Rudern: Oxford triumphiert mit Lilli Freischem im Boat Race – Sport

Im vergangenen Jahr saß sie noch im Verliererboot, am Samstag nun hat Lilli Freischem, 26, aus Köln im Oxford-Achter Wind und Wellen besiegt sowie ihre im Cambridge-Achter rudernde jüngere Schwester Mia geschlagen. Es war ein lang herbeigesehnter Triumph in dem Traditionsduell der Elite-Universitäten, der erste seit acht Jahren für Oxfords Frauenteam, und für die Ruderinnen im dunkelblauen Boot deshalb eine Erlösung. Manche, wie Lilli Freischems australische Kollegin Annie Anezakis, hatten es schon zum vierten Mal versucht. „Das beste Gefühl in der ganzen Welt“, sagte sie erschöpft, als die Rivalinnen aus Cambridge bezwungen waren.

In dem Ruder-Duell zwischen Oxford und Cambridge, das bei den Frauen seit 1927 ausgetragen wird, führt Cambridge zwar noch immer mit 49:31 Siegen. An diesem Jahr aber hatte das hellblaue Boot keine Chance gegen die Entschlossenheit der Ruderinnen aus Oxford, die schon nach sechs Sekunden in Führung zogen. Das 6,7 Kilometer lange Rennen auf der Themse, gegen den Strom und auf einer absurd schwierigen doppelten Flussschleife zwischen Putney und Mortlake, ist in jedem Jahr eine Plackerei. In diesem Jahr wurde es durch den Wind und das aufgewühlte Wasser erschwert. Cambridge mit den beiden deutschen Ruderinnen Mia Freischem und Antonia Galland holte gegen Mitte des Rennens noch einmal auf, aber Oxford hielt dagegen und siegte mit knapp drei Längen Vorsprung. Sie sei enorm stolz auf ihre Kolleginnen, sagte die Kapitänin Heidi Long, die 2022 Weltmeisterin im Vierer und 2024 Olympia-Dritte im Achter war, im Sender Chanel Four.

Duell unter der Hammersmith Bridge: Das Männerboot der Universität Cambridge mit Frederik Breuer schlägt Oxford.
Duell unter der Hammersmith Bridge: Das Männerboot der Universität Cambridge mit Frederik Breuer schlägt Oxford. Andrew Matthews/AP

Lilli Freischem, Doktorandin der atmosphärischen Physik in Oxford, und die zwei Jahre jüngere Mia Freischem, die in der Grundlagenforschung zu Nierentransplantationen promoviert, waren die ersten Schwestern seit mehr als zwanzig Jahren, die beim Boat Race gegeneinander ruderten. Und sie waren die ersten Schwestern überhaupt, seit 2015 entschieden wurde, den Wettbewerb der Frauen am selben Tag und auf dem selbem Themse-Abschnitt wie jenen der Männer auszutragen, auf dem so genannten Championship Course vor Hunderttausenden Zuschauern am Ufer im Westen Londons. Sie hatten beide erst vor fünf Jahren im Grundstudium zu rudern begonnen.

Bei den Männern, die im Anschluss an das Frauenrennen an den Start gingen, gewann der Achter der Universität Cambridge. Hier saß der deutsche Schlagmann Frederik Breuer aus Bonn an Bord. Bei den Männern reicht die Tradition des Boat Race, des ältesten Unisport-Wettbewerbs der Welt, schon bis 1829 zurück. In den nunmehr 171 Duellen hat Cambridge 89 Mal gewonnen. Frederik Breuer, 24, studiert in Cambridge Energietechnik. Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 hatte er mit dem Deutschland-Achter den vierten Platz belegt.