Rucksack im Zug vergessen – in Finnland ist das kein Problem – Panorama

Verloren in … Helsinki

Auf dem Weg nach Helsinki, in der S-Bahn vom Flughafen, ruft die Steuerberaterin aus München an. Was mich dermaßen stresst, dass ich beim Aussteigen am Hauptbahnhof den Rucksack vergesse. Das merke ich natürlich viel zu spät: Beim Warten an einer Ampel fühle ich mich plötzlich so merkwürdig leicht. Panisches Zurückgerenne, S-Bahn längst weg. Beim Lost and Found brummt der entspannte Mitarbeiter: „Was wollen Sie überhaupt im Winter in Helsinki?“ „Muss gleich ein Interview machen und direkt danach weiter mit dem Zug ins eiskalte Savonlinna, aber ohne Ruck…“ – „Machen Sie Ihr Interview, dann kommen Sie noch mal. Die Finnen sind dermaßen korrekt, Ihr Rucksack taucht bis dahin sicher wieder auf.“ Interview gemacht. Danach war der Rucksack da. Richtigen Zug erwischt, fast, als ob gar nix passiert wäre. Kiitos paljon, tausend Dank, ihr korrekten Finnen! Alex Rühle

(Foto: Marc Herold)

Verloren in … München

Die Tram ist berstend voll, also legt man aus Umsicht den Rucksack ab. Da blitzt noch der Gedanke auf: An den musst du aber beim Aussteigen denken! Womit natürlich garantiert ist, dass er liegen bleibt. Kommt dann auch so. Samt Laptop, Notizbuch, ein paar Körperpflegeutensilien (Deoroller) und – besonders schmerzhaft – Lindt-Schokolade. Bei den Preisen aktuell. Zum Glück ist man in München, wo solche Dinge in der Regel abgegeben werden, wenn sie nicht groß das eigene Vermögen mehren. Zumal der Laptop Dell ist und nicht Apple. So was erregt ja eher Mitleid. Der Rucksack landet dann auch schnell im MVG-Fundbüro: Notebook, Notizen, alles wie erwartet drin. Nur eine Sache fehlt. Na klar, der Deoroller! Denkt man zunächst beim Herumtasten. Es ist aber leider doch die Schokolade, die weg ist. Fairer Finderlohn. Joshua Beer

(Foto: Marc Herold)

Verloren in … Mexiko-Stadt

Mexiko-Stadt. Ich brauche Pesos. Wie sonst soll man auch an fein triefende Tacos von den Straßenständen kommen? Auf zum Bankautomaten. Der spuckt die Pesitos aus wie ein Feuerkünstler seine Glut. Es läuft. In der Wohnung dann der Schreck. Wo ist die Kreditkarte? Weg. Am ersten Urlaubstag. Arrrrgh. Der Gastgeber unterbricht die Spirale der Selbstverfluchung. Er will noch mal hin zum Ort des Verlustes. Hier, in Mexiko, dem Dorado der Langfinger? Na ja. Im Bankautomaten: nichts. An der Info-Theke: nichts. Auf dem Boden: nichts. War ja klar. Da ist doch bestimmt längst einer unterwegs, um sich mit industriellen Mengen an Salsa Verde einzudecken. Der Gastgeber will schon zurück. Nur ein letzter Blick in den Mülleimer. Handylampe an. Huch, was schimmert denn da blau? Manchmal hält selbst der Abfall Wunder bereit. Viktoria Spinrad

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