Schokoladenpreise in Deutschland: Osterhasen teurer trotz sinkender Rohstoffkosten – Wirtschaft

Verbraucher stehen in diesen Tagen im Supermarkt vor einem Rätsel. Schokolade ist zuletzt teilweise wieder etwas günstiger geworden, die Preise für Osterhasen sind allerdings kräftig gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Vergleichsapp Smhaggle für die Deutsche Presse-Agentur. Verglichen wurden Produkte der großen Marken Lindt, Milka, Kinder und Ferrero. Sonderangebote und Eigenmarken wurden nicht berücksichtigt. Eigenmarken sind aber teils um die Hälfte günstiger als Markenprodukte, sagt Carsten Kortum, Handelsexperte der dualen Hochschule in Heilbronn.

Das Ergebnis der Studie von Smhaggle: Die Preise sind je nach Größe und Marke 7 bis 29 Prozent höher als vor einem Jahr. Auch der wohl bekannteste Schokohase der Nation von Lindt kostet mehr. Die 100-Gramm-Version legt im Vergleich mit März 2025 um 70 Cent (plus 16 Prozent) zu, die mit 50 Gramm um 50 Cent (plus 18 Prozent). Für ein Kilo Schokolade sind beim sogenannten Goldhasen hochgerechnet nun bis zu 65 Euro fällig.

Gestiegen sind auch die Preise bei Milka. Der 90 Gramm schwere Schmunzelhase kostet 60 Cent mehr als im Vorjahresmonat (plus 22 Prozent), der mit 45 Gramm 20 Cent (plus 12 Prozent). Die Produkte der bekannten Markenhersteller waren bereits im vergangenen Jahr teurer geworden. Im Vergleich zu 2024 liegen die Preise heute bis zu 44 Prozent höher.

Warum steigen die Preise?

Die Rohkakaopreise an den Börsen sind zuletzt wieder deutlich gesunken, weil in Westafrika mehr Kakao geerntet wurde. Der von der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO) ermittelte Tagespreis lag in der vierten Märzwoche bei etwa 2800 Euro pro Tonne – also etwa auf Vorkrisenniveau von 2023. Experten begründen dies auch mit der schwachen Nachfrage und rechnen sogar mit einem Überangebot. Supermärkte und Discounter haben kürzlich die Preise zahlreicher Eigenmarkenprodukte reduziert. Warum wurden die Schoko-Osterhasen trotzdem teurer?

Hersteller Lindt & Sprüngli teilt auf Nachfrage mit, dass Kakao langfristig eingekauft werde, um eine uneingeschränkte Verfügbarkeit zu gewährleisten. „Daher wird es einige Zeit dauern, bis wir die Auswirkungen niedrigerer Kakaopreise spüren werden.“ Zudem weist das Unternehmen darauf hin, dass andere Kosten, etwa für Rohstoffe wie Nüsse und Verpackungen, weiterhin hoch seien. Um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, seien „sorgfältig abgestimmte, marktspezifische Preiserhöhungen“ nötig.

Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie wirken sich Rohpreisentwicklungen oft erst nach mehreren Monaten im Handel aus. Trotz sinkender Preise an der Börse zahlten viele Unternehmen „weiterhin die höheren Preise, die im Laufe des Jahres 2025 vereinbart wurden“. Eine Anfrage an Milka-Hersteller Mondelez blieb unbeantwortet.

Tafel 70 Prozent teurer als 2020

In den vergangenen Jahren hat sich Schokolade stark verteuert. Wegen befürchteter Ernteausfälle in Westafrika durch Pflanzenkrankheiten und Extremwetter stieg der ICCO-Tagespreis 2024 zeitweise auf deutlich mehr als 10 000 Euro pro Tonne. Hersteller und Händler gaben die gestiegenen Rohstoffkosten an Kunden weiter. Laut Statistischem Bundesamt war eine Tafel Schokolade im Januar 70 Prozent teurer als 2020, Riegel und andere Schokoladenerzeugnisse 75 Prozent.

Die höheren Preise schrecken Verbraucher ab, sie griffen zuletzt seltener zu Schokolade. Laut einer Yougov-Umfrage isst jeder Zweite deutlich oder etwas weniger als vor zwei Jahren, 39 Prozent etwa gleich viel, nur fünf Prozent mehr.

Die Hersteller spüren die Kaufzurückhaltung. Ritter Sport schrieb 2025 trotz Umsatzwachstums rote Zahlen. Auch Lindt & Sprüngli steigerte seine Erlöse dank höherer Preise und verkaufte weniger Schokolade. Dennoch machte das Unternehmen mehr Gewinn als im Vorjahr.

Laut dem Marktforscher NIQ sank die Zahl der verkauften Packungen bei Schokoladenwaren 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent, bei Weihnachtsschokolade hingegen um zwölf Prozent. Knapp drei Viertel der Ware wurden im Sonderangebot gekauft – erheblich mehr als im Vorjahr. Handelsexperte Kortum rät im Bayerischen Rundfunk dazu, genau das zu tun: zu Angeboten zu greifen oder zu Eigenmarken.

Im Frühjahr 2025 reagierten Verbraucher ebenfalls spürbar auf die Preissteigerungen. Im Ostergeschäft brach der Absatz bei saisonalen Schokoladenprodukten laut NIQ im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent ein. Auch in diesen Tagen dürften Verbraucher wieder bevorzugt zugreifen, wenn die Produkte im Sonderangebot sind. In der Aktion gibt es den 100-Gramm-Hasen von Lindt derzeit teilweise schon für 2,22 Euro (statt 4,99 Euro), den 45-Gramm-Hasen von Milka für 1,11 Euro (statt 1,89 Euro). Kortum sagt, die Marge werde vorübergehend geopfert, um Kunden in den Laden zu ziehen – in der Hoffnung, dass sie dort weitere Produkte kaufen. Er erwartet, dass die Preise nach Ostern weiter zurückgehen werden.

Viele bekannte Hersteller hätten in den vergangenen Jahren bei Schokolade, Kaffee oder Kosmetik überproportional die Preise erhöht. Lindt-Schokolade sei inzwischen teurer als hochwertiges Frischfleisch, sagt der Handelsexperte. Es werde spannend, wie lange Verbraucher die Preiserhöhungen noch mitmachten.