Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der „Süddeutschen Zeitung“, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.
Liebe Leserin, lieber Leser,
wissen Sie, wie das Präteritum in der 1. Person Plural von backen lautet? Keine Angst, das wird jetzt hier kein Klugscheißertext. Ich weiß das auch nur, weil ich mit meinem Viertklässlersohn für seine letzte Deutsch-Probe gelernt habe. Falls Sie auch ein Schulkind in der vierten Klasse haben sollten, kennen sie die Lösung bestimmt: Wir buken ein Brot.
Leider backen wir im Moment nicht allzu viel zu Hause. Mein Sohn bekommt in ein paar Wochen das Übertrittszeugnis, das über seine weitere Schullaufbahn entscheidet. Unsere Familienaktivitäten beschränken sich daher gerade auf das Bilden des Präteritums und den Aggregatzuständen von Wasser.
Der Übertritt in die weiterführende Schule ist in jedem Bundesland ein bisschen anders geregelt. In Berlin und Brandenburg dauert die Grundschulzeit beispielsweise sechs Jahre. In Niedersachsen entscheiden die Eltern, welche weiterführende Schule ihr Kind besucht. Die Schulnoten sind lediglich eine Empfehlung.
In Bayern jedenfalls zählen ausschließlich die Noten in den drei Hauptfächern. Jede Woche wird mindestens eine Probe geschrieben. Da bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Meine Kollegin Lillian Ikulumet, alleinerziehende Mutter, die in Uganda aufgewachsen ist, erzählt in diesem wirklich lesenswerten Text, wie es sich für sie anfühlt, plötzlich auch Grundschülerin zu sein (SZ Plus), weil sie mit ihrer Tochter Hausaufgaben machen muss. Sie ist überrascht, dass das in Deutschland von Eltern erwartet wird.
Ist das gerecht? Was ist mit den Kindern, die keine Eltern haben, die mit ihnen lernen? Müsste man nicht eigentlich die Hausaufgaben abschaffen, um allen Kindern die gleichen Chancen in ihren Prüfungen einzuräumen?
Keine Hausaufgaben und keine Lernerei zu Hause täte jedenfalls dem Familienfrieden gut. Meinen Sohn davon zu überzeugen, jetzt doch noch das schriftliche Multiplizieren zu üben, endet neuerdings immer mal wieder in Tränen, weil er sich vor der nächsten Probe fürchtet. Derzeit sind also nicht nur unsere Fähigkeiten als nebenberufliche Grundschullehrer, sondern auch als Therapeuten gefragt. Wenn auch Ihr Kind unter dem Druck in der Schule oder gar Prüfungsangst leidet, dann lege ich Ihnen den Text meiner Kollegin Nathalie Klüver ans Herz (SZ Plus), die erklärt, wie Eltern ihre Kinder unterstützen können.
Entspannung ist erst wieder ab dem 4. Mai zu erwarten, wenn in Bayern die Übertrittszeugnisse verteilt werden. Wie motivieren Sie bis dahin Ihren Viertklässler zum Lernen? Und welche Unterstützung wünschen Sie sich von den Lehrern? Ihre Erfahrung interessiert mich sehr, schreiben Sie mir gern!
Ein schönes Wochenende wünscht
Kerstin Lottritz
