Rheuma: Symptome und Behandlung der rheumatoiden Arthritis

Stand: 24.02.2026 21:21 Uhr
| vom

Rheuma ist eine Volkskrankheit. Typische Symptome der rheumatoiden Arthritis sind Gelenkschmerzen und Morgensteifigkeit. Zur Behandlung gehören Medikamente, Bewegung und ergänzend die richtige Ernährung.

Rund 400 verschiedene Erkrankungen fassen Mediziner heutzutage unter dem Oberbegriff „Krankheiten des rheumatischen Formenkreises“ zusammen – dazu gehören etwa Gicht, Lupus erythematodes, Krankheiten der Gefäße (Vaskulitis) und viele mehr. Rheumatische Erkrankungen treffen Menschen aller Altersklassen, selbst Kinder können schon an Rheuma leiden.

Rheuma tritt größtenteils am Bewegungsapparat auf, betrifft aber nicht nur „harte“ Strukturen wie Knochen, Gelenke oder Knorpel, sondern auch „Weichteile“ wie Muskeln, Bänder oder Sehnen. Selbst Organe, Rippenfell oder Nerven können betroffen sein.

Prof. Gabriela Riemekasten.

Wie wirkt Sport bei Rheuma? Wie sollte das Training aufgebaut sein? Worauf müssen Betroffene achten? Prof. Gabriela Riemekasten informiert.

Rheuma schädigt auch die Gefäße. Betroffene können sehr viel früher Herzinfarkte und Schlaganfälle bekommen. Unbehandelt beeinträchtigt die Erkrankung die Lebenserwartung.

Die rheumatischen Erkrankungen lassen sich in vier Hauptgruppen unterteilen:

  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • verschleißbedingte (degenerative) Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen
  • Weichteilrheumatismus
  • Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden (pararheumatische Erkrankungen)

Rheumatoide Arthritis: eine der häufigsten rheumatischen Erkrankungen

Am häufigsten ist die rheumatoide Arthritis (früher: chronische Polyarthritis, cP), eine fortschreitende Gelenkentzündung, bei der die Innenhaut von Gelenken, Sehnenscheiden oder Schleimbeuteln angegriffen wird. Geschätzt 800.000 Menschen leiden hierzulande daran, darunter fast dreimal so viele Frauen wie Männer. Meist beginnt die Krankheit in der zweiten Lebenshälfte. In Deutschland sind aber auch etwa 15.000 Kinder davon betroffen. Heilbar ist Rheuma bisher nicht, jedoch gut behandelbar: Wird die Erkrankung früh genug erkannt, kann die Entzündung gestoppt oder verlangsamt werden.

Symptome: Schmerzen und Morgensteifigkeit der Gelenke

Rheuma beginnt häufig schleichend mit unspezifischen Symptomen und kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen:

  • Gelenkschmerzen: Stechende oder reißende Schmerzen treten vor allem nachts oder in Ruhe auf, oft zuerst in kleinen Gelenken wie Finger- und Zehengrundgelenken, im Gegensatz zu Arthrose verbessern sie sich durch Bewegung.
  • Morgensteifigkeit: Die Gelenke fühlen sich nach dem Aufwachen steif und eingeschränkt beweglich an, was alltägliche Handgriffe wie das Schließen eines Knopfes erschweren kann.
  • Schwellungen und Überwärmung: Betroffene Gelenke schwellen an, werden warm, druckempfindlich und sind manchmal gerötet – typischerweise symmetrisch auf beiden Körperseiten (Daumen, Hände).
  • Allgemeine Erschöpfung (Fatigue): Starke Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsabfall trotz ausreichend Schlaf, oft begleitet von Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und sogar leichter Anämie durch die chronische Entzündung.
  • Weitere systemische Anzeichen: Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, leichtes Fieber, Nachtschweiß oder allgemeines Krankheitsgefühl, die den Alltag stärker belasten können als die Gelenkprobleme allein.
  • Haut- und Weichteilveränderungen: Rheumaknoten als feste Knötchen unter der Haut (zum Beispiel Ellenbogen, Füße), Muskelschwäche oder im Verlauf Verformungen der Gelenke.
  • Beteiligung anderer Organe: Seltenes Auftreten von Luftnot (Lunge), Übelkeit (Darm), Bluthochdruck, Ödemen (Niere) und Augenbeschwerden wie Trockenheit oder Rötung.

Symptome nach Rheuma-Formen

Rheuma umfasst verschiedene Erkrankungen mit spezifischen Symptomen je nach Form – eine frühzeitige Unterscheidung ist entscheidend für die Behandlung.

  • Rheumatoide Arthritis: symmetrische Gelenkentzündungen mit Schwellungen, Wärme, Morgensteifigkeit und Nachtschmerzen.​
  • Fibromyalgie (nicht-entzündlich): diffuse Muskelschmerzen, Druckpunkte, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und Fatigue​
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Gelenkschmerzen, Fieber, Schmetterlingsausschlag, Lichtempfindlichkeit und Müdigkeit​
  • Sklerodermie: Hautverdickungen, Raynaud-Syndrom (kalte, weiß-bläuliche Finger), Gelenksteifheit und Ösophagusprobleme

Die Krankheit kann langsam und milde verlaufen. Bei manchen – häufig älteren Patienten – verformen sich die Gelenke allerdings sehr rasch, versteifen und verursachen starke Schmerzen. Die Patienten können ihren Alltag dann nicht mehr ohne Hilfe bewältigen.

Rheuma oder Arthrose?

Nicht immer ist die Diagnose leicht zu stellen, ob für Beschwerden Rheuma oder Arthrose ursächlich ist. Bei jungen Patienten ist es relativ einfach, weil sie in der Regel noch keinen Gelenkverschleiß aufweisen. Bei älteren Patienten, die unter Arthrose leiden, wird es zunehmend schwieriger, das auseinanderzuhalten. Und es können auch beide Krankheiten zugleich vorliegen.

Diagnose mit Bluttest, Ultraschall und MRT

Der Rheuma-Index DAS 28 ermittelt die entzündliche Aktivität der Erkrankung. Sind mehrere Gelenke länger als sechs Wochen entzündet, besteht der Verdacht auf rheumatoide Arthritis. Der Arzt wird Blut abnehmen: Erhöhte Blutsenkung und erhöhtes CRP (C-reaktives Protein) weisen allgemein auf eine Entzündung hin. Lassen sich zudem der sogenannte Rheumafaktor und bestimmte Antikörper nachweisen, dann gilt die Diagnose rheumatoide Arthritis als gesichert. Es gibt allerdings auch eine „seronegative“ Form dieser Erkrankung, bei der Rheumafaktor und Antikörper fehlen.

Im Ultraschall lässt sich gegebenenfalls die entzündlich verdickte Gelenkinnenhaut erkennen. Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Magnetresonanztomografie (MRT) können zeigen, ob bereits Schäden an Knochen oder Knorpel bestehen.

Ursache: Autoimmunreaktion löst Entzündung aus

Die Ursachen für die rheumatoide Arthritis sind noch nicht vollständig erforscht. Gesichert scheint, dass Autoimmunprozesse beteiligt sind, durch die das Immunsystem der Betroffenen körpereigenes Gewebe bekämpft. Fehlgesteuerte Immunzellen gelangen – angeregt von bestimmten Botenstoffen, den Interleukinen – in die Gelenke und verursachen dort Entzündungen. Dadurch vernarbt und wuchert die Gelenkinnenhaut immer mehr, Knorpel und Bänder werden geschädigt. Das schmerzt, führt zu Bewegungseinschränkungen und – falls nicht rechtzeitig und adäquat therapiert wird – zur Zerstörung des Gelenks.

Für die Fehlsteuerung des Immunsystems dürfte ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren verantwortlich sein. Dazu gehören neben einer genetischen Veranlagung das Rauchen und möglicherweise andere Umweltgifte.

Schnelle Behandlung bringt besten Therapie-Erfolg

Wie die meisten rheumatischen Erkrankungen zählt die rheumatoide Arthritis zu den chronischen Krankheiten. Betroffene können ihren Krankheitsverlauf aber verlangsamen oder sogar ganz zum Stillstand bringen. Besonders günstig ist die Prognose, wenn sie so früh wie möglich eine Therapie beginnen. Deshalb sollten Betroffene bei den ersten Symptomen eine rheumatologische Praxis aufsuchen.

Eine Studie weist darauf hin, dass Schäden an Gelenken und Symptome verhindert oder verzögert werden können, wenn eine Behandlung bereits früh bei Personen mit erhöhtem Risiko für die Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis erfolgt.

Medikamente gegen Entzündung: Immunsuppressiva und Biologika

Rheumatologische Fachpraxen erarbeiten zusammen mit dem Patienten einen Behandlungsplan, der auf moderne entzündungshemmende Medikamente setzt. Zum Einsatz kommen meist sogenannte Immunsuppressiva wie Methotrexat und Biologika, die bestimmte überschießende Funktionen des Immunsystems dämpfen.

Entzündungshemmende Ernährung kann helfen

Ergänzend zu der medikamentösen Behandlung kann eine spezielle entzündungshemmende Ernährung helfen. Fleisch sollte nur noch selten auf den Tisch kommen, weil es viel entzündungsfördernde Arachidonsäure enthält. Auch Zucker, Weißmehlprodukte und Fertiggerichte sollten nur sehr sparsam konsumiert werden. Empfehlenswert ist stattdessen, jeden Tag mehrere Portionen Gemüse zu essen – und davon möglichst viele verschiedene Varianten. Denn pflanzliche Mineralstoffe und Antioxidantien sowie gute Fette, insbesondere Omega-3-Fettsäuren, helfen gegen die Entzündung. Diese Ernährungsweise schützt auch das Herz. Manche Betroffene profitieren zudem von Heilfasten.

Ernährungs-Doc Dr. Silja Schäfer

Vivien H. leidet an juveniler Arthritis. Die Entzündung hat ihre Gelenke bereits fest im Griff, manchmal kann die Erstklässlerin nicht einmal vom Stuhl aufstehen. Können die Ernährungs-Docs helfen?

Rheuma mit Ergotherapie und Physiotherapie lindern

Ergotherapie und Physiotherapie sind zentrale Säulen der Rheuma-Behandlung. Sie können helfen, Schmerzen zu lindern, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und den Alltag besser zu bewältigen. In der Ergotherapie werden gezielt Alltagsbewegungen trainiert, Gelenkschutztechniken vermittelt und Schienen angepasst. Physiotherapie mit krankengymnastischen Übungen stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und kann Entzündungen langfristig reduzieren.

Sport bei Rheuma

Neben Physio- und Ergotherapie ist Bewegung ein wichtiger zusätzlicher Baustein der Rheumabehandlung. Sie wirkt sich positiv auf Schmerzen, Beweglichkeit, das Herz-Kreislauf-System und die Lebensqualität aus.

Geeignete Sportarten bei Rheuma

Gut geeignet sind gelenkschonende Ausdauer- und Kräftigungssportarten, bei denen viele Gelenke bewegt werden, ohne dass sie stark belastet werden. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Spazierengehen, Walking, Nordic Walking, leichtes Wandern
  • Radfahren, gegebenenfalls auf dem Heimtrainer
  • Schwimmen, Aqua Gymnastik, Aqua Jogging, möglichst im warmen Wasser
  • Gymnastik, Funktionstraining, leichte Kräftigungsübungen mit kleinen Gewichten oder dem eigenen Körpergewicht
  • Ball- und Sprungsportarten sowie Kontaktsportarten und Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko sollten gemieden werden, da sie die Gelenke stark belasten können.

Wie viel Training ist sinnvoll?

Gemäß den EULAR-Leitlinien für Rheuma wird ein moderates Ausdauertraining von insgesamt etwa 150 Minuten pro Woche empfohlen, aufgeteilt auf zwei bis drei Einheiten à 30 bis 60 Minuten. Ergänzend sind zweimal pro Woche kurze Einheiten mit Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen sinnvoll, die sich gut in den Alltag integrieren lassen (beispielsweise 10 bis 15 Minuten an mehreren Tagen). Wichtig ist ein langsamer Einstieg: Wer länger inaktiv war, beginnt mit kürzeren Einheiten und geringerer Intensität und steigert sich schrittweise. Die Sportart und die Intensität hängt auch vom Alter, den Vorerkrankungen, Risikofaktoren und der sportlichen Vorerfahrung der Patienten und Patientinnen ab und sollte individuell angepasst werden.

Sport bei Fatigue

Viele Menschen mit Rheuma leiden unter einer ausgeprägten Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue), die den Alltag stark einschränken kann. Regelmäßige, dosierte Bewegung kann nachweislich die Fatigue verringern, das Energieniveau verbessern und die Lebensqualität steigern. Hilfreich ist ein individueller Bewegungsplan mit kleinen, gut planbaren Einheiten. Es ist besser, häufiger kürzer zu trainieren als selten und sehr intensiv. Pausen und Erholungsphasen sind fester Bestandteil des Trainings. Bei starker Erschöpfung kann ein kurzer Spaziergang oder sanftes Dehnen ausreichen.

Umgang mit Schmerzen beim Sport

Leichte Anlaufschmerzen oder ein moderater Muskelkater nach ungewohnten Bewegungen sind in der Regel harmlos und klingen meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden ab. Starke Schmerzen, deutliche Schwellungen oder die Überwärmung eines Gelenks sind hingegen Warnsignale. In diesem Fall sollte das Training reduziert oder unterbrochen und ärztlicher Rat eingeholt werden. Wenn die Schmerzen während einer Trainingseinheit deutlich zunehmen oder neue Beschwerden auftreten, ist es sinnvoll, die Belastung sofort zu verringern oder die Übung abzubrechen.

Wann auf Sport machen verzichten?

Bei einem akuten Schub mit stark entzündeten, geschwollenen und überwärmten Gelenken sollte auf anstrengenden Sport verzichtet werden. In dieser Phase sind nur langsame, schonende Bewegungen erlaubt, die oft im Rahmen der Physiotherapie oder Ergotherapie durchgeführt werden, um die Gelenke beweglich zu halten, ohne sie zu überlasten.

Alternative Schmerztherapien bei Rheuma

Methoden der Naturheilkunde können zur Schmerzlinderung beitragen und die Selbstheilung fördern. Bei der Akupunktur werden Nadeln an Meridianpunkten eingesetzt, um die Lebensenergie Qi zu lenken, die in der Schmerztherapie wirksam sein kann. Die Fußreflexzonenmassage regt über Nervenbahnen die Organfunktionen an, verbessert die Durchblutung und kann so Schmerzen lindern. Medizinische Blutegel setzen durch ihren Speichel (mit Hirudin und Calin) gerinnungshemmende, antientzündliche und schmerzlindernde Stoffe frei. Diese können den Blut- und Lymphfluss fördern, Gewebe reinigen und das Immunsystem stärken – was insbesondere bei chronischen Gelenkerkrankungen und Schwellungen vorteilhaft sein kann.

In der Naturheilkunde nimmt Yoga einen festen Platz ein. Eine randomisierte Studie aus Indien zeigte, dass ein achtwöchiges Yoga-Training bei rheumatoider Arthritis die Krankheitsaktivität signifikant senkt, entzündliche Biomarker normalisiert und das Immunsystem ausgleicht.

Kälte- und Wärmetherapie beim akuten Rheumaschub

Auch Wärme-, Kälte- oder Elektrotherapie (TENS) können unterstützend zum Einsatz kommen. So verschafft es beispielsweise im akuten Schub vielen Rheumatikern Linderung, die Hände zehn Minuten lang in einer Schüssel mit zum Beispiel Rapssamen oder Linsen zu bewegen. Viele verwenden sie kühlschrankkalt, aber wem Wärme mehr hilft, der kann die Samen auch kurz in die Mikrowelle stellen.

Rheumaschmerzen: Wann ist eine OP notwendig?

Im fortgeschrittenen Stadium ist bei manchen Betroffenen eine Operation unumgänglich, bei der zerstörte Gelenke durch eine Prothese ersetzt oder, wenn dies nicht möglich ist, zum Beispiel versteift werden.

Expertin und Experte aus dem Beitrag

Drei Garnelenspieße liegen auf einer Platte, daneben ein Schälchen mit Dip.

Wenig Fleisch, dafür Fisch und viel Gemüse sollten bei Rheuma auf den Teller kommen. Pflanzliche Stoffe wirken entzündungshemmend.

Ein Frau hält sich vor Schmerzen das Handgelenk.

Eine Störung im Darm kann zu rheumatischen Beschwerden führen. Eine entzündungshemmende Ernährung kann helfen.

Grafische Abbildung eines Hüftgelenks

Bei einer Coxarthrose wird die Knorpelschicht der Knochen im Hüftgelenk durch Verschleiß dünner. Was hilft?