

In die Geschäftswelt wachsen Konsumenten nie ganz unbescholten hinein. Obwohl sie auf dieses Kriterium keinen Einfluss haben, erleben jüngere Verbraucher Nachteile, denen sie sich manchmal schwer entziehen können. Junge Autofahrer zahlen höhere Prämien an Kfz-Versicherer, weil ihre Altersgruppe in den ersten Jahren auf der Straße risikoreicher unterwegs ist.
Es ist auch längst nicht klar, ob ihnen Tradingplattformen einen Zugang zu komplexeren Finanzprodukten wie Derivaten gewähren. Und die bekanntesten Beispiele: Für Kredite, Handyverträge und im Internethandel können sich Unternehmen Informationen über Auskunfteien einholen, die sie aus Verhaltenskriterien ableiten.
Der neue Schufa-Score ist ein wesentlicher Einschnitt
Das Kuriose an deren Bonitätsbewertungen ist, dass die Verbraucher mit dem Datensammler selbst gar keine aktive Geschäftsbeziehung eingegangen sind. Der eigentliche Geschäftspartner, also eine Bank, ein Telekommunikationsanbieter oder ein Onlinehändler, prüft die Kreditwürdigkeit des möglichen Kunden anhand der Bewertung der Auskunftei.
Somit haben diese einen erheblichen Einfluss darauf, welche Geschäfte Verbraucher tätigen können. Dass die größte Auskunftei im Privatkundengeschäft nun ihren Score verändert und ihre Berechnung nachvollziehbarer macht, ist insofern ein wesentlicher Einschnitt.
Die Schufa ist zu einem Synonym geworden für eine Institution, von vielen fälschlicherweise der öffentlichen Hand zugeordnet, die mit ihrer Macht Kreditabschlüsse verhindern kann. An dieser Rolle wird sich so viel künftig nicht ändern – und es ist Banken und Händlern auch nicht zu verübeln, dass sie aus der Zahlungshistorie ihrer neuen Kunden Schlüsse auf das künftige Verhalten ziehen.
Ohne Bonitätsprüfungen kommen keine Geschäfte zustande
Denn sie stehen in der Pflicht gegenüber ihren Eigentümern, so wenig Zahlungs- und Kreditausfälle wie möglich zu erzeugen. Der Schritt zu mehr Transparenz ist also zu begrüßen, aber er erfolgt keineswegs aus Philanthropie (was auch gar nicht nötig ist): Offen mit Daten umzugehen, die andere Menschen betreffen, ist zu einem immer deutlicheren Gebot geworden.
Auch unter Auskunfteien ist dieser Trend zu beobachten. Es wird somit sichtbarer, welches Verhalten den Kreditscore negativ beeinflusst. Was die Auskunftei aber nicht ändern kann, ist eine Sanktionierung von schlechtem Zahlungsverhalten, das den Bonitätswert nach unten zieht. Hier misst ein Score immer noch genau das, was er messen soll: ob sich ein Finanzdienstleister oder Digitalhändler auf Geschäfte mit einem Kunden einlassen kann oder nicht.
Denn wo Konsumenten in jungen Jahren noch für das Verhalten der eigenen Alterskohorte in Sippenhaft genommen werden, verantwortet im höheren Alter nur noch der Verbraucher selbst die Klassifizierung bei der Schufa und vergleichbaren Unternehmen.
