalten, wovon die Schreiber Herodot, Plinius oder Plutarch in den höchsten Tönen geschwärmt haben.
Hinzu kommt, dass Lehr lange in Japan war, wo eine vergleichbare Tradition farbiger Legierungen gepflegt wird. Und er hat in Karel Zeman einen Sammler, der ihn im großen Stil unterstützt, seine Schmuckstücke, Skulpturen, Schalen oder Vasen abnimmt – und nach Berlin auch München aus seiner Wunderkammer in Fürth versorgt.

© Roy Hessing
von Roy Hessing
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Herodot, Plinius oder Plutarch gerieten ins Schwärmen
So stehen sich im neu geschaffenen Kabinett in den Tiefen der Ägyptischen Museums nun Antiken aus Berlin und München und Lehrs relativ neue Schätze gegenüber. Man muss sich ein bisschen einsehen, um die Unterschiede zu erkennen, vor allem aber verblüfft, wie modern die Kombination aus Schwarz und Gold oder Silber wirkt. Egal ob Ringe oder schlichte Gefäße, die geschmackvolle Präsentation tut ein Übriges.
Ein neues Krokodil ist selbstredend auch dabei. Mit komplettem Schwanz, das um 1850 vor Christus entstandene Kult- und Vorbild aus der sumpfigen Oase des nordägyptischen Fayum hat nur mehr einen halben. Und für eine solche Heilung reicht die Magie des Materials dann doch nicht aus.
„Corinthium Aes. Das Geheimnis des schwarzen Kupfers“ bis 14. September Di bis So 10 bis 18, Di bis 20 Uhr, Katalog 15 Euro
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