Schifffahrt: Hapag-Lloyd expandiert in den USA

Hanseatic Global Terminals, das Tochterunternehmen der größten deutschen Reederei, übernimmt den Florida International Terminal komplett. Weltweit soll das Terminal-Netzwerk von Hapag-Lloyd weiter deutlich wachsen.

Hanseatic Global Terminals (HGT) übernimmt den Florida International Terminal komplett, an dem das Unternehmen bereits beteiligt war, teilte HGT am Freitag mit. HGT mit Sitz in Rotterdam ist das Tochterunternehmen, in dem Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd ihre internationalen Beteiligungen an Terminals bündelt.

Derzeit hält HGT 21 Beteiligungen an Container-Hafenterminals, bis zum Jahr 2030 strebt Hapag-Lloyd mit HGT insgesamt mindestens 30 Beteiligungen an. Auch seine strategischen Kooperationen mit Hafenterminals baut Hapag-Lloyd über HGT aus.

Im vergangenen Jahr hatte HGT die Mehrheit an einem Hafenterminal im französischen Le Havre übernommen und Ende Dezember zudem den Aufbau eines neuen Containerterminals bis zum Jahr 2028 in Brasilien vereinbart. An dem Terminal Aracruz im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo hält HGT 50 Prozent. In Deutschland hält HGT einen Anteil von 25,1 Prozent am HHLA-Containerterminal Altenwerder in Hamburg und von 30 Prozent am JadeWeserPort in Wilhelmshaven.

Am Florida International Terminal (FIT) im Hafen von Port Everglades in Südflorida war Hapag-Lloyd bereits seit 2023 durch die Übernahme des chilenischen Terminalbetreibers SAAM beteiligt. „FIT ist strategisch gelegen und bedient eine der größten Verbrauchermärkte weltweit“, teilte HGT mit. „Das Terminal ist auf die Abfertigung von Containern und Stückgut spezialisiert und bietet direkte Anbindung an wichtige Autobahnen und Eisenbahnnetze, was einen effizienten Land- und Intermodaltransport sowie den Zugang zum Hinterland der Region gewährleistet.“

Für die führenden Linienreedereien hat der Auf- und Ausbau eigener Netzwerke von Hafenterminals eine hohe strategische Bedeutung. Die Transportkette lässt sich unter Einbeziehung eigener Anlagen besser kontrollieren und steuern.

Hapag-Lloyd mit Sitz in Hamburg hatte im Februar 2025 die Allianz Gemini Cooperation gemeinsam mit der dänischen Reederei Maersk gestartet. Gemini weist nach Angaben beider Reedereien mittlerweile die höchste Pünktlichkeit im Vergleich der interkontinentalen Liniendienste auf. Hapag-Lloyd ist die weltweit fünftgrößte Container-Linienreederei, Maersk die zweitgrößte.

Kernstück der Gemini-Allianz ist neben der Koordination von mehr als 300 gemeinsam eingesetzten Schiffen vor allem die Einbeziehung möglichst vieler Hafenterminals, an denen eine der beiden Reedereien beteiligt ist. Das gilt an der Nordsee neben der Präsenz von HGT am JadeWeserPort unter anderem auch für die Terminals auf der Maasvlakte in Rotterdam und in Bremerhaven, die Maersk ganz oder teilweise gehören.

Wachsende strategische Bedeutung haben Hafenterminals – die zur kritischen Infrastruktur zählen – für die Reedereien aber auch wegen der zunehmenden politischen Spannungen zwischen den führenden Handelsregionen Europa, China und den USA. Künftig könnte es, unabhängig vom Preis, schwieriger für die Schifffahrtsunternehmen werden, überhaupt Zugang zum Eigentum an Hafenanlagen zu bekommen.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Werften und Häfen.