Schulterschmerzen: Ursachen und Behandlung | ndr.de

Stand: 31.03.2026 22:12 Uhr
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Schulterschmerzen können durch Entzündungen, Verschleiß oder Verletzungen ausgelöst werden. Die Ursache entscheidet über die richtige Behandlung. Übungen, Medikamente oder eine OP können helfen.

von Dagmar Lüdke-Bonnet

Schulterschmerzen gehören zu den häufigsten Gelenkbeschwerden – in Deutschland ist etwa jeder zehnte Mensch betroffen. Chronische Schmerzen bis hin zu einer steifen Schulter (Frozen Shoulder) können die Folge von Entzündungen, Verschleiß oder Verletzungen sein. Es gilt, die Ursache herauszufinden, um die Schulterschmerzen gezielt behandeln zu können. Schulterschmerzen können beim Arm heben, einseitig rechts oder links, im Schulterblatt und bis in den Oberarm auftreten. Bei einigen Erkrankungen kann die Schulter auch im Ruhezustand und sogar nachts schmerzen.

Dr. Milad Farkhondeh Fal im Studiogespräch.

Wenn Schulterschmerzen trotz Therapie bleiben, kann eine Prothese neue Beweglichkeit bringen. Für wen eignet sich eine Prothese?

Erkrankungen der Schulter mit Schmerzen

Lage und Art der Schmerzen sowie das Ausmaß der noch möglichen Bewegungen der Schulter helfen Ärzten, verschiedene Ursachen zu unterscheiden:

  • Frozen Shoulder: Ein steifes Schultergelenk (Frozen Shoulder) macht sich durch immer stärker werdende Schmerzen bemerkbar, die durch eine Entzündung der Gelenkkapsel (Kapsulitis) mit äußerst schmerzhaften Verklebungen im Gewebe ausgelöst werden. Die Erkrankung verläuft in drei typischen Phasen: Nach einer sehr schmerzhaften Entzündungsphase folgt die Einfrierphase mit der Einsteifung des Gelenks. In der Auftauphase sorgen die Selbstheilungskräfte des Körpers wieder für Beweglichkeit.
  • Impingement-Syndrom: Eine häufige Ursache für Schulterschmerzen ist eine verengte Schulter. Beim sogenannten Impingement-Syndrom ist der Spalt zwischen Oberarmkopf und Schulterdach zu eng. Dadurch drückt der Knochen beim seitlichen Heben des Arms auf den Schleimbeutel oder die dort verlaufende Sehne, der Körper reagiert mit einer schmerzhaften Entzündung.
  • Arthrose: Knorpelverschleiß zeigt sich vor allem im Schultereckgelenk, aber auch im Schultergelenk. Eine Operation ist in vielen Fällen nicht notwendig. Konservative Behandlungen mit zum Beispiel Medikamenten und Physiotherapie können Beschwerden ausreichend lindern und das Fortschreiten der Arthrose bremsen.
  • Kalkschulter: Bei einer Kalkschulter sind im Röntgenbild typische Kalkablagerungen zu erkennen. Diese drücken im Bereich der Sehnen auf den Knochen und lösen eine extrem schmerzhafte Entzündung aus. In der Entzündungsphase löst der Körper die Kalkablagerungen wieder auf.
  • Schulterlaxation: Auch eine „lockere“ Schulter kann Schulterschmerzen verursachen. Bei Betroffenen sitzen die Bänder und die Kapsel relativ locker in der Schulter. Dadurch hat das Gelenk viel Platz und die Schulter kann sich in alle Richtungen bewegen. Doch Ungleichgewichte der Muskulatur, zum Beispiel durch übertriebenes Krafttraining, wirken sich bei einer lockeren Schulter besonders stark aus: Die trainierten Muskeln können das Schulterdach nach vorn ziehen, sodass eine Engstelle und eine Entzündung entstehen.
  • Risse in der Rotatorenmanschette: Schmerzen bei Drehbewegungen und Belastung sind typisch für Probleme mit der Rotatorenmanschette. Viele Betroffene können nicht auf der verletzten Schulter schlafen und den Arm nicht mehr über die Schulter heben. Die Ursache sind meist Risse der Rotatorenmanschette, also einer Schultersehne oder sogar mehrerer Sehnen. Diese müssen schnell behandelt werden, damit der Körper die Muskulatur nicht in Fettgewebe umwandelt und das Gelenk versteift. Risse der Rotatorenmanschette sind oft erst im Ultraschall oder bei einer Kernspinuntersuchung zu erkennen.

Ursachen für Schulterschmerzen

In der Schulter arbeiten viele Muskeln, Bänder, Sehnen, Knochen und Schleimbeutel auf engstem Raum zusammen, daher sind die Ursachen für Schulterbeschwerden vielfältig. Zudem besteht die Schulter aus einem Hauptgelenk und vier weiteren kleinen Gelenken, die durch Sehnen und Muskeln geführt sind.

Alles ist fein abgestimmt, aber auch sehr störanfällig: Entzündungen, Verschleiß und Verletzungen können das Zusammenspiel stören und Schulterschmerzen verursachen. Und wenn die Muskeln im Alter an Kraft verlieren, kann der Oberarmkopf aus der Spur geraten und Schmerzen verursachen, da der freie Raum in der Schulter eingeengt und die Schulter systematisch überlastet wird. Je älter ein Mensch wird, desto mehr verlieren die hinteren Muskeln an Kraft und desto mehr verändert sich seine Haltung. Die Schulter rutscht nach vorn, die Betroffenen werden krummer – wenn sie nicht dagegen antrainieren.

Entzündung in der Schulter

Bei Schulterbeschwerden muss genau unterschieden werden, ob eine Entzündung vorliegt, zum Beispiel eine Kapsulitis oder Schleimbeutelentzündung, oder ob ein mechanisches Problem die Schmerzen verursacht. Diese Probleme können beispielsweise durch Sehnenrisse, eine Störung der Gelenkgeometrie, Muskelverkürzung oder einen schlechten Fitnesszustand und zu wenig Training auftreten.

Hausmittel gegen Schulterschmerzen

Wenn die Schulter schmerzt, können die folgenden Hausmittel hilfreich sein. Tritt keine Besserung ein, muss unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.

  • Wärmeanwendungen: Wärme ist eines der ältesten und wirksamsten Hausmittel gegen Schulterschmerzen. Sie verbessert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur. Dazu eignen sich Wärmflaschen, Kirschkernkissen oder ein warmes Vollbad mit ätherischen Ölen.
  • Kältetherapie: Bei akuten Schmerzen oder Schwellungen kann Kälte helfen, Entzündungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern. Eiswickel oder Coolpack jedoch nicht direkt auf die Haut geben, sondern ein dünnes Tuch dazwischen legen.
  • Quarkwickel: Quark kann bei Schulterschmerzen durch seine kühlende Wirkung hilfreich sein. Dazu Quark in ein Tuch geben und auf die schmerzende Stelle legen.
  • Kohlwickel: Kohlblätter, insbesondere Wirsing, können ebenfalls schmerzlindernd wirken. Die Blätter um die Schulter wickeln und einige Zeit einwirken lassen.
  • Arnika: Das Heilkraut kann bei Beschwerden helfen. Arnika-Salbe auf schmerzende Schulter auftragen – oder ein Bad mit Arnika-Extrakt nehmen.
  • Ergonomische Bedingungen: Auf eine ergonomische Sitz- und Schlafposition achten, um Verspannungen zu vermeiden. Eine falsche Matratze oder ein zu hohes Kopfkissen können zu Schulterschmerzen führen.

Was man selbst tun kann: Übungen bei Schulterschmerzen

Sanfte Bewegungsübungen wie Schulterkreisen oder Dehnungen können helfen, die Muskulatur zu lockern und die Beweglichkeit zu verbessern. Bei entzündlichen oder verletzungsbedingten Schulterbeschwerden ist jedoch zunächst meist Schonung angesagt. Im Verlauf ist dann Physiotherapie ein entscheidender Baustein der Behandlung. In den meisten Fällen lassen sich Schulterschmerzen durch eine konservative Therapie gut in den Griff bekommen, nur in seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich. Übungen, die das Gelenk mobilisieren und das Kräftegleichgewicht rund um die Schulter in Balance bringen, können Schulterschmerzen entgegenwirken. Die folgenden Übungen lassen sich nach ärztlicher Absprache zu Hause durchführen:

  • Arme hängen lassen, Schulterblätter gleichzeitig nach hinten und unten ziehen, in dieser Position zehn Sekunden aushalten. Zehn Mal wiederholen.
  • Ein elastisches Band, zum Beispiel ein Theraband, um eine Türklinke legen. Jedes Bandende mit einer Hand festhalten, die Arme hängen herunter. Die Bandenden langsam neben dem Körper nach hinten ziehen und dabei die Schultern mitbewegen, bis eine Spannung in den Armen spürbar ist. Mindestens drei Mal wiederholen.

Behandlung von akuten Schulterschmerzen

Beim ersten Auftreten von Schulterschmerzen kann es hilfreich sein, das Gelenk zu kühlen. Der fachärztliche Rat (Orthopädie) lautet, die Schulter für zehn bis 14 Tage zu schonen und bei Bedarf schmerzstillende und entzündungshemmende Tabletten (Ibuprofen, Diclofenac) einzunehmen. Halten die Schmerzen an, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden, um die genaue Ursache zu ermitteln und eine gezielte Behandlung einzuleiten.

Diagnose von Schulterschmerzen

Um die Ursache von Schulterschmerzen zu erkennen, sind körperliche Untersuchungen mit einfachen Bewegungstests und gegebenenfalls ein Ultraschall meistens sehr viel aussagekräftiger als ein MRT (Magnetresonanztomografie). Bei der körperlichen Untersuchung werden die Arme seitlich angehoben und abgesenkt, die Ellbogen in verschiedenen Positionen nach innen oder außen gedreht. Zusätzlich wird die Schulter abgetastet, um die Schmerzen zu orten. Im MRT hingegen sind ab einem bestimmten Alter bei allen Menschen degenerative Veränderungen zu sehen, die oft aber nicht die Schmerzursache sind.

Schulterschmerzen: Wann eine OP wirklich notwendig ist

Wichtige Warnsignale, bei denen über eine OP nachgedacht werden sollte, sind anhaltend starke Schmerzen über Wochen bis Monate trotz konsequenter Therapie, ein deutlicher Verlust von Beweglichkeit oder Kraft sowie eine akute Verletzung mit sofortigem Funktionsverlust.

in typischer Grund für eine Schulter-OP sind Risse der Rotatorenmanschette. Nicht jede Rotatorenmanschettenruptur muss operiert werden. Vor allem jedoch größere oder komplette Risse können dazu führen, dass Betroffene den Arm kaum noch seitlich anheben können oder deutlich an Kraft verlieren. Besonders bei jüngeren und aktiven Patientinnen und Patienten raten Fachleute in solchen Fällen häufig zu einer OP, wenn Physiotherapie, Schmerzmittel und gegebenenfalls Spritzen über mehrere Wochen keine Besserung bringen.

Auch ein ausgeprägtes Impingement-Syndrom kann eine Operation erfordern. Zuvor wird allerdings meist über Monate hinweg konservativ behandelt: mit Physiotherapie, schmerzlindernden Medikamenten und gegebenenfalls Injektionen. Erst wenn Schmerzen und Bewegungseinschränkungen trotz dieser Therapien bestehen bleiben, wird eine Operation in Betracht gezogen.

Wiederkehrende Schulterluxationen, also ein „Rausspringen“ des Gelenks, sind ein weiterer möglicher OP-Grund. Sind stabilisierende Strukturen wie Gelenklippe oder Bänder geschädigt und lässt sich die Schulter durch gezieltes Training nicht ausreichend stabilisieren, kann ein arthroskopischer Eingriff helfen, das erneute Ausrenken zu verhindern.

Bei fortgeschrittener Arthrose oder komplizierten Brüchen der Schulter kann manchmal sogar ein Gelenkersatz oder eine rekonstruktive Operation erforderlich sein.

Dennoch gilt: In vielen Fällen bessern sich Schulterschmerzen unter einer gut geplanten konservativen Behandlung mit Physiotherapie, gezielten Übungen und Schmerztherapie deutlich – eine Operation ist dann gar nicht nötig. Erst wenn der Leidensdruck im Alltag trotz dieser Maßnahmen sehr hoch ist, kann an eine Prothese gedacht werden.

3D-Druck in der Schulter‑OP: Maßarbeit für das Gelenk

Sollte eine OP notwendig sein, könnte eventuell ein 3D-Drucker eine Rolle spielen, denn dieses Verfahren hält in der Schulterchirurgie zunehmend Einzug. Zunächst entstehen dazu wie gewohnt detaillierte CT-Aufnahmen der Schulter. Anschließend erstellt ein Computerprogramm aus den Daten ein dreidimensionales Modell des Gelenks. Auf dieser Grundlage kann das Operationsteam den Eingriff virtuell planen, Implantatgröße und -position festlegen und bei Bedarf ein Kunststoffmodell oder passgenaue Schablonen im 3D-Druck herstellen.

Im OP bietet der 3D-Druck mehrere Möglichkeiten: Ein gedrucktes Schultermodell dient als „Bauplan zum Anfassen“ und macht Verformungen oder Defekte anschaulich. Individuell angepasste Schablonen und Instrumente helfen, Schrauben und Prothesen exakt in der zuvor geplanten Position zu platzieren.

In besonderen Fällen werden sogar maßgeschneiderte Prothesen aus dem 3D-Drucker eingesetzt, wenn Standardgrößen nicht ausreichen. Die Vorteile: Da wichtige Schritte bereits vorab simuliert wurden, kann sich die Operationszeit verkürzen. Präzise Schnitt- und Bohrführung kann Blutverlust und das Risiko für Fehlpositionen verringern – und eine genauer ausgerichtete Prothese kann langfristig zu mehr Stabilität und besserer Beweglichkeit führen.

Doch es gibt auch Grenzen: Weichteile wie Muskeln, Sehnen und Bänder werden im Modell nur vereinfacht dargestellt, hier bleibt die Erfahrung des OP-Teams entscheidend. Aufgrund des zeitlichen Aufwands in der Vorbereitung und den zusätzlichen Kosten kommt der 3D-Druck derzeit vor allem bei komplexen Fällen zum Einsatz, wie bei stark zerstörten Gelenken oder nach mehreren Vor- oder Wechseloperationen.

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