Als Prime Video vor wenigen Wochen ein neues „Pumuckl“-Format angekündigt hat, war das eine große Überraschung. Eigentlich ist der Kobold mit den roten Haaren seit seinem Comeback vor allem bei RTL beheimatet, „Neue Geschichten vom Pumuckl“ war für den Sender ein großer Erfolg. In weiterer Folge entstand ein Kinofilm, bei RTL lief zuletzt mit mäßigem Erfolg auch eine „Pumuckl“-Show. Und nun soll ein Verstecktes-Kamera-Format mit Pumuckl bei Prime Video gezeigt werden?
Es war nicht die einzige Ungereimtheit, die sich aus der Kommunikation von Prime Video ergab. Die Rede war davon, dass der Kobold in dem neuen Format echte Menschen mit versteckter Kamera reinlegen soll. Die Frage, die sich auch der Autor dieses Textes damals schon stellte: Wie will man den Zuschauerinnen und Zuschauern das bitteschön sinnvoll und authentisch verkaufen? Denn, es gibt ja ein doch mittelgroßes Problem an der ganzen Sache: Pumuckl gibt es gar nicht wirklich, er wird erst später in die Filmszenen eingebaut.
„Schnick Schnack – Pumuckl treibt Schabernack“, so der Titel des neuen Formats bei Prime Video, ist dann sogar noch schlimmer, als man das befürchten musste. Die ganze Sendung versprüht null Charme. Der Neuauflage der Serie bei RTL gelang das noch deutlich besser, produziert wurden diese Folgen von der NeueSuper. Das Versteckte-Kamera-Format kommt jetzt von Constantin Entertainment – und es ist so unauthentisch wie eine Folge von „Promi Undercover Boss“ mit Detlef D! Soost.
Pumuckl „klaut“ also einen Rasenmäher und schleudert damit vermeintlich ahnungslosen Passantinnen und Passanten Gras ins Gesicht. In einer anderen Szene wird ein großes Loch mit Wasser so verdeckt, dass die Menschen es nicht erkennen und schließlich hereinfallen – in einem Fall sogar ein Fahrradfahrer. Später sorgt Pumuckl noch für Chaos an einer Waschanlage, indem er die Autos so lange einschäumt, bis man die Fahrzeuge gar nicht mehr sehen kann. Pumuckl manipuliert außerdem Ketchup-Spender, lässt Golfbälle explodieren und lässt die Spielzeuge in einem Spielwarengeschäft scheinbar ihr Eigenleben entwickeln.
Keine authentischen Reaktionen
Dass Problem an der ganzen Sache ist nicht, dass man die ganze Zeit suggeriert, dass tatsächlich Pumuckl diese Streiche spielt – sondern die Reaktion der vermeintlich reingelegten Personen. Sie lachen schon bevor etwas passiert und reagieren auch sonst meist nicht so, wie man das erwarten würde von Personen, die tatsächlich unbedarft in eine solche Situation stolpern. Nur selten herrscht echte Ratlosigkeit und Verwirrung.
Das legt den Schluss nahe, dass die reingelegten Menschen gezielt gecastet wurden oder es sich um Schauspielerinnen und Schauspieler handelt. Von DWDL.de zu den genauen Umstände der Sendung angesprochen, teilt die zuständige PR-Agentur mit, dass die vermeintlichen Opfer verdeckt gecastet worden seien. Die Männer und Frauen dachten also, sie würden sich für eine Talkshow, eine Reality oder ein anderes Format bewerben. Von den „Streichen“ sollen sie nichts gewusst haben – ebenso wenig von der Tatsache, dass sie in den jeweiligen Situationen gefilmt wurden.
Durch das verdeckte Casting habe man unter anderem mögliche Gesundheitsrisiken bei den späteren Opfern der Streiche feststellen wollen. Es ist eine mäßige Erklärung. Wie gesagt: Viele Reaktionen auf die Streiche sind nicht authentisch und es wirkt oft auch so, als seien die Kameras gar nicht so versteckt, wie Prime Video und Constantin Entertainment das behaupten. Und wenn die Reingelegten wirklich nichts davon wussten, kann man nur hoffen, dass der Mann, der mit seinem Fahrrad kopfüber in das Loch mit Wasser gestürzt ist, sich nicht ernsthaft verletzt hat. Einen Helm hat er nicht getragen.
„Können wir jetzt Woozle Goozle schauen?“
Vielleicht habe ich das Format aber auch einfach nur falsch verstanden und es richtet sich primär an Kinder? Dort würden etwas andere Maßstäbe gelten. Der Autor dieses Textes hat also den Versuch gemacht und die ersten zwei Folgen nochmal mit seinem vierjährigen Sohn geschaut. In Summe gab es dabei zwei Schmunzler und beim Pumuckl-Satz „Du wackelst wie ein alter Zahn“ einen kleinen Lacher. Am Ende der ersten Folge hatte der Vierjährige aber vor allem eine Frage: „Können wir jetzt Woozle Goozle schauen?“
Tatsächlich wäre das Format von Super RTL / Toggo eine sinnvollere Freizeitbeschäftigung gewesen, gleiches gilt für „Neue Geschichten vom Pumuckl“ und so ziemlich jedes andere Format im Kinderfernsehen. „Schnick Schnack – Pumuckl treibt Schabernack“ ist leider völlig undurchdacht. Es scheint, als seien die Macherinnen und Macher sowie die Rechteinhaber ein wenig zu besoffen vom Erfolg von Serie und Kinofilm gewesen – und wollten die Marke jetzt noch ein bisschen weiter ausschlachten. Dass das auch nach hinten losgehen kann, beweist das Format geradezu eindrucksvoll.
„Schnick Schnack – Pumuckl treibt Schabernack“ ist ab dem 1. April bei Prime Video zu sehen.

