Die Landschaft, die sich „unter dem ewig regengrauen Himmel Flanderns“ (Jean Améry) auf dem „platten Land, entre les tours de Bruges et Gant“ (Jaques Brel), zwischen unendlich reich verzierten historischen Städten, an langen Kanälen mit vom Wind gebeugten Pappelreihen ausdehnt, ist nicht immer schön. „Zerschnitten von Straßendörfern, zersiedelt, voller banaler Gebäude, gewaltsam von Zäunen zerrissen, hie und da ein verlorenes Stück Wiese, auf der einige tranige dickärschige Bullen standen, einige karge Baumgruppen, die als Wald herhalten mussten“ – so beschreibt sie der belgisch-flämische Autor Stefan Hertmans in seinem neuen Roman „Dius“. Doch unvermittelt kann sich der Blick weiten, Richtung Meer über weiche Polderlandschaften: „Zart prasselnde Schauer ziehen über das Land und erscheinen im Gegenlicht wie gebauschte Vorhänge, dahinter ein geborstener Regenbogen in Wasserfarben.“
