Ob sie es je getragen hat, wird sich niemals klären lassen. Allerdings geht das Britische Museum in London davon aus, dass es vor mehr als 500 Jahren anlässlich der Verlobung der erst zwei Jahre alten Tochter Heinrichs VIII. mit dem nur wenige Wochen alten französischen Thronfolger Franz angefertigt wurde. Der Dauphin von Frankreich starb unverheiratet mit 18 Jahren, Heinrichs Tochter Maria bestieg vor Elisabeth I. den Thron und ging als „Bloody Mary“ in die Geschichte ein.
Das Tudorherz, benannt nach der Familie Heinrichs VIII., verweist aber weniger auf die Tochter als die Eltern. Es trägt ihre Initiale H und K – für Katharina von Aragon. Die beiden waren 24 Jahre verheiratet, er verstieß sie, weil sie ihm keinen männlichen Thronfolger schenkte. Das war lange nachdem ein Goldschmied wohl 1518 den Anhänger samt Kette für den Monarchen angefertigt hatte, auf ihm steht noch „tousiors“, das altfranzösische Wort für „immer“.
Der Granatapfel als Symbol für Fruchtbarkeit
Das Herz besteht aus fast reinem Gold und zeigt emailliert die weiß-rote Tudorrose, um die sich ein Granatapfelstrauch rankt. Der Granatapfel war das Emblem von Katharina, es symbolisiert Fruchtbarkeit und ihre spanische Heimat. Die Kette mit ihren 75 Gliedern besteht genauso aus Gold wie der Anhängerverschluss in Form einer Faust, die aus einer Wolke hervortritt.

Das Schmuckstück ist nahezu einzigartig, Juwelen aus der frühen Tudorzeit sind kaum erhalten. Besonders macht es auch, dass es erst im Dezember 2019 durch Zufall auf einem Feld in Warwickshire etwa 150 Kilometer nördlich von London gefunden wurde, mithilfe eines Metalldetektors. Um zu verhindern, dass das Herz versteigert wird und in einer privaten Sammlung verschwindet, hatte das Britische Museum Mitte Oktober zu einer Spendenaktion aufgerufen. Bis Ende April sollten 3,5 Millionen Pfund (rund vier Millionen Euro) zusammenkommen.
Das Ziel wurde viel früher erreicht: Neben einigen Großspendern beteiligten sich mehr als 45.000 Personen an der Aktion und trugen 380.000 Pfund zum Gesamtergebnis bei. Ihnen und auch dem größten Spender, dem nationalen Kulturerbefonds, der 1,75 Millionen Pfund dazu gab, dankte Museumsdirektor Nicholas Cullinan nun: „Der Erfolg der Kampagne zeigt die Kraft der Geschichte, die Phantasie zu beflügeln, und warum Objekte wie das Tudorherz in einem Museum stehen sollten.“
