René Wagner – Kölns überraschende Lösung der Trainerfrage

Rene Wagner

Stand: 23.03.2026 • 12:46 Uhr

Der 1. FC Köln setzt nach der Trennung von Lukas Kwasniok mit dem bisherigen Co-Trainer René Wagner auf eine interne Lösung. Die kommenden Wochen im Abstiegskampf werden zeigen, ob nicht doch noch ein Feuerwehrmann den Trainerposten übernimmt.

Die am Sonntag vollzogene Trennung von Lukas Kwasniok kam beim 1. FC Köln wenig überraschend, nach dem 3:3 im Derby gegen Mönchengladbach und der niederschmetternden Bilanz von zwei Siegen aus 18 Bundesligaspielen.

Umso mehr überraschte es, dass die Kölner, die nach 27 Spieltagen nur noch zwei Punkte von Platz 16 entfernt sind, keinen erfahrenen Retter engagiert haben, um die Klasse zu sichern. Dafür haben sie den bisherigen Assistenten René Wagner zum Cheftrainer ernannt: Der 37-Jährige ist damit nicht nur einer der jüngsten Bundesliga-Trainer, er bekommt zum ersten Mal überhaupt die Verantwortung als Cheftrainer. Wagners Co-Trainer wird der erfahrene Armin Reutershahn, wie die Kölner am Montag mitteilten.

Über Florida und Paderborn nach Müngersdorf

Wagner hat bislang eine klassische Trainerkarriere in der zweiten Reihe hingelegt, mit durchaus schillernden Adressen: Nachdem er sich als Spieler bei Klubs in seiner sächsischen Heimat Dresden nicht durchsetzen konnte, zog es ihn 2012 mit einem College-Stipendium nach Hawaii an die Pacific University. Schon dort trat er den Job als Co-Trainer an und wechselte nach Florida, erst zu Palm Beach United, dann zu Inter Miami. Fabian Wohlgemuth, damals Geschäftsführer beim SC Paderborn, holte Wagner als Scouting-Chef nach Ostwestfalen, gemeinsam mit Coach Steffen Baumgart landete er dann als Assistenzcoach beim 1. FC Köln.

Kennen sich: Rene Wagner (l.) und Steffen Baumgart (r.) im März 2025.

Wagner folgte Baumgart im Anschluss auch zum HSV und zu Union Berlin. Im vergangenen Sommer holte Kölns neuer Sportchef Thomas Kessler ihn dann zurück in die Domstadt, diesmal als Assistent des gerade verpflichteten Lukas Kwasniok.

Wagner als Chefcoach – Revival der Baumgart-Zeiten

Dies konnte man als Rückbesinnung auf alte erfolgreiche Zeiten lesen: Unter der Regie von Baumgart und Co-Trainer Wagner schaffte es der FC vom Beinahe-Absteiger auf Platz 7 und in den internationalen Wettbewerb – bevor die damalige sportliche Leitung unter Christian Keller das aufgebaute Fundament wieder einriss, mit umstrittenen Kaderentscheidungen und einer selbstverschuldeten Transfersperre. Dass Kölns Verantwortliche zeitgleich zu Kwasnioks Verpflichtung mit Wagner einen erfahrenen Co-Trainer zurückholten, lässt sich im Nachhinein auch so interpretieren, als hätte man schon eine mögliche Backup-Lösung eingekauft – für den Fall, dass der aus der 2. Liga geholte Chefcoach die Ansprüche doch nicht erfüllt.

Kwasniok mehr und mehr in der Kritik

Kwasniok hatte mit dem Aufsteiger aus Köln einen famosen Saisonstart hingelegt, aber schon in der Hinrunde einiges an Kredit verspielt, bei den Fans und dem Vernehmen nach auch im Team. Die Diskussion darüber, ob Überflieger Said El Mala in der Startelf stehen soll oder nicht, verfolgte die Kölner über die komplette Saison. Kwasnioks Aufstellungspolitik, mit oft wechselnden Startformationen, wurde aber insgesamt immer kritischer verfolgt. Alte und neu verpflichtete Stammkräfte wie Linton Maina, Luca Waldschmidt, Ragnar Ache oder Tom Krauß blieben immer mal wieder außen vor.

Im richtungsweisenden Derby gegen Gladbach stellte er mit Cenny Neumann einen Startelf-Debütanten auf die rechte Abwehrseite, der 19-Jährige verlor schon beim ersten Gegentreffer den Überblick. Spätestens damit hatte Kwasniok wohl auch das Vertrauen der sportlichen Leitung verspielt, wie Geschäftsführer Kessler schon nach dem Abpfiff andeutete („Ein Punkt ist zu wenig“). Co-Trainer Wagner soll aber in der Kabine, vor allem bei den erfahrenen Spielern, Rückhalt genießen.

Kommt doch noch ein Feuerwehrmann?

Die Beförderung des bisherigen Assistenten zum Chefcoach wurde in Köln explizit nicht als Interimslösung kommuniziert. Dementgegen stehen allerdings Meldungen, wonach das Klub-Management bereits vor dem als Bewährungsprobe ausgerufenen Spiel gegen Mönchengladbach eine Anfrage an Dino Toppmöller geschickt haben soll. Der in Frankfurt freigestellte Coach soll aber erst zu einem Engagement zur neuen Saison bereit gewesen sein – und nicht als Feuerwehrmann.

Für diesen Posten hatte sich dafür schon vor einigen Wochen Friedhelm Funkel ins Spiel gebracht. Der Trainer-Routinier hatte schon in der vergangenen Zweitliga-Saison die im Endspurt taumelnden Kölner über die Ziellinie gebracht und zeigte sich zuletzt bei entsprechenden Anfragen der Medien grundsätzlich offen für einen neuerlichen Einsatz.

Wegweisende Duelle nach der Länderspielpause

Bei den Fans in Köln laufen schon seit Wochen Wetten, wann der verdiente Funkel, mit dem der FC auch schonmal eine Relegation überstand, in Müngersdorf wieder als Retter einspringen wird. Dies wird von den Ergebnissen der kommenden Wochen abhängen: Nach der Länderspielpause wartet ein schwieriges Auswärtssspiel beim Europapokal-Aspiranten Frankfurt. Danach geht es gegen Werder Bremen und gegen den FC St. Pauli – zwei Duelle mit direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt.