
Zwei Medaillen für Deutschlands Rodlerinnen und Rodler im Doppelsitzer bei den Olympischen Spielen von Cortina d’Ampezzo, aber keine goldene. Ist das gut oder schlecht für die erfolgsverwöhnte Übernation in den Eiskanälen? Dajana Eitberger und Magdalena Matschina holten Silber, Tobias Wendl und Tobias Arlt Bronze. Und alle vier gaben entsprechende Antworten.
„Definitiv Silber gewonnen“, sagte Dajana Eitberger glücklich und betonte: „Diese Silbermedaille schreibt ihre eigene Geschichte.“ Bei der olympischen Premiere des Doppelsitzers für Frauen erreichte die 35-Jährige gemeinsam mit ihrer 15 Jahre jüngeren Kollegin Magdalena Matschina ihr großes Ziel zum Ende ihrer Karriere. Acht Jahre zuvor hatte Eitberger schon Silber in Pyeongchang gewonnen – damals noch im Einzel.
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Zwischendurch war sie Mutter geworden. „Die letzten acht Jahre waren für mich sehr emotional“, bekannte sie, „gespickt mit vielen neuen Abenteuern.“ Eines davon führte die routinierte Thüringerin gemeinsam mit ihrer Partnerin nach Cortina d’Ampezzo. „Ich bin sehr dankbar, dass ich das erleben darf“, sagte Matschina strahlend, „dass Dajana mir die Chance gegeben hat.“
„Herzklopfen und Bauchschmerzen“
Der härteste Wettkampf für die beiden stellte schon die Qualifikation für das olympische Rennen dar. Denn nur elf Paare durften bei dem erstmals ausgetragenen Wettbewerb teilnehmen – jeweils nur eins pro Nation. Das strenge Reglement hatte zur Folge, dass die im Weltcup auf Rang drei liegenden Jessica Degenhardt und Cheyenne Rosenthal nicht teilnehmen durften. „Wir wussten, dass die Erwartungshaltung ziemlich groß ist, wenn nur ein deutsches Damendoppel am Start ist“, sagte Eitberger, darauf anspielend, dass Deutschland im Eiskanal üblicherweise eine Übermacht darstellt. „Damit in den Tag zu starten, macht Herzklopfen und Bauchschmerzen.“

Doch beide hielten dem Druck stand und belegten nach zwei Durchgängen mit einem Rückstand von 0,120 Sekunden Rang zwei. Gold gewannen die Italienerinnen Andrea Vötter und Marion Oberhofer. Die als Weltmeisterinnen favorisierten Österreicherinnen Selina Egle und Lara Kipp mussten sich mit Bronze (+0,259) begnügen.
„Man kann viel rausholen, wenn man locker fährt“
Dajana Eitberger hatte jahrelang zur Weltspitze im Einsitzer gehört, wechselte dann nach ihrer Babypause auf den Doppelsitzer. „Ich wusste 2022, dass meine Reise bis 2026 weitergeht“, sagte sie. „Ich dachte, da kommt noch was Großes.“ Sie sollte recht behalten.
Und auch mit ihrer Einschätzung über die Chancen für Tobias Wendl und Tobias Arlt lag sie richtig. Die dreimaligen Olympiasieger waren am Abend nach dem ersten Lauf nur auf Rang fünf platziert. Doch Eitberger sagte ihnen: „Man kann ganz viel rausholen, wenn man locker fährt.“
Die beiden Tobis schafften es dann tatsächlich noch in die Medaillenränge. Im Ziel wiesen sie 0,090 Sekunden Rückstand auf die siegreichen Italiener Emanuel Rieder und Simon Kainzwaldner auf. Das Heimteam hatte sich im zweiten Lauf noch von Rang drei nach vorn geschoben. Silber gewannen die Österreicher Thomas Steu und Wolfgang Kindl (+0,068).
„Jeder hat gerne eine Medaille, wir haben sie nicht“
Das zweite deutsche Duo, der erfahrene Toni Eggert und sein junger Kollege Florian Müller, verpasste auf Rang vier (+0,183) knapp das Podest. „Wir sind heute die besten Läufe unserer Woche gefahren“, bilanzierte Eggert immerhin, nachdem die beiden im Training noch von internen Dissonanzen gebremst wurden. „Zum Schluss ist der vierte Platz super bitter. Jeder hat gerne eine Medaille, wir haben sie nicht“.
Weniger bitter fiel das Fazit von Tobias Arlt aus, gleichwohl sprach auch er Schwierigkeiten an. „Die Woche war sehr sehr hart für uns“, bilanzierte er. „Wir sind gar nicht auf Speed gekommen.“ Materialprobleme überschatteten die Zeit in Cortina: „Wir haben gedacht, dass die Schiene funktioniert, aber wir haben keinen geraden Zug nach unten gebracht“. Auch die zweite Variante habe nicht gebracht, was sie sich erhofften. Bis in den späten Abend und auch den frühen Morgen vor dem Wettkampf verbrachten beide in der Werkstatt.
„Diese Bronzemedaille ist wie Gold für uns“, sagte Arlt angesichts der widrigen Umstände, auch wenn eine erstaunliche Siegesserie endete. Seit 2014 hatten Wendl/Arlt bei drei Olympischen Spielen jeweils Gold im Doppelsitzer und in der Teamstaffel gewonnen.
Nun also Bronze, und ein Bonus ist für die beiden noch drin. Da sie Eggert/Müller im zweiten Durchgang noch überholten, und somit bestes deutsches Team waren, sicherten sie sich ihren Startplatz für die Teamstaffel am Donnerstag (18.30 Uhr) – und da sollte angesichts der geringen Konkurrenz von nur neun Teams eine Medaille sicher sein. Bei den bisherigen drei Auflagen des Wettbewerbs hieß der Sieger übrigens stets: Germany.
