Russische Hacker attackieren Italien vor Olympia-Eröffnung


Russische beziehungsweise prorussische Hacker haben kurz vor der morgigen Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele mehrere Cyberangriffe auf italienische Einrichtungen verübt. Wie Italiens Außenminister Antonio Tajani bei einem Besuch in Washington mitteilte, sei „eine Reihe von Cyberangriffen auf Einrichtungen des italienischen Außenministeriums, etwa in Washington, sowie auf Standorte der Olympischen Winterspiele“ festgestellt und abgewehrt worden.

Auch mehrere Hotels im Olympiastandort Cortina d’Ampezzo seien angegriffen worden. Sämtliche Angriffe seien „russischen Ursprungs“ gewesen und hätten zurückgeschlagen werden können, sagte Tajani.

Italienische Medien berichteten, zu den Angriffen mittels Distributed Denial-of-Service (DDoS) hätten sich mehrere prorussische Gruppen bekannt, namentlich die Hackergruppe Noname057(16). In einer Mitteilung der Gruppe heißt es demnach: „Die proukrainische Politik der italienischen Regierung führt dazu, dass wir die Unterstützung ukrainischer Terroristen mit unseren DDoS-Angriffen bestrafen.“ Bei einem solchen Angriff wird eine Website durch eine Flut von Zugriffsanfragen von verschiedenen Rechnern blockiert.

Das Organisationskomitee der Olympischen Winterspiele vom 6. bis 22. Februar und der Paralympics im März betreibt in Mailand gemeinsam mit dem Unternehmen Deloitte und der italienischen Cybersicherheitsbehörde ein rund um die Uhr besetztes Kommunikationszentrum zur Abwehr von Cyberangriffen.

Vergangene Spiele wurden auch angegriffen

Mark Adams, Kommunikationsdirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wollte sich am Mittwochabend in Mailand nicht zu den Berichten äußern: „Wir geben keine Kommentare zu Sicherheitsfragen ab. Das ist beste Praxis.“ Bei den Sommerspielen von Paris 2024 waren nach Angaben der französischen Sicherheitsbehörde ANSSI 141 Cybersicherheitsvorfälle im Zusammenhang mit den Spielen gemeldet worden. Keiner dieser Vorfälle hatte den Ablauf der Veranstaltung beeinträchtigt.

Auch die Winterspiele 2018 in Pyeongchang in Südkorea waren während der Eröffnungsfeier attackiert worden. Spekulationen über eine russische Urheberschaft wollten die Organisatoren damals nicht kommentieren. Später klagte das amerikanische Justizministerium sechs Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes an, für den Angriff verantwortlich gewesen zu sein.

Als Motiv wurden die vom IOC als Reaktion auf das russische Staatsdoping verhängten Sanktionen genannt. Nach Angaben des britischen Außenministeriums hatte Russland auch die Sommerspiele in Tokio 2020, die wegen der Covid-Pandemie erst 2021 ausgetragen wurden, ins Visier genommen.

Russland ist wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine als Teilnehmernation von Olympischen Spielen ausgeschlossen. Allerdings dürfen bei den Winterspielen 2026 in Norditalien 13 russische und sieben belarussische Athleten als neutrale Sportler antreten.

Seit Wochen wird in verschiedenen internationalen Sportverbänden darüber debattiert, ob Russland bald wieder bei internationalen Wettbewerben zugelassen werden soll. Derweil berichtete die BBC, dass vier der zu den Winterspielen 2026 zugelassenen russischen Athleten entgegen der Einschätzung des IOC den Angriffskrieg in der Ukraine faktisch unterstützt hätten.